48 | TITEL bei 62,3 Prozent nach zwölf Monaten lagen [Rolim et al., 2021]. Wenngleich dies positive Ergebnisse hinsichtlich des kurz- und mittelfristigen Erfolgs direkter Kompositfüllungen bei MIH-Molaren sind, bleibt zu berücksichtigen, dass es weiteren Forschungsbedarf zur Bestimmung des Langzeiterfolgs dieser restaurativen Maßnahme gibt [Lygidakis et al., 2022]. Die Versorgung der MIH-Frontzähne entspricht dem Vorgehen im Seitenzahnbereich. Problematisch ist die Maskierung der Opazitäten. Dazu müssen opake Komposite verwendet werden und es muss eine Schichtstärke von circa 1,5 mm garantiert sein (Abbildung9). Indirekte Versorgung mit zahnfarbenen Restaurationen Für größere Defekte an MIH-Molaren müssen häufig tragende Höcker ersetzt werden. Dies stellt eine besondere Herausforderung dar, weil in diesen Fällen große Dentinflächen abgedeckt werden müssen (Abbildung 10). Da die direkte Kompositversorgung eher zur Materialermüdung und zum Verschleiß neigt, schlägt das Würzburger Konzept in diesen Fällen die indirekte adhäsive Versorgung der Zähne vor. Der vorliegende Fall veranschaulicht den langen gemeinsamen Weg, den die Kinder mit dem Zahnarzt während der Schulzeit gehen. Eine hochqualitative indirekte Versorgung lässt sich bei durchbrechenden Zähnen kaum umsetzen. Außerdem muss bei der Präparation viel Zahnhartsubstanz geopfert werden, so dass bei den jugendlichen Zähnen ein hohes Risiko der Eröffnung der Pulpakammer bestehen würde. Linner et al. konnten über eine 100-prozentige Erfolgsrate bei der Versorgung der MIH-Zähne zeigen [Linner et al., 2020], was auf eine strikte Einhaltung des adhäsiven Protokolls („total etch“ und „total bond“ sowie Einsetzen mit einem dual-härtenden Kompositzement) in dieser Studie zurückzuführen sein kann [Krämer et al., 2000]. Im Unterschied dazu erscheinen selbstadhäsive Zemente für das Einsetzen von zahnfarbenen Restaurationen bei MIH-Zähnen problematisch zu sein, da in einer klinischen Studie die Erfolgsrate nur 90 Prozent nach zwölf Monaten betrug. Zusätzlich wiesen die Autoren darauf hin, dass nach dem Einsetzen mit Hypersensitivitäten zu rechnen ist [Hakmi and Dashash, 2023]. Therapie F: Extraktion Der Therapieplan wird unverändert mit der Therapie F, der Extraktion, abgeschlossen. In schweren Fällen, wenn zum Beispiel Sechsjahrmolaren mit MIH massive posteruptive Einbrüche der Zahnhartsubstanz aufweisen, die Pulpa betroffen ist oder Zahnabszesse vorliegen, ist eine geplante Extraktion mit anschließender Einstellung der zm116 Nr. 01-02, 16.01.2026, (2090) Abb. 9a: Die zehnjährige Patientin stellte sich mit opaken Veränderungen an den Frontzähnen vor. Der MIH-Zahn 21 war empfindlich auf kalte Luft. Abb. 9b: Sieben Jahre nach dem Legen ist die Füllung an dem MIH-Zahn 21 noch in situ, jedoch deutlich opaker als die angrenzende Zahnhartsubstanz. Abb. 9c: Kompositversorgung am MIHZahn 21 elf Jahre nach der Erstversorgung. Die Abrasion, Abplatzungen und eine Stellungsanomalie sind deutlich zu erkennen, so dass die Füllung aufgrund der ästhetischen Beeinträchtigung erneuert wurde. Abb. 9d: Um eine adäquate farbliche Optimierung zu erreichen, musste circa 1,5 mm Substanz abgetragen werden. Abb. 9f: Nach dem Legen der Kompositfüllung schimmert die gelblich opake Stelle kaum noch durch. Abb. 9g: Knapp fünf Jahre nach dem Legen zeigte sich die Kompositfüllung am MIH-Zahn 21 nach wie vor ohne Randverfärbung. Abb. 9e: Die Länge des Zahns wurde mit einem vorbereiteten Mock-up rekonstruiert. a c d b e f g Fotos: Norbert Krämer
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