Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 3

44 | PRAXIS GENERATIONENWECHSEL IN DER PRAXIS Loslassen, damit die Story – neu – weitergeht Schon als Teenies haben sie während der Ferien in die Praxis ihres Vaters geschnuppert und erste Erfahrungen im Labor gesammelt. Vor einem Jahr traten die Brüder Kalvin und Ole Nowak nun seine Nachfolge an. Der Generationenwechsel geht mit vielen neue Herausforderungen einher – nicht immer sind der Senior und seine Söhne einer Meinung. Eigentlich verlief alles nach Plan: Nach einer Übergangsphase wollte der Vater dem Nachwuchs das Feld überlassen. Wie verabredet stieg vor gut sechs Jahren Dr. Kalvin Nowak als Angestellter in die Praxis ein; seit Anfang 2024 ist auch sein jüngerer Bruder dabei. Die Praxisform überführten sie in eine Berufsausübungsgemeinschaft (BAG). Ihre Vision: eine Doppelspitze mit modernem Führungsstil und ein Umbau der Praxis bis in den letzten Winkel. Was dieser Schritt bedeutet, zeigt ein Blick zurück: 1990 gründete Dr. Marcus Nowak die „Zahnarztpraxis Nowak“ in einem Ärztehaus, einen Katzensprung vom Theodor-HeussPlatz im Berliner Westen entfernt. Er startete mit drei Behandlungsstühlen und einem kleinen integrierten Labor. Kurze Zeit später stellte er seinen Stiefvater ein. Der Professor für orale Mundkrankheit und Radiologie an der Freien Universität Berlin war damals ein wichtiger Impulsgeber für die Entwicklung der Praxis mit den Behandlungsschwerpunkten Implantologie und Zahnersatz. Im Verlauf der Jahrzehnte wuchs die Praxis auf stolze 1.100 Quadratmeter und knapp 48.000 Patienten. Ebenso rasant expandierte das Labor, in dem heute 13 Zahntechniker samt hauseigenem Programmierer arbeiten – aufgeteilt in Sektionen für Keramik-, Kunststoff- und Metallarbeiten. Die Praxis kommt mittlerweile auf 13 Behandlungseinheiten, ein Druck- und Fräszentrum auf modernstem Stand und hat sogar einen Narkose- und Aufwachraum. Aktuell beschäftigen die beiden Brüder 24 Mitarbeitende, darunter auch einen Anästhesisten. Das Team spricht Arabisch, Russisch, Polnisch, Albanisch und Englisch. Diese Multilingualität hat sich herumgesprochen: Ausländische Patienten reisen für umfangreiche Restaurationen teilweise sogar extra an. Der Senior bleibt im Geschäft – aber nur beratend Vor gut einem Jahr beschloss Marcus Nowak, sich aus dem aktiven Geschäft zurückzuziehen. „Loszulassen bedeutet auch, ein Stück von sich selbst abzugeben“, schildert er seine Gemütslage. Das sei ihm nicht leichtgefallen – die Praxis war schließlich ein Teil seiner Identität. Den Söhnen zufolge war es aber für alle genau der richtige Moment, allein schon weil die Praxis technisch in die Neuzeit gebracht werden musste. Ihr Vater habe das eingesehen – in dem Wissen, dass sich in dem Zusammenhang auch die Behandlungskonzepte rapide verändert haben. Es war klar, dass die Söhne einmal das Lebenswerk des Vaters weiterführen. Aber in ihrem Stil. Oben der Praxisgründer Dr. Marcus Nowak, daneben Dr. Kalvin Nowak (Mitte) und Dr. Ole Nowak. zm116 Nr. 03, 01.02.2026, (138) „Ich habe Ihnen geraten, sich nicht zu stark daran zu orientieren, wie ich es gemacht habe. Die Praxis soll sich weiterentwickeln und nicht ein Denkmal meiner Zeit bleiben." Dr. Marcus Nowak

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