Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 1

TITEL | 49 Zwölfjahrmolaren sowie der Weisheitszähne eine Behandlungsoption (Abbildung11). Allerdings sollte vor der geplanten Extraktion eines Sechsjahrmolaren eine radiologische und kieferorthopädische Beurteilung der Gebisssituation erfolgen [Brusevold et al., 2022], um die Anlage der bleibenden Zahnkeime zu überprüfen und mögliche Dysgnathien zu diagnostizieren [Ashley and Noar, 2019]. Zusätzlich sollte der optimale Zeitpunkt für eine geplante Extraktion gewählt werden [Lygidakis et al., 2022]. Auch wenn ein Alter von acht bis zehn Jahren als geeigneter Zeitpunkt für die Extraktion eines Sechsjahrmolaren gilt, ist der spontane Lückenschluss nicht immer gewährleistet [Ashley und Noar, 2019]. Insbesondere bei der Extraktion von Sechsjahrmolaren im Unterkiefer gilt der spontane Lückenschluss als weniger wahrscheinlich als im Oberkiefer [Brusevold et al., 2022]. In Anbetracht der Tatsache, dass bei ausbleibendem spontanen Lückenschluss nach der Zahnextraktion eine kieferorthopädische Behandlung indiziert sein kann [Jälevik und Möller, 2007], ist eine sorgfältige Aufklärung und die Berücksichtigung der Wünsche der Kinder und deren Sorgeberechtigten wichtig, um im Einzelfall die bestmögliche Therapieentscheidung zu treffen. Fazit Eine invasive restaurative Versorgung von MIH-Zähnen ist heute bei nahezu der Hälfte der Patienten mit der Erkrankung notwendig. Das hier vorgestellte Würzburger MIH-Konzept hat sich dabei in den letzten neun Jahren klinisch bewährt. Bis heute ist der Index immer noch der einzige, der Schmelzdefekte und Hypersensitivität bei MIH-Zähnen gleichermaßen quantitativ erfasst. Die Behandlungsempfehlungen geben eine gute Hilfestellung, um unterschiedlich komplexe Fälle erfolgreich behandeln zukönnen. n zm116 Nr. 01-02, 16.01.2026, (2091) Abb. 10b: Der MIH-Zahn 26 wurde adhäsiv mit einem Universalkomposit versorgt. Dabei wurde darauf geachtet, dass die Präparationsgrenzen möglichst in dem gesunden Bereich endeten. Sowohl der distobukkale als auch die beiden palatinalen Höcker mussten restauriert werden. Abb. 10c: 10,5 Jahre nach dem Legen der Füllung zeigt sich die Restauration am MIH-Zahn 26 intakt. Allerdings sind deutlich die Verfärbung und die Abrasion gerade im kaulast-tragenden Bereich zu erkennen. Abb. 10d: Die Kompositfüllung wurde entfernt und die Präparationsgrenze in den nicht-affektierten Bereich gelegt. Um eine ausreichende Schichtstärke zu erreichen, mussten die Höcker um circa 2 mm eingekürzt werden. Abb. 10f: Etwa 4,5 Jahre nach dem Einsetzen hatte sich die Teilkrone am MIHZahn 26 kaum verändert. Abb. 11: Der zehnjährige Patient stellte sich mit Aufbissbeschwerden am MIHZahn 36 vor. Alle Sechsjahrmolaren wiesen insuffiziente Füllungen mit Sekundärkaries auf. Die Mitarbeit war für die umfangreichen endodontischen und restaurativen Maßnahmen nicht ausreichend. Alle Weisheitszähne waren angelegt und bei den Zwölfjahrmolaren war der Beginn des Wurzelwachstums radiologisch sichtbar. Vor diesem Hintergrund wurden alle Sechsjahrmolaren extrahiert. Abb. 10a: Hypersensibler MIH-Zahn 26 bei einem Zehnjährigen. Die Mitarbeit war gut, so dass der Zahn in Lokalanästhesie versorgt werden konnte. Abb. 10e: Das Keramikinlay wurde adhäsiv mittels der Ultraschalleinsetztechnik mit einem hochviskösen thixotropen Komposit inseriert. a c d b e f Fotos: Norbert Krämer Foto: Norbert Krämer

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