zm115 Nr. 23-24, 01.12.2025, (1978) 32 | ZAHNMEDIZIN Diskussion Lipome gehören zu den häufigsten benignen mesenchymalen Tumoren und bestehen aus reifem, differenziertem Fettgewebe. Innerhalb der Mundhöhle treten sie jedoch vergleichsweise selten auf und machen weniger als fünf Prozent aller benignen oralen Neoplasien aus [Raj et al., 2014]. Die bevorzugten Lokalisationen sind die Wangenmukosa sowie die Lippen und die Zunge, während der Mundboden nur in Ausnahmefällen betroffenist. Klinisch manifestieren sich intraorale Lipome meist als langsam wachsende, weiche, schmerzlose Raumforderungen, die aufgrund ihrer Seltenheit und unspezifischen Symptomatik häufig mit anderen Läsionen (wie Ranulae, oder Speichelsteinen) verwechselt werden [Gibson et al., 2021]. Die ätiopathogenetischen Mechanismen sind bislang nicht vollständig geklärt, diskutiert werden sowohl traumatische als auch metaplastische Prozesse. Lipome im Bereich des anterioren Mundbodens stellen eine ausgesprochen seltene Entität dar – der vordere Mundboden ist dabei eine besonders ungewöhnliche Manifestationsstelle. Die genaue Ätiologie bleibt unklar; diskutiert werden lokale Traumata, chronische Irritationen sowie metaplastische Prozesse des Fettgewebes [De Vasconcellos et al., 2022]. Klinisch können Lipome des Mundbodens zunächst unspezifisch imponieren. Die wichtigsten Differenzialdiagnosen umfassen Ranula, Aphthen, Speichelsteine (Sialolithiasis) sowie – insbesondere bei ulzerierten oder indurierten Läsionen – ein Plattenepithelkarzinom. Eine sorgfältige klinische Untersuchung, ergänzt durch bildgebende Verfahren (zum Beispiel Sonografie oder MRT), ist daher meist indiziert, um die weiche, meist verschiebliche Konsistenz des Lipoms von anderen Läsionen abzugrenzen. Die definitive Diagnose erfolgt histopathologisch nach Exzision. Im vorliegenden Fall konnte auf eine zusätzliche Bildgebung verzichtet werden. Der Tumor lag eindeutig vor dem Drüsenausführungsgang, war sehr gut verschieblich und konnte palpatorisch vom Mundboden abgegrenzt werden. Die histopathologische Untersuchung zeigte ein Lipom. Obwohl Lipome in der Regel benigne verlaufen, sind in seltenen Fällen maligne Entartungen zu Liposarkomen beschrieben worden. Daher stets ist eine vollständige chirurgische Entfernung mit histologischer Sicherung indiziert. Funktionell kann ein Lipom im anterioren Mundboden erhebliche Probleme bei der Phonation verursachen, insbesondere durch eine Einschränkung der Zungenbeweglichkeit [McDonald & Cunning, 2023]. Bei zahnlosen Patientinnen und Patienten kann die Raumforderung zudem die Prothesenlagerung im Unterkiefer erheblich behindern und zu Druckstellen oder zur Instabilität der Prothese führen. Die operative Entfernung führt in der Regel zu einer raschen funktionellen Besserung und zu guten ästhetischen Resultaten. FAZIT FÜR DIE PRAXIS Lipome des anterioren Mundbodens sind selten, sollten jedoch in der Differenzialdiagnose submuköser Raumforderungen berücksichtigt werden. Eine vollständige Exzision ist sowohl diagnostisch als auch therapeutisch erforderlich. Besonders bei funktionellen Einschränkungen oder prothetischen Problemen sollte frühzeitig eine Resektion erwogen werden. Abb. 3: Präparat mit Lipom-typischer Farbe und Textur (circa 13 mm x 10 mm) Abb. 4: postoperativer Befund nach einer Woche Fotos: Nils Heim
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