Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 1

zm116 Nr. 01-02, 16.01.2026, (2077) TITEL | 35 tive Patienten zu, die multiple und ausgedehnte (initial)kariöse Läsionen aufweisen können. Die Differenzialdiagnostik gelingt hier auf Grundlage einer sorgfältigen klinischen Untersuchung, wobei die Lokalisation und Konfiguration wichtige diagnostische Hinweise geben. Kariöse Läsionen sind dabei typischerweise im Bereich von Plaqueretentionsstellen, zum Beispiel Gingivarand und Approximalflächen, detektierbar. Demgegenüber befinden sich Hypomineralisationen mehrheitlich im Bereich der inzisalen Kronenhälfte und damit außerhalb der Kariesprädilektionsstellen. Eine weitere Strukturstörung ist die Dentalfluorose. Das klinische Erscheinungsbild von Fluorosen unterscheidet sich durch diffuse Opazitäten grundlegend im Vergleich zu den scharf begrenzten Opazitäten der MIHZähne. Fluorosen treten symmetrisch und möglicherweise an allen Zähnen infolge einer langfristigen Fluoridüberdosierung auf. Genetisch bedingte Erkrankungen der Zähne, wie Amelogenesis imperfecta und Dentinogenesis imperfecta, werden durch spezifische Genmutationen verursacht und sind dadurch gekennzeichnet, dass alle Zähne beider Dentitionen gleichermaßen betroffen sind [Kühnisch et al., 2025; DGKIZ et al., 2024]. Im Gegensatz dazu sind MIH-Defekte mehrheitlich an den sogenannten Indexzähnen zu finden. Zudem ist oftmals ein symmetrisches Auftreten zu beobachten. Die ungeklärte Ätiologie Es besteht ein grundsätzlicher Konsens, dass eine systemisch bedingte, funktionelle Schädigung der Ameloblasten während der Schmelzentwicklung vorliegen muss, um eine MIH zu verursachen [Vieira und Manton, 2019]. Dazu wurden vielfältigste Hypothesen aufgestellt und in unterschiedlichen Studien betrachtet. Unter Verweis auf den mehrjährigen Verzug zwischen dem Zeitpunkt der etwaigen Initiation der Strukturstörung am Zahnschmelz im Säuglings- beziehungsweise Kleinkindalter und dem Zeitpunkt der MIHErkennung jenseits des sechsten bis achten Lebensjahres wird deutlich, dass es im Idealfall prospektiv angelegter, longitudinaler Beobachtungsstudien mit einem Geburtskohorten-Design bedarf. Dieses Studiendesign konnte jedoch nur in einer Handvoll Studien genutzt werden. Die überwiegende Mehrzahl der verfügbaren Ätiologiestudien kombiniert die klinische Untersuchung in einer mehr oder weniger repräsentativ gezogenen Stichprobe in einer ebenfalls mehr oder weniger homogenen Gruppe von Kindern beziehungsweise Jugendlichen (Querschnitts-Studie) und nutzt wiederum mehr oder weniger validierte Instrumente, um Informationen zu etwaigen ätiologischen Faktoren zu erhalten. Dies ist ein fundamentaler methodischer Nachteil bei der Suche nach den Ursachen der MIH. Da die verfügbaren Studien möglicherweise nicht frei von Verzerrungen sind, sollten sie daher zurückhaltend interpretiert werden. Dies trifft gleichermaßen für die systematischen Übersichtsarbeiten und Meta-Analysen zur MIH-Ätiologie zu, welche jedoch hervorragende Zusammenfassungen darstellen [Crombie et al., 2009; Alaluusua, 2010; Silva et al., 2016; Fatturi et al., 2019; Garot et al., 2023]. Umwelttoxine Seit Beginn der Suche nach MIHUrsachen werden Umweltfaktoren als potenzielle Einflussvariablen unAbb. 7: Ansicht der Dental-AI-Webseite (https://demo.dental-ai.de), die eine automatisierte Bildauswertung mithilfe von KI ermöglicht, um Karies und MIH auf zahnärztlichen Fotografien zu erkennen [Felsch et al., 2023]. Über den QR-Code kann die Webseite aufgerufen werden. Foto: [https://demo.dental-ai.de9]

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