zm116 Nr. 01-02, 16.01.2026, (2100) 58 | POLITIK tern vom Wohnort eintragen. Um sich kostenfrei von einem Facharzt behandeln zu lassen, benötigen sie eine Überweisung des Hausarztes. Das zweite Modell ermöglicht eine freie Arztwahl. Allerdings sind die Ärzte bei diesem Modell nicht an die Tarifordnung gebunden und können daher höhere Honorare abrechnen. Darüber hinaus muss der Versicherte die Kosten für den Arzt im Voraus bezahlen und erhält erst beim Einreichen der Rechnungen eine Erstattung – aber auch nur in Höhe der Kosten für vergleichbare medizinische Leistungen im Hausarztmodell. Bei beiden Modellen übernimmt der Staat die Kosten für stationäre Behandlungen im Krankenhaus in voller Höhe. Kostenbeteiligung Auch die Däninnen und Dänen müssen für bestimmte Leistungen zuzahlen. In welchem Umfang, hängt vor allem von der Wahl des Versichertenmodells ab. Bei ärztlich verordneten Arzneimitteln liegt der Eigenanteil bei Erwachsenen zwischen 15 und 50 Prozent. Für zahnärztliche Leistungen sowie bestimmte physio- oder psychotherapeutische Leistungen erhalten die Versicherten nur Zuschüsse und müssen für den Rest selbst aufkommen. Zahnärztliche Leistungen Zahnbehandlungen sind bis zum Alter von 22 Jahren kostenfrei. Danach erhalten Versicherte staatliche Zuschüsse für Vorsorgeuntersuchungen und bestimmte Therapien. Patienten, die die Behandlungskosten nicht selbst tragen können, außergewöhnlichen Bedarf haben oder im Ruhestand sind, erhalten höhere Zuschüsse. Das gilt auch für mobilitätseingeschränkte und behinderte Menschen. Beim Zahnersatz erhalten ebenfalls Bedürftige, Rentner und bestimmte andere Gruppen besondere Zuschüsse. (K)eine freie Arztwahl Ob die Dänen ihren Haus- oder Facharzt frei wählen können, hängt von der Wahl der Versichertengruppe ab. Wer im Hausarztmodell (rund 98 Prozent der Versicherten) eingeschrieben ist, benötigt für eine Behandlung beim Facharzt oder im Krankenhaus eine Überweisung ihrer Hausärztin oder ihres Hausarztes. Bürger, die sich für die Versichertengruppe zwei entscheiden, können Allgemeinmediziner und Fachärzte frei wählen. Sie müssen jedoch in Vorleistung treten und erhalten lediglich einen Zuschuss. Kosten, die vergleichbare medizinische Leistungen für die Versichertengruppe eins übersteigen, müssen sie selbst tragen. ao gibt politisch keinen Willen dazu. Die Folge ist, dass es bei jeder Behandlung Diskussionen wegen der Kosten gibt und wir den Patienten zum Teil Ratenzahlungen anbieten. Mit welchen Herausforderungen und Problemen sind Zahnärzte in Dänemark noch konfrontiert? Die Probleme sind genau die gleichen wie in anderen europäischen Ländern: zunehmende Bürokratie und Überwachung sowie hohe Investitionskosten in Praxen. Die Folge ist, dass sich immer weniger Zahnärzte niederlassen. Das liegt aber auch daran, dass die junge Generation viel Wert auf eine ausgewogene Work-LifeBalance legt, feste Arbeitszeiten bevorzugt und maximal 30 Stunden in der Woche arbeiten will. Die meisten wollen Teilzeit arbeiten. Mir war es früher egal, ob ich 40, 50 oder 60 Stunden pro Woche arbeite. Welche Folgen hat das für die Versorgung? In Dänemark fehlen aktuell etwa 20 Prozent Zahnärzte, der Mangel ist bereits Realität. Welche Entwicklungen gibt es noch? Früher waren die Zahnarztpraxen kleine, dezentrale Einheiten. Mittlerweile ist alles zentralisiert – auch, um Geld zu sparen. In der 60.000-Einwohnerstadt Kolding, in der ich meine Praxis betreibe, gab es früher mehr als 20 Zahnarztpraxen – jetzt drei große Investorenketten und eine Handvoll freie Praxen. Hintergrund für den Trend zur Zentralisierung ist auch, dass die jüngeren Zahnärztinnen und Zahnärzte keine Einzelkämpfer mehr sein möchten, sondern sich spezialisieren und im Team arbeiten wollen. Jetzt gibt es nur noch Gemeinschaftspraxen und große Ketten. Wie sieht es auf dem Land aus? Die Menschen und auch die Zahnärzte ziehen verstärkt in die größeren Städte. In kleinen Orten mit 2.000 bis 3.000 Einwohnern verschwinden die Zahnarztpraxen. Zahnärzte, die in den Ruhestand gehen wollen, finden keinen Nachfolger. Praxen können nicht einmal verschenkt werden. In der Folge gibt es in ländlichen Regionen wenige Praxen. Es fehlen auch Banken, Apotheken, Lebensmittelgeschäfte, Schulen, Infrastruktur. Die Versorgung ist allerdings nicht gefährdet; da Dänemark ein kleines Land ist, müssen die Patienten in der Regel lediglich etwa eine halbe Stunde zur nächsten Praxis oder ins Krankenhaus fahren. Wer nicht mobil ist, hat jedoch Probleme. Wie ist die Zahnärzteschaft in Dänemark organisiert? Da das Gesundheitswesen in Dänemark staatlich organisiert ist, gibt es keine Zahnärztekammern. Was es gibt, sind mehrere Verbände. Von 2011 bis 2018 war ich Präsident des Nationalen Dänischen Zahnärzteverbands – dort können Zahnärzte freiwillig Mitglied werden. Daneben gibt es eine eigene Vereinigung für Zahnärzte, die in öffentlichen Praxen arbeiten, einen Verband für privat praktizierende Zahnärzte und einen für die Eigentümer der Investorenketten. Durch die Vielzahl an Organisationen sprechen die Zahnärzte nicht mit einer Stimme, sondern machen sich zum Teil eher gegenseitig das Leben schwer. Das Interview führte Anne Orth. Rund 98% der anspruchsberechtigten Däninnen und Dänen entscheiden sich für das Hausarztmodell.
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