Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 23

zm115 Nr. 23-24, 01.12.2025, (2004) 58 | ZAHNMEDIZIN bei Kindern und Eltern stellen die gruppenprophylaktische Arbeit vor umfangreiche Herausforderungen. Die zahnärztliche Reihenuntersuchung ist ein niedrigschwelliges Angebot für alle Kinder in Kindertageseinrichtungen und kann somit nachhaltig zur Verbesserung der gesundheitlichen Chancengleichheit beitragen. Um diesem Anspruch gerecht werden zu können, müssen die bestehenden Konzepte und Maßnahmen der Gruppenprophylaxe den veränderten Bedarfen entsprechend angepasst und überarbeitet werden. Die Sechste Deutsche Mundgesundheitsstudie (DMS 6, 2025) kommt zu dem Schluss, dass es aus sozialmedizinischer Sicht sinnvoll erscheint, die zukünftigen Präventionsstrategien konkret entlang der Lebensweltorientierung der bislang schwierig erreichbaren Gruppen mit hohem Kariesrisiko auszurichten. Die verfügbaren zeitlichen und personellen Ressourcen in den Zahnärztlichen Diensten der hessischen Gesundheitsämter sind dafür aktuell nicht ausreichend. Im Unterschied zu den Untersuchungsdaten der Schuleingangsuntersuchung werden die Ergebnisse der zahnärztlichen Reihenuntersuchungen in Hessen bisher nicht auf Landesebene zusammengeführt und statistisch ausgewertet. Die Zahnärztlichen Dienste der hessischen Landkreise und Städte haben daher nicht die Möglichkeit, die lokalen Ergebnisse zu vergleichen. Die regelmäßig durchgeführten Querschnittsuntersuchungen in Kindertageseinrichtungen sind daher umso wichtiger. Sie ermöglichen zumindest für die jüngsten Altersgruppen einen partiellen Vergleich auf Landesebene. Um die Aussagekraft dieser Ergebnisse zu erhöhen, wären ein flächendeckendes Angebot und eine verpflichtende Teilnahme sinnvoll. Perspektivisch ist eine gesetzliche Verankerung, wie sie für die Schuluntersuchung im hessischen Schulgesetz bereits vorliegt, in Erwägung zu ziehen. Dazu werden Lösungen auf politischer Ebene benötigt. Trotz der grundsätzlich erfreulichen Entwicklung sollte bedacht werden, dass die Untersuchungskohorte nur 7.114 Kinder umfasste und somit keine allgemeingültigen Rückschlüsse auf die Zahngesundheit aller hessischen Kindergartenkinder in den genannten Altersgruppen zulässt. Aufgrund mangelnder personeller und zeitlicher Ressourcen können aktuell nicht in allen hessischen Landkreisen und Städten regelmäßige zahnärztliche Untersuchungen durch die Zahnärztlichen Dienste der Gesundheitsämter in Kindertageseinrichtungen angeboten werden. An der aktuellen Querschnittstudie beteiligten sich insgesamt zwölf hessische Landkreise und Städte. Weiterhin ist von Bedeutung, dass die zahnärztliche Untersuchung in hessischen Kindertageseinrichtungen bisher nur auf freiwilliger Basis stattfindet. Rechtliche Grundlagen für eine verpflichtende Teilnahme fehlen. Es wird angenommen, dass viele der teilnehmenden Kinder aus einem Umfeld stammen, in dem sich bereits vorbildlich um die Mundgesundheit des Nachwuchses gekümmert wird, und in dem die angebotenen Maßnahmen aufgrund eines entsprechenden Gesundheitsbewusstseins unterstützt werden. Diese Kinder weisen in der Regel erwartungsgemäß eine geringere Kariesprävalenz auf. Schlussfolgerung Im Verlauf der vergangenen Untersuchungsjahre zeigt sich eine deutliche Polarisierung bezüglich des Kariesbefalls in den Kohorten. Aktuell weisen jeweils 11 Prozent der untersuchten Kinder aller drei Altersgruppen ein erhöhtes Kariesrisiko auf. Der dmf-t-Mittelwert für Kinder mit bereits bestehender Karieserfahrung liegt um das etwa Fünffache höher als im Vergleich zur Gesamtgruppe der Untersuchten. Das seit 2012/2013 nur geringfügig rückläufige und teilweise stagnierende Kariesrisiko verdeutlicht, dass die bisher angewandten gruppenprophylaktischen Konzepte für eine signifikante Verbesserung der Mundgesundheit in Risikogruppen nicht ausreichen. Die Einschränkungen der gruppenprophylaktischen Arbeit während der Pandemie haben sich zusätzlich negativ auf die Zahngesundheit der Kinder ausgewirkt, die ohnehin ein erhöhtes Kariesrisiko haben. „ Anja Lange Fachzahnärztin für Öffentliches Gesundheitswesen, Gesundheitsamt Landkreis Limburg-Weilburg, Fachbereich Infektions- und Gesundheitsschutz, Sachgebiet Zahnärztlicher Gesundheitsdienst Schiede 43, 65549 Limburg a.lange@limburg-weilburg.de Annette Füllkrug Zahnärztin Abteilungsleitung Zahnärztlicher Dienst, Gesundheitsamt Frankfurt am Main Breite Gasse 28, 60313 Frankfurt am Main und Geschäftsführerin des Arbeitskreis Jugendzahnpflege Frankfurt am Main und Main-Taunus- Kreis annette.fuellkrug@stadt-frankfurt.de Silvia Faulhaber Zahnärztin Landkreis Hersfeld-Rotenburg Fachdienst 2.40 Gesundheit Friedrich-Ebert-Str. 9, 36251 Bad Hersfeld Vorstandsmitglied – Arbeitskreis Jugendzahnpflege Hersfeld-Rotenburg s.faulhaber@hef-rof.de Foto: hier-jetzt-fotografie/David Heimerl

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