Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 3

ZAHNÄRZTLICHE MITTEILUNGEN | WWW.ZM-ONLINE.DE Wie KI die Evidenz zerstört Durch die massenhafte Verbreitung von verzerrten und halluzinierten Daten droht ein enormer Wissensverlust. SEITE 16 Schutzgesetz für Gesundheitsberufe BZÄK und KZBV begrüßen die geplante Strafrechtsänderung als klares Zeichen gegen Gewalt in den Zahnarztpraxen. SEITE 42 Der jüngste Zahnarzt Deutschlands? Nils Kuhlmann hat mit 22 Jahren sein Zahnmedizinstudium gemeistert – und behandelt jetzt seine ersten Patienten. SEITE 57 HYPOPHOSPHATASIE-ZÄHNE Die gestörte Mineralisation AUSGABE 03 | 2026 zm 01.02.2026, Nr. 03

DAS BESTE ICX ALLER ZEITEN. ICX-DIAMOND im ICX-Shop! Wir kennen kein Rein-Titan, das stärker ist als GiganTium! GiganTium ≥ 1.100MPa 100 % Rein-Titan Exklusiv für ICX-Diamond® Implantate Das Power-Material – exklusiv für DASHIGH-END-IMPLANTAT VON MEDENTIS LIQUID

EDITORIAL | 3 Die drängenden Probleme dabei oft ganz oben auf der Liste. Das mit dem Beruf zu vereinbaren ist nicht immer ganz einfach. Wir stellen eine große Praxis vor, die Sport in ihr betriebliches Gesundheitsmanagement integriert hat. Und um nicht abstrakt zu bleiben, zeigen wir konkrete Rückenübungen für die Praxis. So bleiben Sie länger fit im Job. Noch ein langes Berufsleben vor sich hat vermutlich auch Nils Kuhlmann. Der 22-Jährige aus Kassel dürfte der jüngste Zahnarzt Deutschlands sein (falls es noch jüngere gibt, bitte melden!). Wir sprachen mit ihm über seinen konsequenten Einstieg ins Studium, ins Berufsleben und die anstehende Promotion. Zudem fragten wir einen Juristen, wie man sich verhalten sollte, wenn ein Patient versucht, einen zu erpressen – etwa wenn er mit verunglimpfenden Bewertungen im Internet droht. Norman Buse, Fachanwalt für Urheber- und Medienrecht und gewerblichen Rechtsschutz, gibt ganz konkrete Tipps. Viel Spaß bei der Lektüre Sascha Rudat Chefredakteur In den ersten Wochen des noch jungen Jahres war schon viel los. Auch in der deutschen Gesundheitspolitik beschäftigt man sich an höchster Stelle mit den wirklich wichtigen Fragen. Sicherung der GKV-Finanzierung, Zukunft der Krankenhäuser oder gar GOÄ-/GOZ-Reform? Nein, der deutsche Kanzler hat das wirklich drängende Problem der telefonischen Krankschreibung und des damit aus seiner Sicht einhergehenden Missbrauchs angemahnt und eine bizarre Diskussion losgetreten, in der sich Ärztevertreter, Krankenkassenfunktionäre und Gesundheitspolitikerinnen und -politiker landauf, landab mit widersprüchlichen Einschätzungen zu Wort melden. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken hat angekündigt, die Thematik prüfen zu wollen. Wirklich glücklich wirkte sie mit der von ihrem Chef angestoßenen Diskussion allerdings nicht. Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber ich finde es mehr als befremdlich, wenn sich der deutsche Regierungschef angesichts der Weltlage (Ukraine-Krieg, Unruhen im Iran und Annexionsfantasien des US-Präsidenten) mit dem Modus der Krankschreibung in Deutschland beschäftigt, als hinge davon Wohl und Weh dieses Landes ab. Natürlich darf man sich über den Krankenstand in Deutschland Gedanken machen, aber wenn man beim Bürokratie-Abbau – dazu darf man die telefonische AU