Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 23

POLITIK | 29 zm115 Nr. 23-24, 01.12.2025, (1975) MINAMATA-KONVENTION IN GENF Weltweites Aus für Dentalamalgam erst 2034 Mehr als 150 Staaten haben sich bei der Konferenz zur Minamata-Konvention in Genf auf ein Ende quecksilberhaltiger Dentalamalgam-Füllungen bis 2034 geeinigt. Damit wurde das Phase-out um vier Jahre verlängert. Die sechste Tagung der Minamata-Konvention über Quecksilber (COP-6) fand vom 3. bis zum 7. November 2025 in Genf statt und brachte mehr als 1.000 Teilnehmer vor Ort und fast 4.000 Online-Gäste zusammen. Die Vertragsparteien erließen unter dem Vorsitz von COP-6-Präsident Osvaldo Álvarez Pérez aus Chile 22 Beschlüsse, „um die Umsetzung, die Zusammenarbeit und den Schutz der menschlichen Gesundheit und der Umwelt vor Quecksilberverschmutzung“ voranzutreiben. Die World Dental Federation (FDI) und die International Association for Dental, Oral and Craniofacial Research (IADR) werten das Ergebnis als „wegweisende Entscheidung“, da die von ihnen geforderte Verlängerung der weltweiten Auslaufphase von 2030 – dem ursprünglich vorgeschlagenen Datum – auf 2034 Zustimmung fand. Somit ist nun 2034 das globale Auslaufdatum, nach dem Herstellung, Einfuhr oder Ausfuhr von Zahnamalgam nicht mehr zulässig sein werden. Einige Staaten haben Amalgam bereits verbannt, andere, insbesondere ein Zusammenschluss afrikanischer Länder, hatten in Genf einen früheren Ausstieg bis 2030 gefordert. Widerstand kam vor allem von Indien, dem Iran und Großbritannien, die längere Übergangsfristen verlangten. Entscheidend ist aus Sicht der FDI, dass die Regelung mit der Ausnahmeregelung sicherstellt, dass Zahnamalgam auch nach seiner schrittweisen Abschaffung weiterhin verwendet werden kann, „wenn der Zahnarzt dies aufgrund der Bedürfnisse des Patienten für notwendig erachtet“. Diese Bestimmung gewährleiste, dass die Patientenversorgung im Mittelpunkt der Entscheidungsfindung bleibt und der Zugang zu unverzichtbaren restaurativen Behandlungen gewährleistet ist, wenn noch keine Alternativen verfügbar oder praktikabel sind. Die Patientenversorgung bleibt imZentrum Die FDI und die IADR hatten sich zuvor mit Unterstützung der International Dental Manufacturers Association (IDM) und der American Dental Association (ADA) für diese Ausnahmeregelung eingesetzt. „Die beschleunigte Reduzierung und letztendlich die vollständige Abschaffung von Zahnamalgam sind zwar unerlässlich, müssen jedoch durch einen evidenzbasierten, patientenorientierten und gerechten Übergang erreicht werden, der allen Ländern gerecht wird und ihre spezifischen Herausforderungen und Kapazitäten berücksichtigt“, teilte die FDI mit. Beide Organisationen forderten auch die Erforschung erschwinglicher, wirksamer und nachhaltiger alternativer Materialien und stellten klar, dass die Abfallentsorgung obligatorisch sein sollte, um das übergeordnete Ziel des Übereinkommens zu stärken – die Quecksilberbelastung der Umwelt zu reduzieren. ck Das Minamata-Übereinkommen wurde 2013 beschlossen und trat 2017 in Kraft, mehr als 150 Länder haben es bislang unterzeichnet. Kanada, die USA und Großbritannien haben die Verwendung von Amalgamfüllungen noch nicht untersagt. Die siebte Tagung der Minamata-Konvention (COP-7) findet vom 14. bis zum 18. Juni 2027 in Genf statt und soll die Vertragsparteien in die nächste Phase der Umsetzung führen. Foto: alexus-stock.adobe.com WARUM DIE QUECKSILBERBELASTUNG STEIGT Der Bergbau und die Verbrennung fossiler Brennstoffe haben die weltweite Quecksilberbelastung verstärkt. Gelangt Quecksilber in die Atmosphäre, kann es sich im Wasser oder am Boden ablagern, wo es in Methylquecksilber umgewandelt wird – eine hochgiftige Form, die sich auch in Fischen und Schalentieren anreichert. Nach Angaben der US-Umweltschutzbehörde (Environmental Protection Agency, EPA) erfolgt die größte Belastung des Menschen durch den Verzehr kontaminierter Meeresfrüchte. Interpol verfolgt seit Anfang November weltweit kriminelle Netzwerke hinter illegalem Holzeinschlag, Holzschmuggel und Goldabbau – Aktivitäten, die maßgeblich zur Entwaldung und Quecksilberbelastung beitragen. Dabei konzentriert sich der Einsatz insbesondere auf die tropischen Wälder Brasiliens, Ecuadors, Indonesiens, Papua-Neuguineas und Perus. Ziel ist, den illegalen Bergbau im Amazonasbecken einzudämmen, der mittlerweile eine der Hauptquellen der Quecksilberbelastung darstellt.

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