64 | GESELLSCHAFT EINSATZ BEI DEN „MINI MOLARS“ IN KAMBODSCHA Diese Milchzähne werden gerettet! Alexandra Mintjes Während meines Freiwilligeneinsatzes in der Klinik der „Mini Molars“ habe ich gelernt, wie man mit den lokalen Gegebenheiten improvisiert und sich dabei immer wieder für den Erhalt der Kinderzähne einsetzt. Viel zu schnell wird hier die Zange gezückt! Über Jahre hinweg unterstützte ich ein World-Vision-Projekt in Kambodscha und stand in regelmäßigem Kontakt zu meinem Patenkind dort. Doch ich wollte nicht nur finanziell helfen, sondern auch meine Fähigkeiten irgendwann direkt vor Ort einbringen. So kam ich zu der Organisation „Mini Molars – Free Dental Care for Children“ in Phnom Penh, der Hauptstadt Kambodschas. Mit ihren goldglänzenden Tempeln, hupenden Tuk-Tuks und Straßencafés ist die Metropole im Wandel. Doch trotz des wirtschaftlichen Aufschwungs lebt fast ein Fünftel der kambodschanischen Bevölkerung noch immer unterhalb der Armutsgrenze. Der Fortschritt ist ungleich verteilt. Das zeigt sich besonders deutlich im Gesundheitswesen, vor allem bei der zahnmedizinischen Versorgung. Auf 100.000 Einwohner kommen gerade einmal rund zehn Zahnärzte, viele davon in privaten Kliniken, die sich nur Wohlhabendere leisten können. Für den Großteil der Bevölkerung bedeutet das: Zahnschmerzen werden ausgehalten, bis es nicht mehr geht. Mit vielen nützlichen Spenden im Gepäck – von Komposit über Zahnbürsten bis zu Zahnpasta und -seide – reiste ich Ende 2025 für zwei Wochen Freiwilligenarbeit an. Die Mini-Molars-Klinik liegt auf einem Tempelgrundstück. Das Projekt existiert seit mehreren Jahren und besteht mittlerweile aus vielen einheimischen Helfern wie Studenten, einem Zahnarzt und einem Manager. Mony ist Zahnmedizinischer Fachangestellter und wurde mir für meinen Einsatz fest zugeteilt. Er zeigte mir die Räumlichkeiten und erläuterte die Abläufe, denn hier laufen Behandlungen nicht so wie bei uns in Deutschland. Strahlenschutz? Fehlanzeige! Kaum angekommen, starteten wir direkt mit einer Wurzelkanalbehandlung – einer der häufigsten Eingriffe neben Extraktionen. Als ich die Turbine ansetzen wollte, erschrak ich über ihre Geschwindigkeit. Sie fraß sich durch die Zahnhartsubstanz, als wäre diese aus Butter. Nachdem wir gemeinsam versucht hatten, die Turbine auf annähernd normale Geschwindigkeit zu bringen, gaben wir schließlich auf. Kompromisse einzugehen und Prioritäten zu setzen, daran musste ich mich zügig gewöhnen. Ich war sehr dankbar dafür, dass die Klinik über ein Röntgengerät verfügt. Der zahnmedizinische Bedarf ist manchmal so hoch, dass teilweise sogar die Zahnarzthelferinnen Zähne ziehen, Streifen wechseln, Diagnosen stellen und vieles mehr – all das beherrschen sie sehr sicher. zm116 Nr. 03, 01.02.2026, (158) Foto: Alexandra Mintjes Dr. med. dent. Alexandra Mintjes, M.Sc., M.Sc. Zahnärztin Foto: Alexandra Mintjes
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