Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 1

62 | PRAXIS PRAXISÜBERNAHME VOR DEN TOREN BERLINS – TEIL 2 Businessplan sei Dank Jonas Kock, Nadja Alin Jung Vladislava Drljaca hat im Jahr 2024 eine Zahnarztpraxis in Teltow übernommen. Wir begleiten ihre Schritte in die Selbstständigkeit und schauen dieses Mal auf den Businessplan: Warum war er für die Gründerin ein unverzichtbarer Wegweiser und eine besonders große Hilfe bei den Übernahmeverhandlungen? Um die eigene Praxis von Anfang an auf einen wirtschaftlichen Erfolgskurs zu bringen, ist ein Businessplan für Gründerinnen und Gründer das wichtigste Instrument. Auch potenzielle Kreditgeber fragen in der Regel zuerst danach, um die Rentabilität, Liquidität und Kapitaldienstfähigkeit des Projekts zu beurteilen. Letztlich ist der Businessplan aber auch ein prima Werkzeug, um nach erfolgreicher Gründung oder Übernahme durch regelmäßiges Controlling zu überprüfen, ob sich die Kennzahlen der Praxis planmäßig entwickeln und die Praxis läuft. Was muss überhaupt rein? Zunächst müssen die Geschäftsidee und das geplante Leistungsspektrum dargestellt werden. Auch die persönlichen Voraussetzungen und Qualifikationen der Gründerin oder des Gründers sollten Eingang in den Businessplan finden. Relevant sind außerdem das Marktpotenzial der Praxis, eine Wettbewerbsanalyse, Vertriebskonzepte und vorgesehene Kommunikationsmaßnahmen, die angestrebte Unternehmensform, die Organisationsstruktur und die Innovationsfähigkeit der Praxis. Schließlich muss der Businessplan eine SWOT-Analyse (Strengths, Weaknesses, Opportunities, Threats) sowie eine solide Finanz- und Liquiditätsplanung enthalten. Besonders bei der Finanz- und Liquiditätsplanung tun sich betriebswirtschaftlich unerfahrene Gründerinnen und Gründer oft schwer. Auch Drljaca hat sich an dieser Stelle professionelle Unterstützung gesucht, denn der wirtschaftliche Erfolg ihrer Praxis sollte von Anfang an auf einem sicheren Fundament stehen. Die Frage aller Fragen Zentrales Ziel eines jeden Businessplans ist die Überprüfung der Umsetzbarkeit des Praxisvorhabens. Anhand einschlägiger betriebswirtschaftlicher Kennzahlen wie Umsatz, Gewinn, Liquidität, Patientenzahlen und dem durchschnittlichen Honorar pro Patient muss ermittelt werden, welchen Umsatz die Praxis gemessen an der aktuellen sowie der zukünftig anvisierten Kostenstruktur erreichen kann. Dabei müssen auch der Verdienst der Inhaberin beziehungsweise des Inhabers, Finanzierungsverpflichtungen sowie Investitions- und Anlaufkosten berücksichtigt werden. In der Regel dauert es bis zu zwei Jahre, bis der „Break-Even“ erreicht ist – erst jetzt schreibt die Praxis keine Verluste mehr. Die Frage, die über allem steht, ist aber: Traue ich mir zu, den nötigen Umsatz zu erreichen? Diese ehrliche Selbsteinschätzung musste auch Drljaca vornehmen. Der Businessplan brachte Klarheit: Die Kennzahlen der Wunschpraxis sowie das zukünftige Umsatzpotenzial und Drljacas Finanzplanung zeigten, dass ihr Projekt zukunftsfähig ist. Ein unverstellter Blick auf Kosten und Umsatzmöglichkeiten ist besonders bei Übernahmeverhandlungen von zentraler Bedeutung. Anhand der vom Abgeberoffengelegten betriebswirtschaftlichen Daten und des Investitionszm116 Nr. 01-02, 16.01.2026, (2104) "Was oft unterschätzt wird, sind die sogenannten Anlaufkosten. Keine Praxis macht sofort Gewinn. Diese Phase bemessen viele Gründerinnen und Gründer zu knapp und geraten dann schnell in wirtschaftliche Schieflage.“ Jonas Kock, Praxisberater Nadja Alin Jung m2c | medical concepts & consulting Frankfurt am Main Foto: m2c DIE 5 WICHTIGSTEN KENNZAHLEN FÜR DEN BUSINESSPLAN 1.Umsatz 2.Gewinn 3. Liquidität 4.Patientenzahlen 5.Honorar pro Patient Jonas Kock KOCK CONSULTING GmbH | Beratung für die Heilberufe Berlin Foto: privat

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