PRAXIS | 45 „Am schwersten war es, nicht mehr derjenige zu sein, der entscheidet“, sagt er rückblickend. „Nicht mehr der Erste zu sein, der gefragt wird. Zu sehen, dass meine Kinder Dinge anders machen – manchmal besser, manchmal einfach anders, und dann still zu bleiben.“ Schließlich wusste er ja, dass die Praxis in gute Hände kommt: „Sie sind Zahnärzte, sie kennen den Beruf, die Verantwortung und die langen Tage. Ich musste keine Angst haben, dass mein Lebenswerk leichtfertig aufs Spiel gesetzt wird." Wichtig war ihm, seinen Söhnen diesen Leitsatz mitzugeben: „Vergesst bei allem wirtschaftlichen Druck nie, dass hinter jedem Termin ein Mensch steht.“ Im Hintergrund bleibt der Senior für die beiden Brüder als Berater erreichbar. „Das ist für uns sehr wertvoll, weil wir von seiner Expertise profitieren. Und wir dürfen auch aus seinen Fehlern lernen. Dieser Schatz an Erfahrungen ist eigentlich das Größte“, erzählt Kalvin Nowak. Sein Vater hat zudem über die Jahre eine Art Leitfaden entwickelt, an dem sie sich orientieren konnten. Nach und nach versuchten die Brüder dann, ihre eigene Story zu entwickeln. Auch das unternehmerische Know-how mussten sie sich aneignen. Aber auch hier war der Vater eine Hilfe: So zeigte er ihnen, wie sie selbst Heilkostenpläne anfertigen und damit unabhängiger von externen Stellen sind. Veränderungen werden möglichst elegant verpackt Vereinbart wurde, dass sich der Vater über die beratende Funktion hinaus nicht mehr in die Praxisgeschäfte einmischt: „Sonst riskieren wir den Familienfrieden und das will keiner von uns“, erklärt erklärt Ole Nowak. Denn selbstverständlich gibt es Meinungsverschiedenheiten: „Veränderungen versuchen wir möglichst elegant zu verpacken, um dem Vater genügend Zeit zu geben, sich damit auseinanderzusetzen. Bloß nicht überrumpeln!“ Beide plädieren dafür, alles offen zu kommunizieren und tunlichst jede Frage zu klären. Gerade bei den Finanzm116 Nr. 03, 01.02.2026, (139) Team der Zahnarztpraxis Nowak DentalFirst in Berlin-Charlottenburg Foto: DentalFirst DIE TIPPS DER NOWAKS FÜR EINE ÜBERNAHME INNERHALB DER FAMILIE n Startet mit einem gutem Verhältnis und baut darauf auf. n Kommuniziert offen: Stellt alle Fragen und teilt alle Sorgen – auch hinsichtlich der Finanzen. n Vereinbart klare Abmachungen, an die sich alle Beteiligten halten. n Versucht geduldig zu sein: Prozesse und Umstellungen dauern manchmal lange. n Habt den Mut, euch von Mitarbeitenden zu trennen, die den Wechsel nicht mittragen oder deren Effektivität sich nicht anpasst. n Wendet euch jedem Einzelnen zu: Wer sich gesehen fühlt, bleibt gern. n Seid euch bewusst, dass es nicht immer gleich auf Anhieb funktioniert, wenn man den Sohn oder die Tochter als Nachfolger benennt.
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