durchaus zählen – sofort wieder Sorge um eine offenbar geringe Anzahl von Missbrauchsfällen hat und alles durchregulieren will, werden wir kaum vorankommen. Bei den zm hingegen geht es voran. In der Titelgeschichte beschäftigen wir uns diesmal mit der seltenen, genetisch bedingten Stoffwechselerkrankung Hypophosphatasie. Diese wird für Zahnärztinnen und Zahnärzte häufig früher sichtbar als für andere Ärzte. Insbesondere ein vorzeitiger (Milch-)Zahnverlust ist charakteristisch und sollte Anlass geben, gezielt nach der Grunderkrankung zu forschen. Gleichzeitig fehlen robuste Studiendaten. Wir stellen drei Studien vor, die potenzielle Risikomarker, den Einfluss von Vitamin D sowie die aktuelle Evidenzlage zur Versorgung beleuchten. Außerdem sprechen wir mit drei Experten, wie man die unspezifischen Warnzeichen, die sich häufig zuerst im Mund manifestieren, erkennen kann. Sie schildern, worauf es in Praxis und Diagnostik ankommt – und welche Fallstricke Zahnärztinnen und Zahnärzte umgehen sollten. In unserem besonderen Fall mit CME geht es um die Frage: Zyste oder Ameloblastom? Denn radiologisch kann sich ein Ameloblastom zunächst als unauffällige, zystische Läsion darstellen. Der Fall zeigt, wie erst die histo- und molekularpathologische Untersuchung zur Diagnose eines BRAFV600E-positiven Ameloblastoms führte. Und weshalb eine strukturierte, langfristige Nachsorge erforderlich ist. Gehören Sie auch zu denen, die mit guten Vorsätzen ins neue Jahr gestartet sind? Mehr Sport und Bewegung stehen Foto: Lopata/axentis

4 | INHALT 20 Inklusive Zahnmedizin Tipps, wie Sie in die Senioren- oder in die Kinderzahnmedizin einsteigen können, ohne sich zu übernehmen 30 Eine Zahnpasta gegen Parodontitis? Die Idee: Wenn die Parodontitis-Erreger gezielt blockiert werden, bleibt die Mundflora im Gleichgewicht. Mit Einschätzung der DG Paro. MEINUNG 3 Editorial 6 Leitartikel POLITIK 10 Schädliche Getränke werden vielerorts billiger Die WHO drängt auf eine Zuckersteuer 12 USA aktualisieren Ernährungsempfehlungen Esst mehr Fleisch! 20 Interview mit Prof. Dr. Ina Nitschke und PD Dr. Peter Schmidt zur Inklusiven Zahnmedizin „Klein anfangen und lernen, ‚den Koffer zu packen‘“ 26 Bundesinitiative Barrierefreiheit Wie lässt sich die zahnmedizinische Versorgung von Menschen mit Beeinträchtigungen barrierefreier gestalten? 42 Neues Schutzgesetz für Gesundheitsberufe Klares Zeichen gegen Gewalt 62 Kurz erklärt: Apothekenreform Wie viel Arzt soll der Apotheker sein? ZAHNMEDIZIN 16 KI in der Zahnmedizin – Teil 4 Wie KI die Evidenz in der Wissenschaft untergräbt 30 Neuer Wirkstoff zur Bekämpfung von Porphyromonas gingivalis Stoppt diese Zahnpasta Parodontitis? 47 Der besondere Fall mit CME Zyste oder Ameloblastom? Die histopathologische Aufarbeitung entscheidet 54 Neue Approbationsordnung Zahnmedizin So managt Greifswald den integrierten Kurs interdisziplinär 76 Auto-Repositionierung einer „Pencil bone fracture“ Therapie einer Unterkieferfraktur mit patientenspezischem Implantat TITELSTORY 34 Experten-Gespräch zu den oralen Manifestationen einer Stoffwechselerkrankung So tarnt sich die Hypophosphatasie 40 Oral health and adult hypophosphatasia Hypophosphatasie – die Studienlage Inhalt Foto: MagicDavid/peopleimages.com - stock.adobe.com zm116 Nr. 03, 01.02.2026, (98)

