POLITIK | 47 zm115 Nr. 23-24, 01.12.2025, (1993) GESUNDHEITSSYSTEME WELTWEIT – SCHWEDEN Der Staat bezahlt – aber nicht den Zahnarzt Schweden setzt auf eine zentrale Patientensteuerung und digitale Services. Versicherte müssen lange Wartezeiten hinnehmen, zahlen für die meisten Behandlungen jedoch nur wenig dazu. Eine Ausnahme sind Behandlungen beim Zahnarzt. Für sie müssen die Menschen vergleichsweise tief in die Tasche greifen. Für viel Diskussion sorgt die geplante Reform der zahnmedizinischen Versorgung. Ausgaben für das Gesundheitssystem Im Jahr 2023 gab Schweden nach Berechnungen des Statistischen Bundesamts 59,832 Milliarden Euro für die Gesundheitsversorgung aus. Laut dem aktuellen Länderbericht der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) bewegt sich das Ausgabenniveau Schwedens leicht über dem EU-Durchschnitt: Bereinigt um Kaufkraftunterschiede beliefen sich die Pro-Kopf-Ausgaben 2021 auf 4.200 Euro gegenüber 4.028 Euro im EU-Schnitt. Organisation des Gesundheitssystems Das System basiert auf drei Säulen: Die nationale Regierung ist für die gesetzlichen Rahmenbedingungen sowie die Regulierung und Kontrolle der Leistungen zuständig. Die 21 Regionen verantworten die Finanzierung und Erbringung der Leistungen in ihrem Einzugsgebiet. Sie überwachen zudem die primäre, fachärztliche und psychiatrische Gesundheitsversorgung. Die dritte Säule sind die 290 Gemeinden. Sie tragen Sorge für die Betreuung von Menschen mit Behinderungen, Rehabilitationsleistungen, häusliche Pflege, Altenpflege und die schulische Gesundheitsversorgung. Zugang zur Gesundheitsversorgung Alle Schweden haben Zugang zu einer größtenteils öffentlich finanzierten Gesundheitsversorgung, die über die Sozialversicherungsbehörde abgerechnet wird. Es gibt lange Wartezeiten, insbesondere in der fachärztlichen Versorgung oder bei Operationen. Die sogenannte 3-90-90-Tage-Regelung soll dies verhindern. Sie besagt, dass eine hausärztliche Versorgung innerhalb von drei Tagen, eine fachärztliche innerhalb von 90 Tagen und eine sich anschließende Operation ebenfalls innerhalb von 90 Tagen möglich sein soll. Oft gelingt dies aber nicht. Leistungen Grundsätzlich eingeschlossen sind die Notfallversorgung, ambulante und stationäre Behandlungen, die medizinische Grundversorgung und Prävention (zum Beispiel Krebsvorsorge, Impfungen, Mutterschaftsvorsorge), die psychische Gesundheitsfürsorge, Rehabilitationsmaßnahmen und zahnmedizinische Behandlungen für Kinder und Jugendliche. Für wichtige Impfungen werden keine zusätzlichen Kosten berechnet. Das gilt auch für bestimmte Vorsorgeleistungen wie die Mammografie bei Frauen über 40 Jahre. ZAHNMEDIZIN IN SCHWEDEN Bevölkerung: 10,5 Millionen Nach Angaben der schwedischen Zahn- und Arzneimittelbehörde (TLV) gibt es aktuell etwa 830 öffentlich getragene Folktandvård-Kliniken sowie rund 1.700 private Anbieter mit rund 2.800 Praxen. Laut Statistischem Zentralamt gab es in Schweden 2021 insgesamt 8.042 praktizierende Zahnärztinnen und Zahnärzte, davon arbeiteten 3.909 in privater Praxis. Von den praktizierenden 1.003 Fachzahnärzten waren 262 in privater Praxis tätig. Außerdem gab es 4.265 Dentalhygienikerinnen und 10.500 Zahnmedizinische Fachangestellte. Für zahnmedizinische Behandlungen wurden 2021 insgesamt knapp 31,5 Milliarden Kronen (2,87 Milliarden Euro) ausgegeben. Den Großteil in Höhe von 18 Milliarden Kronen (1,64 Milliarden Euro) zahlten die Patienten selbst. Auf den Staat entfielen etwas mehr als 5,5 Milliarden Kronen (505 Millionen Euro) im Zuge der zahnärztlichen Beihilfe, auf die Regionen etwas mehr als 7,5 Milliarden Kronen (683,2 Millionen Euro). 1,64 Mrd. Euro zahlten Versicherte in Schweden 2021 aus eigener Tasche für zahnmedizinische Behandlungen Fotos: Akanksha – stock.adobe.com, pikselstock – stock.adobe.com
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