76 | ZAHNMEDIZIN AUTO-REPOSITIONIERUNG EINER „PENCIL BONE FRACTURE“ Therapie einer Unterkieferfraktur mit patientenspezischem Implantat René Rothweiler, Johannes Bähr, Rainer Schmelzeisen, Jonas Wüster Die „Pencil bone fracture“ des zahnlosen und atrophen Unterkiefers ist eine Sonderform der Unterkieferfraktur. Das oft verminderte Knochenvolumen und die daneben häufig bestehenden Komorbiditäten erschweren die Operationsfähigkeit wie auch die operative Versorgung. Dieser Fall zeigt die Therapie einer solchen Fraktur mit CAD/CAM-Planung und einem patientenspezifischen Implantat (PSI). Durch den Rettungsdienst wurde dem Universitätsklinikum Freiburg ein 75-jähriger Patient zugewiesen. Er war aus etwa einem Meter Höhe von einer Leiter gestürzt. In der Notfalldiagnostik mittels Computertomografie (CT; Polytraumaspirale) wurden eine komplexe doppelte Unterkieferkorpusfraktur bei atrophem Unterkiefer (Pencil bone fracture) sowie eine Beckenringfraktur vom Typ Tile B diagnostiziert. Während die Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie ein konservatives Versorgungsregime mit 20 kg Teilbelastung über sechs Wochen zur Behandlung der Beckenringfraktur empfahl, planten wir in der MKG-Chirurgie die operative Frakturversorgung des stark atrophierten und disloziert frakturierten Unterkiefers. Der während der Notfalldiagnostik erstellte CT-Datensatz wurde auf eine Voxelsize von 0,6 Millimetern zurückgerechnet und in einem dafür entworfenen und zertifizierten Forum eines externen Unternehmens zur weiteren Bearbeitung hochgeladen. Bei zahnlosem Ober- und Unterkiefer erfolgte die virtuelle Repositionierung des frakturierten Unterkiefers (Abbildung 2a). Mittels CAD/CAM-Verfahren wurde eine stabile Rekonstruktionsplatte aus Titan (patientenspezifisches Implantat; PSI) geplant und hergestellt. Dabei sollte die Position des PSIs im Bereich des Unterkieferkorpus weit kaudal an der Basis sein, so dass später bei der Anpassung einer neuen Unterkieferprothese keine Interferenzen auftreten (Abbildung 2b). Gleichzeitig konnte durch eine optimierte Bohrlochposition der Nervus alveolaris inferior geschont werden, eine Neurolyse brauchte nicht geplant zu werden. Außerdem wurden an die Zielreposition angepasste Bohrschablonen (drilling guides) hergestellt, die ein Vorbohren der späteren Schraubenlöcher in der exakten Zielposition ermöglichen (Abbildung 2c). In Kombination mit dem PSI sollte so eine Auto-Reposition des Unterkiefers durch die vorgegebenen Bohrlöcher erfolgen. Operativ verwendeten wir einen beidseitigen extraoralen Zugang. Intraoperativ ließen sich die drilling guides zm116 Nr. 03, 01.02.2026, (170)
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