Während die Dentinhaftung unterhalb desaffektierten Schmelzes vergleichbar mit der von gesundem Dentin ist, funktioniert die Haftung an dem strukturell veränderten Schmelz schlechter. Eigene Untersuchungen haben gezeigt, dass die Haftung an dem porösen, proteinreichen Schmelz stark reduziert ist (Abbildung 8) [Krämer et al., 2018]. Sind die Füllungsränder in dem veränderten Bereich lokalisiert, muss mit Randspalten und Abplatzungen gerechnet werden. Bei größeren Restaurationen muss man im Laufe der Jahre mit Verfärbungen der Füllungen und mit Abrasionen rechnen. Dies spielt insbesondere eine Rolle, wenn im Seitenzahnbereich Höcker ersetzt werden müssen, da Kompositfüllungen mit Höckerersatz an MIH-Molaren eine etwas geringere durchschnittliche Überlebenszeit in der Mundhöhle haben als solche ohne Höckerrekonstruktion [Rolim et al., 2021]. Die Anzahl der klinischen Studien zur direkten adhäsiven Versorgung an MIH-Molaren ist begrenzt, so dass nur bedingt Aussagen zur Erfolgsrate getroffen werden können. So zeigten Linner et al. [2020], dass konventionelle direkte Kompositfüllungen eine kumulative Überlebensrate von rund 76 Prozent nach drei Jahren aufwiesen, die zwischen der von indirekten Keramikrestaurationen (100 Prozent) und GIZ-Füllungen (7 Prozent) lag [Linner et al., 2020]. Ähnliche Überlebensraten berichteten auch Rolim et al. [2021] für direkte Kompositfüllungen an MIH-Zähnen, die bei der Verwendung eines Universaladhäsivs in Etch-and-Rinse Technik bei 80,8 Prozent und in Self-Etch Technik a c d b e TITEL | 47 zm116 Nr. 01-02, 16.01.2026, (2089) Abb. 8: MIH-Schmelz bei 11.900-facher Vergrößerung. Der Schmelz wirkt unstrukturiert mit zahllosen Porositäten. Dies ist die Ursache für die weiche, wenig belastungsfähige Schmelzoberfläche. Abb. 7a: Der achtjährige Patient hatte vor etwa zwei Jahren am MIH-Zahn 16 eine GIZ-Füllung (Fuji Triage pink, Fa. GC) erhalten. Der Zahn war nach wie vor hypersensibel, so dass die Lokalanästhesie erschwert war. Abb. 7b: Die GIZ-Füllung wurde vollständig entfernt und die Füllungsränder wurden soweit möglich bis in den gesunden Schmelz angeschrägt. Abb. 7c: MIH-Zahn 16 nach dem Auftragen des Adhäsivs und der anschließenden Polymerisation. Abb. 7d: Anschließend wurde der Zahn mit einer Kompositfüllung in InkrementTechnik (3 Schichten) restauriert. Abb. 7e: Die abschließende Okklusionskontrolle zeigte keine Auffälligkeiten. n 2006-2012: Studium der Zahnheilkunde an der Justus-LiebigUniversität Gießen n seit 2012: Wissenschaftliche Mitarbeiterin der Poliklinik für Kinderzahnheilkunde n 2017: Promotion n 2014-2017: Weiterbildungsstudiengang Kinderzahnheilkunde der Justus-Liebig-Universität Gießen und Philipps-Universität Marburg (M. Sc.) n 2023-2025: Weiterbildungsstudiengang Master of Health Professions Education (MHPE) der Maastricht University (Niederlande). Dr. med. dent. Stefanie Amend, M. Sc. Universitätsklinikum Gießen und Marburg GmbH - Standort Gießen Medizinisches Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde Poliklinik für Kinderzahnheilkunde Schlangenzahl 14, 35392 Gießen Foto: UK Gießen Fotos: Norbert Krämer Foto: Norbert Krämer
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