Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 3

Foto: utaem2022 – stock.adobe.com KI FÜR DIE ZAHNMEDIZIN TEIL 4 16 | ZAHNMEDIZIN KI IN DER ZAHNMEDIZIN – TEIL 4 Wie KI die Evidenz in der Wissenschaft untergräbt Die evidenzbasierte Zahnmedizin stützt sich unter anderem auf die Erhebung wissenschaftlicher Daten und deren strukturierte Bewertung. Leitlinien übersetzen diese Evidenz in verlässliche Handlungsempfehlungen und bilden damit ein zentrales Fundament klinischer Entscheidungen. Dieses System wird durch generative KI zunehmend gefährdet: Daten werden (teils) durch KI verzerrt oder komplett generiert, über verschiedene (teils dubiose) Wege trotz allem publiziert und schlussendlich in den wissenschaftlichen Translationsprozess aufgenommen. Eine klare Trennung zwischen korrekten und falschen Inhalten wird zunehmend erschwert; am Ende droht das Risiko der Strangulation des Wissenschaftssystems durch das Motto „Effizienzsteigerung für mehr Forschung, die aber weniger vertrauenswürdig ist“. Mit der zunehmenden Verbreitung generativer KI verändert sich das wissenschaftliche Umfeld grundlegend. Große Sprachmodelle können Texte analysieren, Inhalte verdichten, Literatur auswerten oder Patienteninformationen formulieren. Doch sie tun dies nicht auf der Grundlage eines wissenschaftlichen Verständnisses, sondern rein probabilistisch. Sie erzeugen sprachlich überzeugende Antworten, ohne die Gültigkeit, die Herkunft oder die Qualität der zugrunde liegenden Informationen zu verstehen. Damit wachsen neben den Möglichkeiten vor allem die Risiken, und diese betreffen zunehmend die Integrität wissenschaftlicher Evidenz. Neben den Möglichkeiten wachsen vor allem die Risiken Eine der am häufigsten beschriebenen Schwachstellen generativer KI ist das Erzeugen frei erfundener Inhalte. KIModelle neigen beispielsweise dazu, Literaturangaben teils zu halluzinieren: Sie konstruieren DOI-Nummern, die formal korrekt erscheinen, nennen existierende Autorinnen und Autoren in fiktiven Kontexten oder führen wissenschaftliche Fachjournale an, die nie existiert haben. Solche Quellen wirken plausibel, sind aber inhaltlich wertlos. Werden sie in Literaturrecherchen oder wissenschaftlichen Arbeiten verwendet, verzerren sie die Basis jeder evidenzgestützten Analyse. Besonders problematisch sind Halluzinationen, wenn KI nicht nur als Textgenerator, sondern zunehmend als Recherche-Werkzeugeingesetztwird.Eine Untersuchung des Tow Center for Digital Journalism [Jaźwińska und Chandrasekar et al., 2025] hat acht große KI-basierte Suchsysteme, darunter ChatGPT Search, Perplexity, Gemini, Copilot und Grok, auf deren Fähigkeit geprüft, journalistische Originalquellen korrekt wiederzugeben. Das Ergebzm116 Nr. 03, 01.02.2026, (110) ZM-SERIE „KI FÜR DIE ZAHNMEDIZIN“ Mitglieder des Arbeitskreises „Artificial Intelligence in Dental Medicine“ (AIDM) beleuchten die Chancen und Limitationen von KI in der zahnärztlichen Praxis. n Teil 1: „Automatisierungs-Bias – Wie KI unseren klinischen Blick verzerren kann“ (zm 17/2025) n Teil 2: „Mundschleimhautveränderungen – Mundschleimhautdiagnostik mit künstlicher Intelligenz“ (zm 20/2025) n Teil 3: „Sprachdokumentationswerkzeuge – KI-basierte Sprachdokumentation“ (zm 22/2025) Fabian Langenbach, Michael M. Bornstein, Falk Schwendicke Seit dem Aufkommen künstlicher Intelligenz vergeht kein Tag, an dem nicht über die großartigen Möglichkeiten der KI für Wissenschaft und Forschung gesprochen wird. Doch wo Licht fällt, ist auch Schatten. Und die düstere Perspektive erscheint vom Ausmaß her ähnlich dramatisch wie die der optimistisch beschriebenen Chancen. Es droht ein „Deskilling“, ein Wissensverlust in der medizinischen Wissenschaft und die massenhafte unerkannte Verbreitung von falschen Daten und Schlussfolgerungen.

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