POLITIK | 21 von Jayanth V. Kumar, die zwar zu dem Schluss kommt, dass es „keinen Zusammenhang zwischen der Fluoridkonzentration und den IQWerten“ gibt, aber nur acht Arbeiten einschließt, die sich nicht auf die USA übertragen lassen. Neben diesen Einschränkungen seien zwei weitere Schwächen der bestehenden Forschung hervorzuheben. Erstens: Sie vernachlässige die Folgen der Fluoridexposition für die kognitive Entwicklung im weiteren Lebensverlauf. Zweitens: Sie berücksichtige weder räumliche noch andere Faktoren, die gegebenenfalls Zusammenhänge zwischen der Fluoridbelastung und dem IQ verfälschen könnten. Diese Defizite seien größtenteils auf einen Mangel an prospektiven, für die USA repräsentativen Längsschnittdaten zurückzuführen. In diesen Daten müssten die Fluoridexposition im Kindesalter, die kognitive Entwicklung im Jugend- und im höheren Alter sowie relevante potenzielle Störfaktoren berücksichtigt werden. Was die neue Studie auszeichnet Im Unterschied dazu untersuchte die vorliegende Studie den Zusammenhang zwischen der Fluoridaufnahme durch Trinkwasser bei Kindern und ihrer kognitiven Entwicklung im Jugend- und Erwachsenenalter. Verwendet wurden Daten der landesweiten Kohortenstudie „High School and Beyond“, die 1980 als repräsentative Zufallsstichprobe von 58.270 Schülerinnen und Schülern der 10. und 12. Klasse an 1.020 US-amerikanischen High Schools begann. Für Folgebefragungen wurde eine zufällig ausgewählte Teilmenge von 26.820 Personen ausgewählt, die bis 2021 mehrfach erneut befragt wurden – zu diesem Zeitpunkt waren die meisten Teilnehmerinnen und Teilnehmer um die 60 Jahre alt. Die Forschenden bestimmten die Fluoridexposition von der Einschulung bis zum Ende der Sekundarschulzeit anhand der Geodaten der Schulen unter der Annahme, dass die Probanden dort geboren und aufgewachsen sind, wo sie die Highschool besuchten. Um die Fluoridkonzentrationen im Trinkwasser und im unbehandelten Grundwasser zu ermitteln, nutzten sie Archive der kommunalen Wasserversorger sowie den Fluoridierungs-Zensus des US-Gesundheitsministeriums und Daten des United States Geological Survey. Die kognitive Leistungsfähigkeit der Jugendlichen wurde auf Basis ihrer schulischen Arbeiten und anhand von Testergebnissen bestimmt. Bei den 60-Jährigen erfolgte die Bestimmung mithilfe eines Messinstruments, das Informationen zu Gedächtnisleistung, Sprachflüssigkeit und Aufmerksamkeit auswertet. Im Ergebnis fanden die Wissenschaftler „deutliche Hinweise“ darauf, dass junge Menschen, die den empfohlenen Fluoridmengen im Trinkwasser ausgesetzt waren, in Mathematik-, Lese- und Wortschatztests in der Sekundarstufe besser abschnitten als Gleichaltrige, die nie ausreichend Fluorid aufgenommen hatten. So erzielten Schülerinnen und Schüler bei allen untersuchten kognitiven Leistungsparametern im Jugendalter bessere Werte, wenn sie – entweder während ihrer gesamten Kindheit oder nur in einem Teil davon – ausreichend Fluorid erhielten. Die geschätzten Effekte sind mit etwa sieben Prozent einer Standardabweichung gering. Dieser Vorteil bleibt bis zum Alter von etwa 60 Jahren bestehen, ist dann jedoch statistisch nicht mehr signifikant. Betrachtet wird der gesamte Lebensverlauf „Die Fluoridierung von Trinkwasser hat bekanntermaßen enorme Vorteile für die Mundgesundheit, und nun scheint es, dass sie auch zu besseren – und nicht schlechteren – kognitiven Testleistungen führt“, bilanziert Mitautorin Gina Rumore. „Es ist für die Öffentlichkeit – und für Menschen, die Einfluss auf die Politik haben – von entscheidender Bedeutung zu wissen, dass es absolut keine glaubwürdigen wissenschaftlichen Beweise für die Behauptung gibt, dass die Zugabe von Fluorid in empfohlenen Mengen zum kommunalen Trinkwasser den IQ zm116 Nr. 01-02, 16.01.2026, (2063)
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