Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 1

30 | TITEL FORTBILDUNG MOLAREN-INZISIVEN-HYPOMINERALISATION MIH – Klinisches Erscheinungsbild, Diagnostik und Ätiologie Jan Kühnisch Die Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation (MIH) ist neben der Karies die häufigste Erkrankung der Zähne im Kindesund Jugendalter. In diesem Beitrag stellen wir das klinische Erscheinungsbild dieser entwicklungsbedingten Strukturstörung dar, beschreiben die gängige Diagnostik beziehungsweise Differenzialdiagnostik und fassen den aktuellen Wissensstand zur immer noch ungeklärten Ätiologie zusammen. Die MIH (Abbildungen 1 und 2) stellt eine Strukturstörung der Zähne dar, die sich während der Zahnentwicklung manifestiert und daher bereits vor dem Durchbruch des Zahns in die Mundhöhle vorhanden ist. Obwohl der Name suggeriert, dass die ersten bleibenden Molaren und bleibenden Inzisiven die bevorzugten Indexzähne beziehungsweise Zahngruppen in der bleibenden Dentition sind, nutzt die Definition der European Academy of Paediatric Dentistry (EAPD) ausschließlich die ersten bleibenden Molaren zur Diagnosestellung. Entsprechend dieser Vorgabe muss zumindest ein erster bleibender Molar Zeichen einer MIH-bedingten Strukturstörung aufweisen [Lygidakis et al., 2010, 2022], damit die Diagnose einer MIH gestellt werden kann. Werden die verfügbaren Daten aus aktuellen epidemiologischen Erhebungen unter Berücksichtigung der EAPDDefinition betrachtet, sind etwa 15 Prozent der Heranwachsenden in Deutschland von einer MIH betroffen [Bekes et al., 2025; Fresen et al., 2024]. Darüber hinaus wurden in der Vergangenheit regionale Unterschiede beschrieben [Petrou et al., 2014], die eine mögliche Ungleichverteilung signalisieren. Die Daten aus Deutschland ordnen sich in die weltweit verfügbaren Häufigkeitsangaben weitgehend nahtlos ein. Systematisch recherchierte Meta-Analysen ergeben dafür mittlere Häufigkeiten zwischen 12.8 Prozent (Konfidenzintervall 11.5–14.1) bis 15.5 Prozent (14.4–16.6) [Hernandez et al., 2016; Zhao et al., 2021; Lopes et al., 2021; Sluzm116 Nr. 01-02, 16.01.2026, (2072) Abb. 1: Typisches Erscheinungsbild eines 7-Jährigen mit einer MIH an Front- (A) und Seitenzähnen (B-E) im Wechselgebiss. Die ersten bleibenden Molaren weisen Hypomineralisationen ohne Oberflächeneinbrüche bei vorhandenen Fissurenversiegelungen auf.

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