Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 3

ZAHNMEDIZIN | 77 exakt einbringen und wurden durch Schrauben fixiert. Nach Bohrung der vorgegebenen Bohrlöcher und Anbringen des PSIs konnte die Fraktur anatomisch reponiert und stabilisiert werden. Der postoperative Verlauf gestaltete sich komplikationslos, so dass der Patient am vierten postoperativen Tag nach Hause entlassen werden konnte. Vier Wochen nach der Operation zeigte sich in der klinischen Kontrolle ein reizfreier Situs mit guter Wundheilung. Diskussion Der Unterkiefer ist der am häufigsten frakturierte Knochen des Gesichtsschädels [Alfonso et al., 2025]. Bei polytraumatisierten Patienten zeigt sich der Unterkiefer trotz seiner exponierten Lage jedoch weniger betroffen als das Mittelgesicht (15,4 versus 84,6 Prozent) [Rothweiler et al., 2018]. Zuletzt wurde besonders beim Fahren von E-Scootern ein erhöhtes Risiko für Traumata generell und bezogen auf die Gesichtsschädel für das Risiko einer Unterkieferfraktur beobachtet [Graef et al., 2021; Wüster et al., 2021]. Durch einen frühzeitigen Zahnverlust im jungen Erwachsenenalter – zum Beispiel durch Trauma oder kariöse Zerstörung – kann es im Laufe des Lebens aufgrund der fehlenden Belastung durch das Kauen zu einer ausgeprägten Atrophie des Unterkiefers kommen. Dieser sogenannte Pencil Bone oder auch Bleistiftknochen neigt insbesondere bei gleichzeitig bestehender Osteopenie/ Osteoporose zu einer Frakturierung bei schon geringen Traumaeinwirkungen. Dabei treten meist ein- oder beidseitige Unterkieferkorpusfrakturen auf. Bei beidseitigen Frakturen kann das mediane Bruchstück aufgrund des Zuges der Zungengrundmuskulatur nach kaudodorsal abgedrängt werden [Madsen et al., 2009]. Die Behandlung von Frakturen des atrophen Unterkiefers stellt die Behandler oft vor große Herausforderungen. Aufgrund der fehlenden dentalen Abstützung und Okklusion ist es zumeist schwierig, eine anatomische Reposition zu erreichen. Auch ist die anschließende osteosynthetische Fixation aufgrund des geringen Knochenangebots und des sich häufig in unmittelbarer Nähe befindlichen Nervus alveolaris inferior erschwert. Deshalb wurden spezielle Platten und Operationstechniken für atrophe Unterkiefer entwickelt, die die suffiziente osteosynthetische Versorgung vereinfachen sollen [Clayman und Rossi, 2012; Cornelius et al., 2014; Florentino et al., 2020]. Diese und andere gängige Osteosynthesematerialien weisen aber oft den Nachteil auf, dass sie – sofern klassisch am Knochen vestibulär zm116 Nr. 03, 01.02.2026, (171) Abb. 1: Panoramaaufnahmen (OPG) der doppelten Unterkieferfraktur bei einem 75-jährigen Patienten vor (a) und nach (b) operativer Versorgung mit einem eigens angefertigten patientenspezifischen Implantat (PSI) Foto: Universitätsklinikum Freiburg Dr. med. Dr. med. dent. Jonas Wüster Klinik fü r Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie – plastische Operationen, Universitätsklinikum Freiburg Hugstetter Str. 55, 79106 Freiburg Foto: privat Dr. med. Dr. med. dent. Johannes Bähr Klinik fü r Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie – plastische Operationen, Universitätsklinikum Freiburg Hugstetter Str. 55, 79106 Freiburg Foto: Universitätsklinikum Freiburg PD Dr. med. Dr. med. dent. René Rothweiler Klinik fü r Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie – plastische Operationen, Universitätsklinikum Freiburg Hugstetter Str. 55, 79106 Freiburg Foto: Universitätsklinik Freiburg

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