Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 1

und das im SDF enthaltene Fluorid zur Bildung einer Kalziumfluoriddeckschicht auf der Dentinoberfläche beiträgt [Seifo et al., 2019]. Dieser gewünschte Effekt hat dazu geführt, dass SDF insbesondere bei der temporären Versorgung von hypersensiblen MIH-Molaren mit freiliegenden Dentinoberflächen eine zunehmend bedeutsame Rolle spielt [Erbas et al., 2024; Linner et al., 2020; Saad et al., 2024; Seifo et al., 2019]. Allerdings muss dazu die Dentinoberfläche freiliegen, so dass der oben genannteEffekt auch wirken kann. Dabei wird die behandelte Oberfläche nach der Applikation von SDF mit einem GIZ abgedeckt. Diese Technik ist eine Modifikation der klassischen Applikation von ausschließlich SDF und wird als SMART-Technik (silver modified atraumatic restorative technique) bezeichnet [Lall M, 2024]. Mittlerweile gelingt es, mithilfe der SMART-Technik die Überempfindlichkeit der betroffenen Zähne wirksam zu reduzieren [Erbas et al., 2024; Lall M, 2024]. Abbildung 5 zeigt exemplarisch den Behandlungsverlauf bei einem sechsjährigen ängstlichen Patienten mit kälte- und berührungsempfindlichen Sechsjahrmolaren. Die temporäre Therapie D (langfristig) Die „temporäre Therapie“ umfasst neben den konfektionierten Edelstahlkronen (Abbildung 6) [Kotsanos et al., 2005; Oh et al., 2020] nun auch die vorgefertigten Zirkonoxidkronen [Geduk et al., 2023; Talekar et al., 2023]. Stahlkronen (SSC, stainless steel crowns; PMC, preformed metal crowns) werden heute auch mittels Halltechnik eingesetzt [Grizzo et al., 2022]. Vorteil ist dabei, dass aufgrund der geringen Schichtstärke der Kronen keine Zahnhartsubstanz geopfert werden muss. Die Indikation zum Einsatz dieses Verfahrens ist eine mittelfristige Versorgung über wenige Jahre, wenn beispielsweise der optimale Zeitpunkt für die Extraktion abgewartet werden muss. De Farias et al. konnten zeigen, dass über einen Zeitraum von 24 Monateneine Versorgung von MIH-Molaren mit Stahlkronen eine signifikant höhere Überlebensrate aufwies als die Kompositversorgung [de Farias et al., 2022]. Die definitive Therapie E Direkte Versorgung mit Kompositrestaurationen Die definitive Versorgung der MIHaffektierten Molaren und Frontzähne umfasst die adhäsive Versorgung direkt mit Komposit oder indirekt mit Keramik oder Komposit. Die direkte Versorgung mit Komposit hat den Vorteil, dass durch die Verwendung von Dentinadhäsiven das Dentin dicht versiegelt werden kann. Hypersensitivitäten werden dadurch deutlich reduziert. Zudem kann der Zahn bei der direkten Versorgung sehr defektorientiert versorgt werden (Abbildung 7). a b 46 | TITEL zm116 Nr. 01-02, 16.01.2026, (2088) Abb. 6a: Der sechjährige Patient wurde mit der Diagnose MIH überwiesen. Der Zahn 46 konnte aufgrund der Überempfindlichkeit kaum gereinigt werden. Ein starker Würgereiz erschwerte die Behandlung. Abb. 6b: Der MIH-Zahn 46 etwa vier Jahre nach der Versorgung. Zwischenzeitlich war der Patient in die zweite Wechselgebissphase gekommen und die Entscheidung über die weitere Behandlung (Extraktion oder indirekte Keramikversorgung) konnte getroffen werden. n 1986: Staatsexamen n 1987: Promotion n 1997: Habilitation n 2000: 1. Vorsitzender der Gesellschaft für Kinderzahnheilkunde und Primärprophylaxe der DGZMK n 2001: Mitglied im Vorstand der DGZMK (Delegierter des Beirates) n 2002: Präsident der DGK, Mitglied im Vorstand der DGZMK (Fachvertreter Kinderzahnheilkunde), beratendes Mitglied im Direktorium der APW/DGZMK n 2003: Ernennung zum wissenschaftlichen Berater der LAGZ Bayern e. V. n 2004: Schriftleiter Oralprophylaxe und Kinderzahnheilkunde n seit 2005: Mitglied im Editorial Board verschiedener Zeitschriften. n 2006: 2. Vorsitzender der APW n 2006-2009: Professur für Kinderzahnheilkunde an der TU Dresden n 2009: Professur für Kinderzahnheilkunde an der Justus-LiebigUniversität Gießen n 2010-2012: Präsident der European Academy of Paediatric Dentistry (EAPD) n 2015-2019: Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kinderzahnheilkunde (DGKiZ) n 2017-2020: Board Member der International Association of Paediatric Dentistry (IAPD) n seit 2024: Fortbildungsreferent der DGKiZ Prof. Dr. Dr. Norbert Krämer Universitätsklinikum Gießen und Marburg GmbH - Standort Gießen Medizinisches Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde Direktor der Poliklinik für Kinderzahnheilkunde Schlangenzahl 14, 35392 Gießen Foto: privat Fotos: Norbert Krämer

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