40 | TITEL ORAL HEALTH AND ADULT HYPOPHOSPHATASIA Hypophosphatasie – die Studienlage Florian Dudde Hypophosphatasie ist eine seltene, genetisch bedingte Stoffwechselerkrankung – und aus zahnmedizinischer Sicht oft früher sichtbar als viele systemische Manifestationen. Insbesondere ein vorzeitiger (Milch-)Zahnverlust ist charakteristisch und sollte Anlass geben, gezielt nach der Grunderkrankung zu forschen. Gleichzeitig fehlen für viele zahnärztliche Fragestellungen robuste Studiendaten. Umso wichtiger ist es, die verfügbare Evidenz praxisnah einzuordnen. Diese drei Studien beleuchten potenzielle Risikomarker, den Einfluss von Vitamin D sowie die aktuelle Evidenzlage zur Versorgung. Abb. 1: Mikroskopische Aufnahme einer Knochenbiopsie einer HPP-Patientin: Es handelt sich um eine Mason-Goldner-Färbung, in der sich mineralisierter Knochen grün und nicht-mineralisierter Knochen (Osteoid) rot zeigt. Dieses Bild verdeutlicht die Osteomalazie (rote Färbung) bei HPP. Foto: Institut für Osteologie und Biomechanik, UKE zm116 Nr. 03, 01.02.2026, (134) LABORWERT PLP KÖNNTE ZAHNMEDIZINISCHE HOCHRISIKO-HPP-PATIENTEN IDENTIFIZIEREN In einer retrospektiven Studie wurde untersucht, ob der Serumspiegel von Pyridoxal-5-Phosphat (PLP) mit dem oralen Gesundheitszustand erwachsener Patientinnen und Patienten mit Hypophosphatasie assoziiert ist. Hintergrund ist die verminderte Aktivität der gewebsunspezifischen alkalischen Phosphatase bei HPP, die zu erhöhten PLP-Werten und gestörter Mineralisation von Knochen und Zahnhartsubstanzen führt. Insgesamt wurden 48 genetisch gesicherte erwachsene HPPPatientinnen und -Patienten eingeschlossen. Anhand des mittleren PLP-Wertes wurden zwei Gruppen gebildet. Personen mit erhöhten PLP-Spiegeln zeigten einen signifikant schlechteren oralen Gesundheitszustand. Der DMFT-Index war deutlich erhöht, insbesondere aufgrund einer größeren Anzahl gefüllter Zähne. Zudem wiesen diese Patientinnen und Patienten ungünstigere parodontale Befunde auf, darunter höhere PSI-Werte, schlechtere CAL-Werte sowie eine erhöhte Prävalenz einer moderaten oder schweren Parodontitis. Die Ergebnisse legen nahe, dass erhöhte PLP-Werte bei Erwachsenen Personen mit HPP mit einer erhöhten dentalen und parodontalen Morbidität einhergehen. PLP könnte somit als einfach verfügbarer laborchemischer Marker dienen, um Patientinnen und Patienten mit erhöhtem oralen Risiko bei HPP frühzeitig zu identifizieren. Für die zahnärztliche Praxis bedeutet dies, dass HPP-Patienten mit hohen PLP-Spiegeln von einer engmaschigen präventiven Betreuung und frühzeitigen parodontalen Diagnostik profitieren könnten. Dudde F, Fildebrandt D, Smeets R et al.: Role of PLP-Level as a predictive marker for oral health status in adult hypophosphatasia. Clin Oral Investig. 2024 Jul 8;28(8):419. doi: 10.1007/s00784-024-05809-w. PMID: 38976034; PMCID: PMC11230944. Dr. med. Florian Dudde Wissenschaftlicher Mitarbeiter Institut für Osteologie und Biomechanik sowie Poliklinik für Parodontologie, Präventive Zahnmedizin und Zahnerhaltung – Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf Foto: Florian Dudde
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