ZAHNMEDIZIN | 57 Jahr 2003/2004 tendenziell verbessert. So ist der Anteil der Fünfjährigen mit kariesfreien Milchzähnen im Untersuchungszeitraum der letzten 20 Jahre auf 69 Prozent angestiegen, bei den Vierjährigen sind es 81 Prozent und bei den Dreijährigen 89 Prozent. Auch bei der Behandlungsbedürftigkeit ist insgesamt ein positiver Trend zu verzeichnen. Trotz der pandemiebedingten Einschränkungen in den Jahren 2020 bis 2022 zeigt sich auch in der achten Querschnittsuntersuchung 2023/2024 insgesamt eine Fortsetzung der positiven Entwicklung in der Zahngesundheit hessischer Kindergartenkinder. Dieses Ergebnis ist vor dem Hintergrund der zeitweisen Schließungen von Kindertagesstätten und der eingeschränkten zahnärztlichen Versorgung bemerkenswert. Bereits frühzeitig wurden auf Landesebene Maßnahmen ergriffen, um die zahnärztliche Gruppenprophylaxe unter den veränderten Bedingungen fortzuführen. Das bestehende FünfSterne-Konzept wurde pandemiegerecht angepasst, digitale Fortbildungsangebote für Fachkräfte in Kitas geschaffen und Informationsmaterialien verstärkt auf elektronischem Wege verbreitet. In enger Zusammenarbeit mit den Arbeitskreisen Jugendzahnpflege (AkJ) wurden Kommunikationsstrukturen aufgebaut, über die PatenschaftsZahnarztteams, Kitas und in der Folge auch Eltern kontinuierlich erreicht werden konnten. Auch während der Kontaktbeschränkungen suchten zahlreiche Patenschafts-Zahnärztinnen und -Zahnärzte den direkten Austausch mit Eltern, beispielsweise im Außenbereich von Kindertagesstätten, um Informationen zu den Themen Zahnpflege, Ernährung und Fluoridierung weiterzugeben. Auch die Zahnärztlichen Dienste des Öffentlichen Gesundheitsdienstes nahmen ihre Untersuchungs- und Beratungsarbeit so früh wie möglich wiederauf. Die Kombination der Reihenuntersuchung mit prophylaktischen Impulsen in den Einrichtungen sowie die weiterhin hohe Akzeptanz der Elterninformationsschreiben über das Ergebnis der Untersuchung haben dazu beigetragen, dass die Zahngesundheit vieler Kinder trotz der außergewöhnlichen Umstände stabil blieb oder sich sogar verbessert hat. Dieses Ergebnis unterstreicht die Wirksamkeit der gut vernetzten und abgestimmten Strukturen der hessischen Gruppenprophylaxe – auch in Krisenzeiten. Was allerdings in der aktuellen Untersuchung 2023/2024 auch auffällt: Der Sanierungsgrad kariöser Milchzähne, besonders in den jüngsten Altersgruppen, ist gering. Aufgrund mangelnder Compliance ist die zahnärztliche Behandlung kleiner Kinder in der Regel nur in Narkose möglich. Insbesondere Karies im Milchgebiss kann für die betroffenen Kinder jedoch massive Auswirkungen auf die weitere Entwicklung nach sich ziehen. Eingeschränkt werden nicht nur die Lebensqualität, sondern auch die Sprachentwicklung und die Allgemeingesundheit. Die frühkindliche Karies ist mit einer durchschnittlichen Prävalenz von circa 10 bis 15 Prozent eine der häufigsten chronischen Erkrankungen im Kleinkindalter. Die Bundeszahnärztekammer benennt die Häufigkeit der auch als Early Childhood Caries bezeichneten frühen Karieserfahrung von Kindern unter sechs Jahren in sozialen Brennpunkten mit bis zu 40 Prozent. Wie auch bei vielen allgemeinen Erkrankungen, erhöht ein niedriger sozioökonomischer Status das Risiko, an frühkindlicher Karies zu erkranken. Zu den Risikofaktoren können ein niedriger Bildungsstand der Eltern, die Herkunft aus kinderreichen Familien und ein Migrationshintergrund zählen. Mit den Fluchtbewegungen in den Jahren 2015/2016 und 2022 stieg auch die Zahl der Kinder mit Migrationshintergrund in hessischen Kindertageseinrichtungen. Dadurch änderten sich auch die Anforderungen an eine erfolgreiche Gruppenprophylaxe. Informations- und Wissensdefizite bezüglich der Zahnpflege, der altersgerechten Anwendung von Fluoriden und der zahngesunden Ernährung erhöhen das Risiko, an frühkindlicher Karies zu erkranken. Kulturell abweichende Standards bezüglich der häuslichen Zahnpflege, zuckerhaltige Ernährungsgewohnheiten sowie ein häufig eingeschränktes Sprachverständnis
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