62 | POLITIK 70 JAHRE BUNDESVERBAND DER ZAHNÄRZTINNEN UND ZAHNÄRZTE DES ÖFFENTLICHEN GESUNDHEITSDIENSTES „Das politische Interesse für den Öffentlichen Gesundheitsdienst flaut gewaltig ab“ Seit 1955 macht sich der Bundesverband der Zahnärztinnen und Zahnärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (BZÖG) für Mundgesundheit und zahnmedizinische Prävention stark. Mit dem ehemaligen BZÖG-Vorsitzenden, Dr. Michael Schäfer, und der amtierenden Vorsitzenden, Dr. Ilka Gottstein, haben wir über die Meilensteine der vergangenen 70 Jahre und Strategien für die Zukunft gesprochen. Dr. Schäfer, warum wurde der BZÖG 1955 gegründet? Dr. Michael Schäfer: Man muss wissen, dass es damals bereits einen Verband gab, der die Zahnärztinnen und Zahnärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (ÖGD) vertrat: der Verband der beamteten und angestellten Zahnärzte, gegründet 1951. Er befasste sich jedoch nur mit den beruflichen Interessen seiner Mitglieder. Wenige Jahre später wollte man aber die wissenschaftliche Tätigkeit in den Vordergrund stellen. Aus diesem Grund kam es zur Neugründung als BZÖG, dem 1967 dann auch der Eintrag als Wissenschaftliche Gesellschaft zur Förderung des öffentlichen Gesundheitswesens gelang. Auf welchen Themen liegt der wissenschaftliche Fokus? Schäfer: Kurz gesagt, auf der Verbreitung des Gedankens der sozialen Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde, die es auf Bevölkerungsebene, insbesondere unter gesundheitsfördernden und präventiven Gesichtspunkten, zu unterstützen und fortlaufend weiterzuentwickeln gilt. Wie entwickelte sich die Arbeit seit der Gründung? Schäfer: In den vergangenen 70 Jahren ist natürlich wahnsinnig viel passiert. Eines der ersten wichtigen Projekte des BZÖG war die Erprobung des Einsatzes von Fluoriden als kollektive Kariesprophylaxe in Nordrhein-Westfalen in den Jahren 1959 bis 1963. Ab 1961 brachte sich der Verband außerdem in die Gestaltung des Bundesjugendzahnpflegegesetzes ein. 1973 war der BZÖG an der Neukonzeption des Deutschen Ausschusses für Jugendzahnpflege beteiligt – heute als Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Jugendzahnpflege bekannt. Dort ist der BZÖG seit Jahrzehnten im Vorstand vertreten. Ein weiterer Meilenstein war 1975 die Fachgebietsanerkennung „Öffentlicher Gesundheitsdienst für Zahnärzte“. Dr. Ilka Gottstein: Als weiteres wichtiges Ereignis ist die Mitwirkung am Gruppenprophylaxe-Paragrafen 21 im SGB V in den 1990er-Jahren zu nennen. Zwischen 2002 und 2004 beschäftigte sich der Verband intensiv mit den Themen Präventionsstrategien und Qualitätsmanagement im ÖGD. 2011 haben wir ein Konzept zur Behinderten- und Seniorenbetreuung vorgelegt und 2017 ein umfangreiches Paper zur Prävention der frühkindlichen Karies. Der jüngste Meilenstein ist sicherlich die Gründung der AG Kinderschutz im Jahr 2023. Hier ist ein interdisziplinäres, viel beachtetes Grundsatzpapier zum Thema „Dentale Vernachlässigung“ entstanden. Weiterhin sind wir als wissenschaftliche Fachgesellschaft seit vielen Jahren zunehmend in die Erstellung und Überarbeitung von medizinischen und zahnmedizinischen AWMFLeitlinien eingebunden – derzeit arbeiten wir an sechs Leitlinien mit und jährlich wird von uns seit Jahrzehnten ein wissenschaftlicher Kongress angeboten. Zum 70-jährigen Bestehen hat der BZÖG eine Fachtagung zur Mundgesundheit bei Menschen mit Unterstützungsbedarf initiiert. Warum dieses Thema? Gottstein: Um zu zeigen, dass unser Fokus nicht nur auf Kindern und Jugendlichen, sondern auch auf anderen Bevölkerungsgruppen liegt, denen im zm115 Nr. 23-24, 01.12.2025, (2008) Foto: privat Dr. Ilka Gottstein ist seit 2022 Vorsitzende des BZÖG. Davor leitete 14 Jahre lang Dr. Michael Schäfer den Verband. Foto: Privat
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