74 | PRAXIS zm115 Nr. 15-16, 16.08.2025, (1332) Handlung stellen oder beantworten und sagen, was man als Nächstes tun soll und was man nicht vergessen darf. Die Klasse wird aber auch in die Analyse einbezogen, weil das VR-Programm Fehler markieren und so Lernanlässe liefern kann, erklärt Fuhlendorf. „Das wäre in einem echten Sterilisationsraum so nicht abbildbar.“ Außerdem können die Schülerinnen und Schüler mithilfe von 360-Grad-Bildern den digitalen Klassenraum erkunden, auf vier Niveaustufen damit zusammenhängende Aufgaben lösen oder Gelerntes nachbereiten. Das Angebot kommt bei den Schülerinnen und Schülern offensichtlich gut an. „Das macht wirklich Spaß und ist total motivierend!“, sagte der 20-jährige Ali, Auszubildender im ersten Jahr, dem Hamburger Zahnärzteblatt (HZB). Klassenkamerad Maurice gefällt an dem VR-Steri das „visuelle Lernen“. Und auch Schulleiter Stefan Kurbjuhn ist begeistert. Seiner Ansicht nach wird das bereits implementierte Individualisierungskonzept der Schule durch das Projekt „auf eine neue Ebene gehoben“. In einer digitalisierten Welt sei es unerlässlich, dass Bildungseinrichtungen den Anforderungen der modernen Arbeitswelt gerecht werden und die digitalen Kompetenzen von Auszubildenden fördern, sagt er dem HZB. Die KI kann Stresssituationen simulieren In einer ersten Projektstufe bildet der virtuelle Sterilisationsraum nur die Aufbereitung von Instrumenten ab, erklärt Fuhlendorf. Für die Zukunft sei aber auch denkbar, dass die Lehrerinnen und Lehrer mit Unterstützung von Künstlicher Intelligenz (KI) passgenaue virtuelle Szenarien entwickeln, die dann praxisrelevante Problemsituationen nachbilden. Die Anwenderinnen und Anwender könnten zum Beispiel durch Geräusche und optische Reize gezielt in Stresssituationen gebracht werden, in denen sie Entscheidungen treffen müssen: Soll ich schnell noch die Instrumententrays in das Reinigungs- und Desinfektionsgerät (RDG) stellen oder sofort loslaufen, wenn die vorgesetzte Kollegin nach Unterstützung ruft? Komme ich rechtzeitig zurück, um das RDG fertig zu befüllen, oder hat das inzwischen eine andere Kollegin gemacht und wirft mir vor, unzuverlässig zu sein? Falls ja, wie gehe ich dann damit um? Solche Szenarien könnten künftig sogar einen Mehrspielermodus bieten, prognostiziert Fuhlendorf. Auch wenn es noch nicht soweit ist, steht schon jetzt fest: Die VR-Brillen sind für Lehrer und Schüler gleichermaßen attraktiv, auch weil der Unterricht abwechslungsreicher und aktiver wird. Den experimentellen Pilotstatus hat die Technik schon so gut wie hinter sich – und könnte darum bald für andere Einrichtungen in Deutschland interessant werden. mg SO WURDE DER VIRTUELLE STERIRAUM ENTWICKELT Das Zentrum für Digitalisierungsund Technologieforschung der Bundeswehr hat das Projekt KoDiA („Kompetenzen für die digitale Arbeitswelt“) mithilfe des Wiederaufbaufonds der EU (NextGeneration EU) ins Leben gerufen. Partner ist der Landesbetrieb HIBB (Hamburger Institut für Berufliche Bildung) als Schulträger. Die technische Entwicklung der VR-Simulation übernahm die Bundeswehruniversität München mit dem ITIS-Institut für Technik intelligenter Systeme. Fotos: Anja Borghardt Anders als im echten Steriraum der Berufsschule kann der Rest der Klasse am Kontrollmonitor verfolgen, was richtig und was falsch gemacht wird. Foto: A. Fuhlendorf Viele Schülerinnen und Schüler sind durch pivates Gaming bereits geübt im Umgang mit VR-Technologie.
RkJQdWJsaXNoZXIy MjMxMzg=