INHALT | 5 50 Rückenschule in der Praxis Wer das betriebliche Gesundheitsmanagement ernst nimmt, schickt sein Team auf die Matte. TITELSTORY 34, 40 Hypophosphatasie Die genetisch bedingte Stoffwechselerkrankung führt zu einer gestörten Knochenmineralisation und in der Folge zu frühem Milchzahnverlust. Ein Expertengespräch und ein Überblick über die Studienlage. PRAXIS 14 Interview mit Nathan Münnich über Faktoren der Patientenbindung „Digitale Angebote ersetzen nicht den menschlichen Eindruck vor Ort“ 44 Generationenwechsel in der Praxis Loslassen, damit die Story – neu – weitergeht 50 Rückenschule in der Praxis Bevor der erste Patient kommt, dürfen alle auf die Matte 52 Interview mit der Zahnärztin und Yogalehrerin Johanna Lemcke „Die Arbeit am Behandlungsstuhl erfordert dringend einen körperlichen Ausgleich“ 68 Serie „Agilität in der zahnärztlichen Praxis“ – Teil 3 Wenn der Fokus stimmt, kommen auch die Ergebnisse! 74 Interview mit Fachanwalt Norman Buse zum Umgang mit Patientendrohungen „Verhandeln Sie nicht, dokumentieren Sie alles!“ GESELLSCHAFT 24 Hochladen von Gesundheitsdaten bei ChatGPT Dr. Google war gestern 57 Nils Kuhlmann aus Kassel Ist er der jüngste Zahnarzt Deutschlands? 64 Einsatz bei den „Mini Molars“ in Kambodscha Diese Milchzähne werden gerettet! 80 Als ZFA mit „Zahnärzte ohne Grenzen” auf den Kapverden „Das war ganz sicher nicht mein letzter Einsatz!“ MARKT 84 Neuheiten RUBRIKEN 8 Ein Bild und seine Geschichte 60 Termine 66 Bekanntmachungen 72 News 79 Persönliches 82 Impressum 98 Zu guter Letzt Titelfoto: Institut für Osteologie und Biomechanik, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf zm116 Nr. 03, 01.02.2026, (99)

Dass die menschliche Gesundheit in einem nicht unerheblichen Maß auch mit der Ernährung zusammenhängt, dürfte inzwischen allgemein Konsens sein. Die Mundgesundheit ist durch das, was wir und aber natürlich auch unsere Patientinnen und Patienten tagtäglich zu sich nehmen, besonders betroffen. Die deutschen Zahnärztinnen und Zahnärzte haben es geschafft, durch intensive Prävention die Mundgesundheit der Deutschen an die Weltspitze zu befördern. Hinsichtlich Ernährung sind unseren Bemühungen allerdings Grenzen gesetzt. Hier ist eben auch die Politik gefragt, mit verhaltenspräventiven Maßnahmen zu steuern. Denn – um es klar zu sagen – der Konsum von Zucker, Alkohol und anderen ungesunden Lebensmitteln ist hierzulande deutlich zu hoch. So werden in Deutschland pro Kopf jährlich etwa 35 Kilogramm Zucker verzehrt, das sind 95 Gramm am Tag. Das ist mehr als doppelt so viel wie von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlen. Neben allgemeinmedizinischen Risiken wie Übergewicht und Diabetes ist in der Zahnmedizin vor allem Karies ein Problem der zuckerreichen Ernährung. Selbst Kleinkinder sind schon betroffen. Besonders bedenklich ist, dass viele Kinderprodukte zu stark gesüßt sind – oft mit versteckten Zuckerarten. Als Lösungsansatz schlägt die Bundeszahnärztekammer ein Bündel struktureller Maßnahmen vor, dazu gehören n die Einführung einer verpflichtenden (und verständlichen) Lebensmittelkennzeichnung, n eine deutliche Zuckerreduzierung in Lebensmitteln für (Klein-)Kinder, inklusive einer