Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 23

36 | TITEL PATIENTENFALL MIT EINSATZ EINER VOLLPROTHESE Totalprothetik als Kombination von analogem und digitalem Workflow Marcel Senf, Hans-Jörg Elle, Ralf Bürgers, Torsten Wassmann Dieser klinische Fall zeigt, wie man analoge und digitale Prozesse im praktischen Alltag miteinander verbinden kann. Dabei erklären wir, wo die Unterschiede und Gemeinsamkeiten liegen und wie sich auch Zahnärztinnen und Zahnärzte mit etablierten konventionellen Workflows unkompliziert der neuen Technik nähern können. In den vergangenen Jahren hat die Digitalisierung durch den Einsatz CAD/CAM-basierter Technologien auch in der abnehmbaren Prothetik, speziell in Bezug auf die Herstellung von Totalprothesen, einen immer größeren Stellenwert erlangt. Weniger und kürzere Behandlungstermine durch optimierte Arbeitsabläufe und die damit einhergehende reduzierte Belastung (gerade älterer Patientinnen und Patienten), geringere zahntechnische Kosten und die Reproduzierbarkeit digitaler Herstellungsprozesse stellen signifikante Vorteile im Vergleich zu den traditionellen analogen Fertigungsverfahren dar [Srinivasan et al., 2019 und 2021]. Hinsichtlich der Passgenauigkeit und der Materialeigenschaften scheinen die CAD/CAM-gefertigten Totalprothesen neueren klinischen Studien zufolge dabei denen aus konventioneller Fertigung mindestens ebenbürtig zu sein [Iwaki et al., 2020; Prpic et al., 2020; Srinivasan et al., 2018; Steinmassl et al., 2018]. Die grundlegenden klinischen Verfahrensschritte bleiben bei beiden Herangehensweisen zunächst unverändert: Die Kieferkämme werden in zwei Schritten anatomisch und funktionell abgeformt, die vertikale und die horizontale Relation der zahnlosen Kiefer zueinander wird registriert und die Zahnaufstellung in situ hinsichtlich Ästhetik und Funktion überprüft. Große Unterschiede im digitalen Workflow liegen jedoch in der Kombination mehrerer Arbeitsschritte in einzelnen Behandlungssitzungen. Im hier vorgestellten Fall wurde ein zahnloser Patient mit zwei Totalprothesen versorgt, wobei das „Ivotion Denture System“ (Ivoclar Vivadent GmbH, Schaan, LI) mit dem konventionell-analogen Workflow der Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik der Universitätsmedizin Göttingen kombiniert wurde. Die Prothesen wurden im zahntechnischen Labor der Universitätsmedizin Göttingen hergestellt. Abformung der zahnlosen Kiefer und Centric Tray Entsprechend dem konventionellen Workflow erfolgte in der ersten Sitzung die anatomische Abformung der zahnlosen Kiefer mit Löffeln nach Schreinemakers (Abbildung 1). Zur präzisen Darstellung des Vestibulums wurde der konfektionierte Abformlöffel initial mit einem C-Silikon individualisiert (sta-seal f, DETAX GmbH, Ettlingen, D), gefolgt von der Situationsabformung mit Alginat (Maxima, Henry Schein, Berlin, D). zm115 Nr. 23-24, 01.12.2025, (1982) Abb. 1: Myodynamische Abformung der Kieferbasen mittels Löffel nach Schreinemaker: Individualisierung der Abformlöffel mit C-Silikon (Sta-seal f, DETAX GmbH, Deutschland), gefolgt von der Alginatabformung (Maxima, Henry Schein, Deutschland) und Markierung des Übergangs vom harten zum weichen Gaumen im Oberkiefer (Bio-Ink flow, Bausch, Deutschland) Abb. 2: Bestimmung der Ruhelage: Nach Befeuchtung und entspanntem Berühren der Lippen wurde der Abstand der zuvor festgelegten Punkte (Nasenspitze und Kinn) zueinander mit einem Messzirkel bestimmt.

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