Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 1

TITEL | 43 Art der Versorgung beeinflusst. Dabei wurde zwischen umschriebenen Opazitäten, posteruptiven Schmelzeinbrüchen und sogenannten atypischen Restaurationen an den Schlüsselzähnen der MIH (Sechsjahrmolaren und bleibende Frontzähne) unterschieden [Weerheijm et al., 2003]. Basierend auf dieser Einteilung wurden 2010 erstmals Empfehlungen zur Versorgung der MIH-Zähne gegeben [Lygidakis et al., 2010]. Allerdings spielte das Symptom der Hypersensitivität bei den MIH-Zähnen nur eine untergeordnete Rolle, weil es damals eher selten auftrat [Preusser et al., 2007]. Heute hat sich das Bild gewandelt: Insbesondere der Anteil der MIH-Molaren mit Überempfindlichkeiten ist seitdem deutlich gestiegen. Neue Untersuchungen zeigen, dass der Anteil der hypersensiblen MIH-Zähne bei Kindern im Grundschulalter etwa zehn Prozent beträgt [Fresen et al., 2024; Gaballah et al., 2025]. Dies ist in der kinderzahnärztlichen Praxis eine große Herausforderung, da die permanent gereizten Zähne mittels einfacher Lokalanästhesie nur schwer zu anästhesieren sind [Özgül et al., 2022]. Mit dem Würzburger Konzept wurde erstmals eine Klassifikation vorgestellt (MIH Treatment Need Index – MIHTNI), die die unterschiedliche Ausprägung der Erkrankung einschließlich der Hypersensitivität erfasst (Tabelle 1). zm116 Nr. 01-02, 16.01.2026, (2085) Abb. 2: Der MIH-Zahn 46 zeigte bereits im Durchbruch großflächige Schmelzdefekte und reagierte hypersensibel auf Kälte und Berührung. Dies erschwerte die Mundhygiene und führte zu einer kariösen Destruktion, so dass ein dringender Behandlungsbedarf bestand. Abb. 3: Flussdiagramm zu den Behandlungsoptionen der MIH je nach Schweregrad TNI 1 – 4 (siehe Tabelle 1). CPP-ACP: CaseinPhosphopeptid amorphes Calciumphosphat, FV: Fissurenversiegelung, GIZ: Glasionomerzement, SDF: Silberdiamminfluorid, SSC: Stainless Steal Crown, TCP: Tricalciumphosphat. Foto: Norbert Krämer Abb. 1: MIH-Zahn 26 mit gelbbraunen Opazitäten. Die Versiegelung des Zahns war in diesem Fall eine ausreichende Maßnahme zur Versorgung der kariesgefährdeten Areale. Fotos: Norbert Krämer

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