Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 23

72 | POLITIK zm115 Nr. 23-24, 01.12.2025, (2018) Deutschland ist bei vielen wichtigen Medikamenten von Importen aus China abhängig. Das zeigt eine neue Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), die im Auftrag des Branchenverbands Pro Generika erstellt wurde. Die Forschenden haben untersucht, welche Folgen ein Ausfall chinesischer Hersteller für unsere Versorgung hätte. Bei 20 der 56 untersuchten versorgungsrelevanten Wirkstoffe besteht demnach ein „hohes Kapazitätsrisiko“ – das heißt, mindestens ein Drittel der gesamten Produktionskapazitäten würde bei einem chinesischen Lieferstopp potenziell wegfallen. Käme es so weit, könnten hierzulande jährlich bis zu 42 Millionen Packungseinheiten fehlen, prognostizieren die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Für Deutschland und Europa wird die Abhängigkeit von China in der Versorgung mit kritischen Arzneimitteln zunehmend zu einer Herausforderung. Foto: Grispb-stock.adobe.com STUDIE PROGNOSTIZIERT VERSORGUNGSLÜCKEN Bei diesen Medikamenten sind wir von China abhängig! Antibiotika, Schmerzmittel, Antidiabetika: Bei einem Konflikt mit China drohen in Deutschland Versorgungslücken bei einer Reihe kritischer Medikamente, wie eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft zeigt. Clindamycin ist demnach in den Top 5. WIE DIE APOTHEKE DER WELT VERSCHWAND Noch in den 1980er Jahren galt Deutschland – neben den USA und Japan – als die Apotheke der Welt, und Europa war der weltweit wichtigste Entwicklungs- und Produktionsstandort für Pharmazeutika. Doch dann begann die chinesische Regierung, gezielt in die Herstellung von Arzneimitteln und ihren Wirkstoffen zu investieren – zunächst für den eigenen Bedarf. So entstanden in China große Produktionsanlagen für antibiotische Erzeugnisse, die heute zu den wichtigsten Zulieferern weltweit zählen. Parallel dazu beförderten auslaufende Patente bei Blockbuster-Medikamenten, eine gleichzeitig austrocknende Innovationspipeline, der Übergang von der chemischen zur biotechnologischen Wirkstoff- und Arzneimittelproduktion sowie vor allem wachsende regulatorische Hürden und steigender Kostendruck auf Generika in den westlichen Gesundheitssystemen die Abhängigkeit von Zulieferungen pharmazeutischer Erzeugnisse aus China. Zwar gelangen kaum Endprodukte in Form von Fertigarzneimitteln aus China in die Versorgung, jedoch führen die Zulieferungen über die pharmazeutischen Wertschöpfungsstufen an Arzneimittelhersteller weltweit zu Abhängigkeiten. Aktuell ist Deutschland bei Fieber-, Schmerz- und Narkosemitteln sowie deren Vorprodukten auf China angewiesen. Arzneimittellieferengpässe sind bereits seit Beginn der 2010er-Jahre ein Thema in Politik und Öffentlichkeit. Mit dem Critical Medicines Act stellt sich die Europäische Union diesem Problem mit Maßnahmen zur Stärkung der heimischen Arzneimittelproduktion entgegen. Quelle: Institut der deutschen Wirtschaft (IW)

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