ZAHNMEDIZIN | 47 zm116 Nr. 03, 01.02.2026, (141) DER BESONDERE FALL MIT CME Zyste oder Ameloblastom? Entscheidend ist die histopathologische Aufarbeitung Annika Bertsch, Peer W. Kämmerer Radiologisch kann sich ein Ameloblastom zunächst als unauffällige, zystische Läsion darstellen. Dieser Fall zeigt, wie erst die histo- und molekularpathologische Untersuchung zur Diagnose eines BRAF-V600E-positiven Ameloblastoms führte. Und weshalb eine strukturierte, langfristige Nachsorge obligat ist. Im Mai 2023 stellte sich nach Überweisung durch den Hauszahnarzt ein 31-jähriger Mann in unserer Ambulanz vor. Klinisch zeigte sich links eine diskrete paramandibuläre Schwellung. In der Anamnese wurde eine Colitis ulcerosa festgestellt, weitere Vorerkrankungen oder Dauermedikationen wurden verneint. Der Patient berichtete von einer langsamen, kontinuierlichen Größenzunahme ohne Schmerzen. Eine Malokklusion, Zahnlockerungen oder Sensibilitätsstörungen lagen nicht vor. Die digitale Volumentomografie (DVT) ergab eine mehrkammerige, radioluzente Raumforderung, die sich bei erhaltener Kortikalis von der mesialen Wurzel des Zahnes 37 bis in den aufsteigenden Ast des Ramus mandibulae erstreckte (Abbildungen 1 und 2). Aufgrund der Morphologie bestand der Verdacht auf einen keratozystischen odontogenen Tumor, differenzialdiagnostisch auf andere odontogene Tumoren. Nach Aufklärung wurden die Extraktion des nicht erhaltungswürdigen Zahnes 37 sowie die Zystektomie geplant und zwei Wochen später in Intubationsnarkose durchgeführt. Operativ erfolgte eine krestale Inzision mit marginaler Fortführung und vestibulärer Entlastung. Vestibulär fand sich eine papierdünne Knochenlamelle, die den zystischen Hohlraum noch bedeckte (Abbildung 3a). Der Zahn 37 wurde gemeinsam mit dem Zystenbalg en bloc entfernt. Anschließend wurden die Zystenwände unter Schonung des N. alveolaris inferior im Sinne einer erweiterten Zystektomie ausgefräst (Abbildung 3b). Der Wundverschluss erfolgte spannungsfrei (Abbildung 3c). Das Präparat mit dem extrahierten Zahn 37 und anhaftendem Zystenbalg ist in Abbildung 4 dokumentiert. Die Histopathologie ergab ein bis 1,8 cm messendes Ameloblastom; molekularpathologisch wurde eine BRAF-V600EMutation nachgewiesen. Die seitdem halbjährlich durchgeführten Nachkontrollen zeigen klinisch reizlose Verhältnisse und einen beschwerdefreien Patienten. Radiologisch fand sich eine fortschreitende knöcherne Ausheilung ohne ReziAbb. 1: digitale Volumentomografie (DVT) der multilokulären Läsion im linken Unterkiefer mit Beteiligung von Zahn 37 in axialer (a), sagittaler (b) und koronarer (c) Ebene Abb. 2: präoperative 3D-Rekonstruktion des multilokulären knöchernen Defekts regio 37 mit Ausdehnung in den aufsteigenden Unterkieferast a c b
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