40 | TITEL eruptivem Zahnhartsubstanzverlust dar [Lygidakis et al., 2010; Fragelli et al., 2017]. Im Hinblick auf adhäsive Fissurenversiegler muss bedacht werden, dass die Adhäsion in von MIH betroffener Zahnhartsubstanz im Vergleich zu gesundem Schmelz deutlich schlechter ist [Solanke et al., 2025]. Um die Retentionsrate zu erhöhen, wird daher die Verwendung eines Haftvermittlers empfohlen [Lygidakis et al., 2009]. Häufig erfolgt aus verschiedenen Gründen (mangelnde Compliance, noch nicht vollständig durchgebrochene Zähne) eine Abdeckung vor allem hypersensibler MIH-Molaren mit einem Glasionomerzement (GIZ) in Form einer „temporären Fissurenversiegelung“ (Abbildungen 2 und 3), bevor – zum Beispiel nach vollständigem Durchbruch – eine klassische adhäsive Fissurenversiegelung durchgeführt wird. Frontzähne Die Therapien für die Frontzähne betreffen neben der Reduktion möglicher Hypersensitivitäten vor allem die Verbesserung der Ästhetik. Bleaching: Externes (vitales) Bleaching kann bei ästhetisch störenden MIHOpazitäten einen kosmetischen Nutzen bringen. Zu den Nebenwirkungen gehören dabei Zahnfleischreizungen und Empfindlichkeit. Diese sollten ernsthaft in Betracht gezogen werden, nicht nur im Hinblick auf eventuell bereits bestehende Hypersensibilitäten, als auch, wenn das Medikament bei jüngeren Kindern angewendet wird. Das Verfahren ist in der EU rechtlich und sicherheitsbezogen nur eingeschränkt anwendbar. Derzeit beschränkt die EU-Kommission (Richtlinie 2011/84/EU) die Zahnaufhellungsmittel auf eine Konzentration von 0,1 Prozent Wasserstoffperoxid für die Anwendung bei Kindern. Diese Konzentration ist jedoch klinisch ineffektiv bei MIH, da die Schmelzstruktur stark verändert ist und höhere Konzentrationen erforderlich wären [Monteiro, 2020; Griffiths und Parekh, 2021]. Neuere Daten zeigen, dass ein zehnprozentiges Carbamidperoxid-NachtSchienensystem zur Aufhellung vitaler bleibender Zähne bei Kindern wirksam ist und die damit verbundene Zahnempfindlichkeit und Mundreizungen in einem ähnlichen Bereich liegen wie in Studien mit Erwachsenen[Griffiths und Parekh, 2021]. Neuerdings gibt es hierfür ein von der Dosierung angepasstes Home-BleachingGel, das in fünf- und zehnprozentiger Konzentration zur Verfügung steht. Aufgrund der sehr geringen Evidenzstärke weniger Studien kann hierzu für Kinder jedoch keine Empfehlung abgegeben werden. Mikroabrasion: Die Mikroabrasion erfolgt mit 18-prozentiger Salz- oder 37-prozentiger Phosphorsäure unter mechanischem Abrieb, worauf eine Remineralisierung aus Caseinphosphopeptid-amorphem Calciumphosphat (CPP-ACP) folgt – dies scheint eine wirksame Methode zur Verbesserung des ästhetischen Erscheinungsbildes zu sein [Bandhari et al., 2019]. Wong und Winter zeigten, dass die Methode nur für weißliche und nicht für dunklere Hypomineralisationen geeignet ist [Wong und Winter, 2002]. Infiltration: Die Infiltration wurde ursprünglich zur Behandlung initialkariöser Läsionen beschrieben [Richard et al., 2017]. Zunächst wird die Oberflächenschicht mittels Salzsäure (Icon Etch, DMG dental, Hamburg, Deutschland) entfernt, um Zugang zum Körper der Läsion zu erhalten. Im zweiten Schritt wird der Defekt mit Icon Infiltrant (DMG dental, Hamburg, Deutschland) infiltriert. Diese Infiltrationstherapie mit einem 15- bis 20-prozentigen Salzsäure-Ätzzm116 Nr. 01-02, 16.01.2026, (2082) Dr. Constanze Uebereck Poliklinik für Kinderzahnheilkunde Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde Universitätsklinikum Gießen Schlangenzahl 14, 35392 Gießen Foto: Constanze Uebereck n 2001: Staatsexamen und Approbation n 2002: Promotion: „Häufigkeit und PCR-Typisierung von Candida albicans aus der Mundhöhle und dem Magen-DarmTrakt bei Kindern mit naturgesunden und kariösen Gebissen“, Justus-Liebig-Universität Gießen n 2007: Zahnärztin mit Zusatzqualifikation in Kinder- und Jugendzahnheilkunde (DGZMK) (Spezialistin für Kinder- und Jugendzahnmedizin) n 2009: Ernennung zur Oberärztin der Poliklinik für Kinderzahnheilkunde n 2023: Habilitation am Fachbereich Medizin der JustusLiebig-Universität Gießen „Kinder mit angeborener Herzerkrankung in ihrer zahnärztlichen Betreuung und Therapie“ Klinische Schwerpunkte: Zahnärztliche Betreuung und Versorgung von Kindern mit Allgemeinerkrankungen und/ oder Behinderung, Zahnärztliche Versorgung von Kindern in Allgemeinanästhesie, Mundgesundheit und Therapie bei Kindern mit Allgemeinerkrankungen und/oder Behinderungen, Digitalisierung in der Kinderzahnheilkunde ZM-LESERSERVICE Die Literaturliste kann auf www.zm-online.de abgerufen oder in der Redaktion angefordert werden. PD Dr. med. dent. Nelly Schulz-Weidner Poliklinik für Kinderzahnheilkunde Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde Universitätsklinikum Gießen Schlangenzahl 14, 35392 Gießen Foto: Susanne Lücker
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