54 | ZAHNMEDIZIN NEUE APPROBATIONSORDNUNG ZAHNMEDIZIN So managt Greifswald den integrierten Kurs interdisziplinär Christian H. Splieth, Andreas Söhnel, Andrea Rau, Philipp Kanzow, Torsten Mundt, Stefanie Samietz, Karl-Friedrich Krey Seit dem laufenden Wintersemester wird in Deutschland auch das letzte Studienjahr der neuen, zahnmedizinischen Approbationsordnung praktisch umgesetzt. Im Zentrum steht der integrierte Kurs, der primär von der Zahnerhaltung und der Prothetik bestritten wird. Das Greifswalder Modell zeigt aber, dass nicht nur Oralchirurgie, Kieferorthopädie und aufsuchende Seniorenzahnmedizin, sondern auch die Kinder-Kieferorthopädie in den integrierten Kurs eingegliedert werden können. Nach über 60 Jahren wurde die Approbationsordnung Zahnmedizin (AOZ) endlich reformiert und im Jahr 2021 gestartet. Somit begann im Oktober 2025 an den deutschen Universitäten die erstmalige Implementierung des fünften und damit letzten Studienjahres. Neben der Eingliederung von klinischzahnmedizinischen Inhalten in die Vorklinik sowie der Etablierung von bundeseinheitlichen schriftlichen Prüfungen der Querschnittsbereiche – zum Beispiel der Gesundheitswissenschaften oder zum Thema Schmerz – besteht der wesentliche Punkt in der verpflichtenden Einführung integrierter klinischer Kurse und damit einer synoptischen Patientenbehandlung. Einige Universitäten hatten dieses Konzept zwar schon seit Jahren umgesetzt, haben aber jetzt, wie etwa die Universität Greifswald, die Chance genutzt, das integrierte Konzept noch einmal deutlich, über den Rahmen der neuen AOZ hinausgehend zu erweitern. Je zwei Studierende werden einer „Praxis“ zugeteilt Laut AOZ ist der integrierte Kurs primär für eine patientenzentrierte, gemeinsame Behandlung der Fächergruppe Zahnerhaltung und Prothetik vorgesehen, doch oft werden dabei auch chirurgische Maßnahmen oder sogar die Erwachsenen-Kieferorthopädie für einen synoptischen Behandlungsplan notwendig. Daher liegt es nahe, dass beide Fachdisziplinen in den integrierten Kurs eingegliedert werden. Im Greifswalder Modell geht der integrierte Kurs über zwei Jahre. Jedes Team aus zwei Studierenden bekommt jeweils eine eigene Behandlungseinheit – quasi eine eigene, kleine Praxis mit Patientenstamm – zugeteilt, zu der die jeweiligen Fachdisziplinen kommen, um einen komplexen Behandlungsplan zu erstellen und dann gemeinsam umzusetzen (Abbildung 1). Das Modell führt nicht nur zu einem großen Zusammenhalt innerhalb der Zahnklinik, sondern schon seit vielen Jahren zu führenden Plätzen für Greifswald im CHE-Ranking. Die Vorzüge liegen in einer sehr intensiven Patientenbindung, weil nicht mit jedem Kurshalbjahr und nach Fachbehandlungen gewechselt wird, sondern dieselben Studierenden die gesamte Behandlung durchführen. Dies verbessert das Verständnis für die aufeinander aufbauenden Behandlungsmaßnahmen wie Senkung der Kariesaktivität, Parodontaltherapie und chirurgische beziehungsweise endodontische MaßDie integrierte Behandlungsplanung gewährleistet ein Betreuungsteam aller zahnmedizinischen Disziplinen. Für zwei Jahre kommen in Greifswald die Spezialisten dazu in die feste „Kleinpraxis“ der Studierenden. Foto: Stefanie Samietz zm116 Nr. 03, 01.02.2026, (148)
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