klaren Kennzeichnung des Zuckers, n die Beschränkung von Werbung für stark zuckerhaltige Lebensmittel n und die Einführung von Herstellerabgaben für stark zucker- und/oder säurehaltige Softdrinks. Während einige Hersteller an überzuckerten Snacks und Getränken besonders gut verdienen, zahlt die Allgemeinheit die Schäden. Eine zweckgebundene Abgabe der Hersteller auf eine überhöhte Zuckermenge könnte zu einer besseren Gesundheit und einer nachhaltigen Entlastung von Gesundheitssystem und Sozialwesen beitragen. Die Erfahrungen anderer Länder zeigen, dass solche Herstellerabgaben die Rezepturen wirksam zuckerärmer machten. Die Einnahmen sollten natürlich in die Prävention fließen. Eine kluge Ernährungs- und Präventionspolitik kann somit beidem begegnen: Sie schützt insbesondere Kinder und Jugendliche und entlastet zugleich das Gesundheitssystem. Nachdem die britische Regierung 2018 eine Abgabe für Softdrinks eingeführt hatte, die die Hersteller entrichten müssen, wenn ihre Getränke steuerpflichtige Grenzwerte überschreiten, sank der Zuckergehalt dramatisch. Einige Softdrinks enthalten heute nur noch etwa die Hälfte des Zuckers im Vergleich zu Deutschland. Eine Studie der TU München belegte im Jahr 2024, dass die Getränkeindustrie in Deutschland dagegen ihren ohnehin wenig ambitionierten Zielen bei der Zuckerreduktion meilenweit hinterherhinkt. Zwischen 2015 und 2021 reduzierte sich der durchschnittliche Zuckergehalt in Erfrischungsgetränken lediglich um zwei Prozent, während in Großbritannien im gleichen Zeitraum durch die Abgabe eine Reduktion um 29 Prozent erfolgt ist. Mitte Januar hat sich auch die WHO für höhere Steuern auf alkohol- und zuckerhaltige Getränke ausgesprochen. Eine niedrige Besteuerung sorge dafür, dass schädliche Produkte billig blieben, teilte die WHO mit. Immer mehr Gesundheitssysteme gerieten aber unter finanziellen Druck durch vermeidbare, durch Zucker und Alkohol verursachte Erkrankungen und Verletzungen. Es hat sich klar gezeigt, dass sich die Lebensmittelindustrie allein mit Appellen nicht dazu bewegen lässt, ihre Produkte zu ändern. Hinzu kommt eine starke Lobby, die inzwischen auchöffentlich mobil macht und vor vermeintlichen Verboten und erhöhten Verbraucherpreisen warnt. Aber es kann nicht sein, dass die Gesundheit der Bevölkerung für den Profit der Lebensmittel- und Agrarindustrie geopfert wird. Deshalb werden wir als Bundeszahnärztekammer auch weiter auf politischer Ebene dafür kämpfen, dass die Lebensmittelindustrie endlich durch entsprechende Maßnahmen zum Umdenken gezwungen wird. Natürlich ist Zuckerreduktion nur ein Baustein hin zu einem besseren Ernährungs- und Konsumverhalten. Aber wir müssen da anfangen, wo wir schnell Wirkung erzielen können. Dr. Romy Ermler Präsidentin der Bundeszahnärztekammer Den Beitrag über die WHO-Reports zu Zucker und Alkohol finden Sie auf Seite10. Die Politik muss die Lebensmittelindustrie zum Umdenken bewegen 6 | LEITARTIKEL Foto: Georg Johannes Lopata – axentis.de

WARUMGBT BEGEISTERT PATIENTEN MÖGEN‘S GERN MODERN

