Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 1

50 | GESELLSCHAFT HERBERT-LEWIN-PREIS 2025 Für ein lebendiges Erinnern Mit dem Herbert-Lewin-Preis werden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler geehrt, die die Rolle der Gesundheitsberufe in der Zeit des Nationalsozialismus erforschen. Ende November wurde die Auszeichnung zum zehnten Mal in Berlin verliehen. Mit dem Herbert-Lewin-Preis möchten wir die Aufarbeitung der Rolle der Ärzteschaft im Nationalsozialismus fördern und gleichzeitig die Erinnerung an jene Ärztinnen und Ärzte sowie Zahnärztinnen und Zahnärzte aufrechterhalten, die in der NS-Zeit verfolgt und ermordet wurden“, sagte Dr. Romy Ermler, Präsidentin der Bundeszahnärztekammer (BZÄK), in ihrer Eröffnungsrede. Sie sprach im Namen aller am HerbertLewin-Preis beteiligten Organisationen, zu denen neben der BZÄK auch die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung (KZBV), das Bundesgesundheitsministerium (BMG), die Bundesärztekammer (BÄK) und die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) gehören. Die Auszeichnung – die nach dem deutschen Mediziner und als Jude von den Nationalsozialisten verfolgten Herbert Lewin benannt ist – stehe für die Pflege einer lebendigen Erinnerungskultur für jüdisches Leben in der Bundesrepublik, betonte Ermler. Außerdem gehe es um die bewusste Übernahme von Verantwortung für die Schuld, die Deutschland während der NS-Zeit auf sich geladen habe. Auch in der Zahnmedizin wurden Grundsätze verraten „Auch in der Medizin und Zahnmedizin wurden Menschenrechte verletzt und die Grundsätze unseres Heilberufs verraten. Das dürfen wir als Angehörige des medizinischen Berufsstandes niemals vergessen“, mahnte Ermler und appellierte im Anschluss an ihre Kolleginnen und Kollegen: „Wir müssen uns immer wieder aufs Neue kritisch mit unserer Geschichte auseinandersetzen, um daraus zu lernen und wachsam zu bleiben gegenüber jeglicher Form von Ausgrenzung, Diskriminierung und Antisemitismus.“ Den mit 10.000 Euro dotierten ersten Preis nahm bei der feierlichen Verleihung in der Deutschen Parlamentarischen Gesellschaft Dr. Dr. Lea Münch für ihre Arbeit „Innenansichten der Psychiatrie im Elsass zur Zeit des Nationalsozialismus – Lebensgeschichten zwischen Strasbourg und Hadamar“ entgegen. Die Ärztin und Medizinhistorikerin sichtete für ihre Arbeit mehrere hundert Krankenakten aus dem Archiv der Universität Straßburg und zeichnete anschließend die Lebenswege von fünf Patientinnen und Patienten genauer nach. Selbst Theaterprogramme dienten als Quelle „Um die Biografien zu vervollständigen, waren viele Anschlussrecherchen notwendig“, berichtete Münch. So wertete sie Briefe und Fotografien, Gerichtsakten, Kirchenbücher, Meldekarteien und Häftlingsnummerbücher aus Konzentrationslagern aus. Im Fall der von Münch betrachteten Opernsängerin Luise Reuss, die im Mai 1943 in die Psychiatrische Klinik der Reichsuniversität eingeliefert wurde, dienten sogar Theaterprogramme als Quelle. In Die Trägerinnen des Herbert-Lewin-Preises 2025, Dr. Dana Derichs (3.v.l.) und Dr. Dr. Lea Münch (5.v.l.), mit Vertreterinnen und Vertretern der beteiligten Organisationen, darunter Martin Hendges (1.v.l.), Vorstandsvorsitzender der KZBV, und Dr. Romy Ermler (3.v.r.), Präsidentin der BZÄK. Foto: BZÄK/axentis.de zm116 Nr. 01-02, 16.01.2026, (2092)

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