Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 1

42 | TITEL Die MIH ist in den vergangenen Jahren vor allem deshalb vermehrt in den Fokus der öffentlichen Wahrnehmung gerückt, weil ihre Prävalenz in Teilen Deutschlands mittlerweile die der Karies übersteigt [Fresen et al., 2024]. Außerdem ist die Ätiologie der Erkrankung nach wie vor ungeklärt [Garot et al., 2022]. Aktuelle Erhebungen zeigen beispielsweise, dass im Flächenstaat Bayern mittlerweile über 17 Prozent der acht- bis zehnjährigen Kinder an MIH erkrankt sind. Knapp 50 Prozent dieser Schüler haben einen Restaurationsbedarf, da die Zahnhartsubstanz eingebrochen ist und/oder die Zähne überempfindlich auf thermische Reize reagieren [Fresen et al., 2024]. Repräsentative regionale Untersuchungen in Hessen weisen darauf hin, dass sowohl die Häufigkeit als auch der Schweregrad der Erkrankung in den vergangenen Jahren zugenommen haben [Amend et al., 2021]. Somit muss mit einer weiteren Steigerung des invasiven Versorgungsbedarfs gerechnet werden. Diese Ergebnisse wurden in der aktuellen Deutschen Mundgesundheitsstudie bestätigt. Von den dort untersuchten Zwölfjährigen zeigten circa 15 Prozent Anzeichen einer MIH. Und von ihnen hatte mehr als ein Drittel einen invasiven Versorgungsbedarf wegen Schmelzeinbrüchen oder bereits Füllungen erhalten [Bekes et al., 2025]. Bereits 2003 unterteilte die European Academy of Paediatric Dentistry (EAPD) die Erkrankung nach dem Schweregrad, da dieser wesentlich die zm116 Nr. 01-02, 16.01.2026, (2084) Zwischen diesen beiden Aufnahmen liegen ziemlich genau elf Jahre. Die damals zehnjährige Patientin stellte sich mit dem hypersensiblen Zahn 26 in der MIH-Sprechstunde vor. Der Zahn wurde zunächst mit adhäsiv mit Komposit versorgt. Nach der Desensibilisierung und dem Abschluss der kieferorthopädischen Behandlung konnte der mittlerweile nicht mehr überempfindliche Zahn mit einer Keramikteilkrone adhäsiv versorgt werden. Der Fall veranschaulicht den langfristigen Betreuungsbedarf während der gesamten Schulzeit für diese Kinder. Tabelle 1: Einteilung der MIH in Schweregrade nach dem Würzburger Konzept. EINTEILUNG DER MIH IN SCHWEREGRADE Index Definition Index 0 Klinisch keine Anzeichen vonMIH Index 1 MIH ohne Hypersensitivität, ohne Defekt Index 2 MIH ohne Hypersensitivität, mit Substanzdefekt 2a < 1/3 Defektausdehnung 2b > 1/3 < 2/3 Defektausdehnung 2c > 2/3 Defektausdehnung pulpanahe oder Extraktion oder atypische Restauration Index 3 MIH mit Hypersensitivität, ohne Defekt Index 4 MIH mit Hypersensitivität, mit Substanzdefekt 4a < 1/3 Defektausdehnung 4b > 1/3 < 2/3 Defektausdehnung 4c > 2/3 Defektausdehnung pulpanahe oder Extraktion oder atypische Restauration Bekes et al., 2023; Steffen et al., 2017 FORTBILDUNG MOLAREN-INZISIVEN-HYPOMINERALISATION Die restaurative Therapie auf Basis des Würzburger Konzepts Stefanie Amend, Norbert Krämer In den vergangenen Jahren wurden vermehrt Fälle der Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation (MIH) mit Substanzdefekten beobachtet, wodurch sich der Bedarf einer restaurativen Versorgung bei den häufig noch sehr jungen Patienten stark erhöhte. Wir stellen auf Basis des Würzburger Konzepts den Stand der Behandlungsempfehlungen zur restaurativen Versorgung von MIH-Zähnen unterschiedlichen Schweregrades vor. ZM-LESERSERVICE Die Literaturliste kann auf www.zm-online.de abgerufen oder in der Redaktion angefordert werden. Fotos: Norbert Krämer

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