EIN BILD UND SEINE GESCHICHTE Foto: Youtube – Making Viral, Dennis – stock.adobe.com zm116 Nr. 03, 01.02.2026, (102) 8 | GESELLSCHAFT Nach zwei Jahren akribischer Planung hat der Zahnarzt Geza Scholtz aus Zürich sich 2025 einen Traum erfüllt: Als erster Surfer überhaupt hat der Schweizer die Taiwanstraße mit dem Kite überquert. Ein Gewaltakt, denn die Meerenge zwischen der chinesischen Provinz Fujian und der Insel Taiwan ist rund 180 Kilometer breit. Durch seinen Start auf den chinesischen Matsu-Inseln konnte Scholtz die Strecke zwar um 15 Kilometer abkürzen, doch stand das Projekt aufgrund der anhaltenden politischen Spannungen bis zuletzt auf der Kippe. Am 2. Juli um 3 Uhr morgens ging es dann los. Die Bedingungen waren anders als erwartet, jedoch gut, erinnert sich Scholtz im Gespräch mit der Schweizer Zeitung „Blick“. Denn entgegen der Vorhersagen kam der Wind nicht aus Süden, sondern Norden. Die ersten 100 Kilometer verliefen gut, dann nahm der Wind jedoch merklich zu. „Das Wasser türmte sich auf. Die Wellen wurden etwa zweieinhalb Meter hoch“, erzählt der Extremsportler. „Die Größe meiner Segelfläche war nicht auf diese Bedingungen ausgelegt. Hätten wir nur etwa 4 km/h mehr Wind gehabt, hätte ich abbrechen müssen.“ Nach etwas mehr als zehn Stunden war es dann aber geschafft. Was Scholtz als Nächstes plant, verrät er nicht. Er ist jedoch ein Wiederholungstäter: So durchquerte er bereits die Magellanstraße zwischen Feuerland und Chile, die Beringstraße zwischen Sibirien und Alaska und fuhr von Indien nach Sri Lanka. Mit dabei ist oft sein Bruder André – der ebenfalls Zahnarzt ist. mg

Der staatlich anerkannte und akkreditierte erste deutsche Studiengang Orale Implantologie und Parodontologie mit dem Abschluss Master of Science erfüllt die internationalen Bologna-Kriterien. Wissenschaftsbasiert und praxisorientiert vermittelt er profunde Kenntnisse und Fähigkeiten nach dem aktuellen Stand der Wissenschaft. Herzlichen Glückwunsch! Master of Science Orale Implantologie und Parodontologie Die Deutsche Gesellschaft für Implantologie und die Steinbeis-Hochschule gratulieren den Kolleginnen und Kollegen, die den postgradualen Masterstudiengang Orale Implantologie und Parodontologie mit der Abschlussprüfung erfolgreich beendet haben. Dr. Alexander Kilian Abt · 74072 Heilbronn DDS Mohamad Aljabal Alkurdi · 65719 Hofheim Dr. Leopold Bouvier-Azula · A-5161 Elixhausen/Österreich Dr. Gregor Brandstetter · CH-9000 St. Gallen/Schweiz Dr. Ufuk Cevikel · 90403 Nürnberg ZÄ Myriam Dieckhoff · 53175 Bonn Dr. Tilman Frank · 82515 Wolfratshausen ZA Marcel Fröhlich · 06217 Merseburg Dr. Frederic Fuchs · 63768 Hösbach Dr. Ali Gerez · 63486 Bruchköbel ZÄ Sama Geryes · 33649 Bielefeld ZÄ Marina Gorea · CH-9472 Grabs/Schweiz Dr. Olga Haferkamp · 28211 Bremen ZÄ Sabrina Häuser · 82008 Unterhaching Dr. Cai Christian Heimsoth · München ZA Jiotis Hondralis · 10405 Berlin Dr. Rastin Hoveida · 22393 Hamburg ZÄ Ezgi Karahan · 33647 Bielefeld ZA Stefan Kauder · 72649 Wolfschlugen Dr. Rebeen Khorshid · 56130 Bad Ems Dr. Jörg Hubert Kratzenstein · 70182 Stuttgart Dr. Kim-Felix Krumsiek · 37073 Göttingen Dr. Florian Kurtz · 66111 Saarbrücken ZÄ Christine Maas · 85521 Ottobrunn Dr. Thomas Martensen · 88662 Überlingen Dr. Daniela Schroth-Papenhagen · 37077 Göttingen ZÄ Mareike Schwenk · 75233 Tiefenbronn ZA Florian Sigg · 71522 Backnang Dr. Malik Tumaizih · 48163 Münster ZA Ali Tümkaya · 32312 Lübbecke Dr. Ali Wajahat · 55543 Bad Kreuznach ZA Michael Javier Weiß · 81379 München ZÄ Michelle Weishaupt · 86899 Landsberg am Lech Dr. Marc-André Winter · 89077 Ulm Dr. Alexander Zinke · 76530 Baden-Baden Am 29. November 2025 erhielten in Hamburg ihre Urkunde: Steinbeis-Transfer-Institut Management of Dental and Oral Medicine der Steinbeis-Hochschule | Direktor: Prof. Dr. Günter Dhom Bismarckstr. 27 | 67059 Ludwigshafen | Tel.: +49 621 681244-57 info@dgi-master.de | www.dgi-master.de

