POLITIK | 73 zm115 Nr. 23-24, 01.12.2025, (2019) Insgesamt 81 Prozent der gesamten Einfuhrmenge von Vitaminen, 76 Prozent der gesamten eingeführten Antibiotikamenge und 71 Prozent der Alkaloide werden laut der Studie aus China bezogen. Besonders groß ist die Abhängigkeit demnach bei diesen Schmerzmitteln, Antibiotika und Diabetes-Medikamenten: Bei Metamizol, einem der meistverordneten Schmerzmittel in Deutschland, liegen über 80 Prozent der gesamten Produktionskapazitäten in China. Auch bei den Antibiotika Amoxicillin oder Clindamycin, die in Deutschland – auch in der Zahnmedizin – besonders häufig verschrieben werden, ist der Anteil der chinesischen Produzenten hoch. Bei dem weitverbreiteten Antidiabetikum Metformin zeigt sich unsere Abhängigkeit von China weniger bei dem Wirkstoff selbst, sondern bei dem für dessen Herstellung benötigten Vorprodukt Dicyandiamid – 80 Prozent dieses Vorprodukts stammen aus China. Eine wachsende Rolle spielt China danach auch für die Produktion der in Deutschland ansässigen Pharmaindustrie, vor allem als Zulieferer chemischer Vorleistungen: „Ihr Importwert aus China hat sich seit 2010 fast versiebenfacht, auf mittlerweile 352 Millionen Euro“, heißt es in der Studie. „Damit ist das Land nach den Niederlanden der zweitwichtigste Lieferant in diesem Bereich.“ Immer mehr Patente kommen aus China Dass China seine Rolle im globalen Pharmamarkt auch als Innovationsmotor sieht, zeigt dem Autorenteam zufolge ein Blick auf die Patentanmeldungen im Pharmabereich: „Im Jahr 2000 kam nur eine von 1.000 Patentanmeldungen aus China. 2021 war es schon knapp jede achte – Platz 2 hinter den USA.“ Der Anteil Deutschlands an den Patentanmeldungen der globalen Branche habe sich im gleichen Zeitraum dagegen nahezu halbiert. „In einem länger andauernden Konfliktfall mit China wäre unsere Versorgung mit lebenswichtigen Medikamenten aktuell gefährdet“, sagt IW-Studienautorin Jasmina Kirchhoff. Aus ihrer Sicht müssten die eigene Innovationskraft und die eigenen Produktionskapazitäten in Europa gezielt gestärkt sowie die Diversifizierung der Bezugsquellen für Wirkstoffe und Vorprodukte gefördert werden. „Solange wir kritische Medikamente strikt nach dem günstigsten Preis beschaffen, dürfen wir uns nicht wundern, wenn am Ende nur chinesische Hersteller übrig bleiben“, bilanziert Kirchhoff. ck Die Studie hat das Institut der deutschen Wirtschaft zusammen mit dem European Union Institute for Security Studies, dem Healthcare Supply Chain Institute und der Strategieberatung Sinolytics durchgeführt: Catarata, Martin / Francas, David / Kirchhoff, Jasmina / Rühlig, Tim / Raison, Fearghal, 2025, Strategische Abhängigkeiten bei wichtigen Arzneimitteln von China. Wie verletzlich ist Europa?, Gutachten im Auftrag von Pro Generika e. V., Köln
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