zm116 Nr. 03, 01.02.2026, (104) 10 | POLITIK SCHÄDLICHE GETRÄNKE WERDEN VIELERORTS BILLIGER Die WHO drängt auf eine Zuckersteuer Zwei neue länderübergreifende Reports der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zeigen, dass überall auf der Welt Regierungen nicht konsequent gegen die gesundheitsschädlichen Folgen zuckerhaltiger und alkoholischer Getränke vorgehen – mit entsprechend hohen Kosten für die Gesundheitssysteme. Insbesondere würden die steuerlichen Möglichkeiten nicht ausgeschöpft, kritisiert die WHO. Infolgedessen sei es seit 2022 in den meisten Ländern nicht teurer geworden, zuckerhaltige Getränke zu kaufen – im Gegenteil. Laut dem „Globalen Bericht über die Verwendung von Steuern auf zuckerhaltige Getränke, 2025“ der WHO ist es in 62 Staaten sogar billiger. Die Auswertung ergab, dass im Juli 2024 weltweit mindestens 116 Länder auf mindestens eine Art von zuckerhaltigen Getränken nationale Verbrauchsteuern erhoben hatten. „Die WHORegion Afrika wies mit 89,4 Prozent die höchste Abdeckung auf, gefolgt von der Region Östliches Mittelmeer (76,5 Prozent), der Region Südostasien (75 Prozent), der Region Amerika (66,7 Prozent), der Region Westpazifik (50 Prozent) und der Region Europa (42 Prozent)“, heißt es in dem Bericht. In Europa gibt es demnach in 21 der 50 in dieser WHO-Region zusammengefassten Staaten eine entsprechende Verbrauchssteuer, unter anderem in Frankreich, den Niederlanden, Großbritannien, Portugal und Irland. Deutschland gehört nicht dazu. Auch das geht aus dem WHO-Bericht hervor: Während viele Limonaden besteuert werden, sind andere zuckerreiche Produkte wie 100-prozentige Fruchtsäfte, gesüßte Milchgetränke und trinkfertige Kaffee- und Teegetränke von der Besteuerung ausgenommen. Energy-Drinks unterliegen in 97 Prozent der Länder einer Besteuerung, dieser Wert hat sich laut WHO seit dem vorigen globalen Bericht im Jahr 2023 nicht verändert. Ein weiteres Manko: In allen Regionen sind die Steuern auf zuckerhaltige Getränke aus Sicht der WHO schlecht gemacht. „Der Medianwert der Steuer macht nur etwa zwei Prozent des Preises eines gängigen zuckerhaltigen Erfrischungsgetränks aus“, steht in dem Bericht. Während Unternehmen in diesem Marktsegment weltweit Milliardengewinne erwirtschaften, erzielen die Regierungen durch Besteuerung nur einen relativ geringen Anteil daran. Die langfristigen gesundheitlichen und wirtschaftlichen Kosten müsste die Bevölkerung daher weitgehend allein tragen, gibt die WHO zu bedenken: „Schwache Steuersysteme führen dazu, dass schädliche Produkte billig bleiben, während die Gesundheitssysteme einem zunehmenden finanziellen Druck durch vermeidbare nichtübertragbare Krankheiten und Verletzungen ausgesetzt sind.“ So sieht es beim Alkohol aus In ihrem „Global report on the use of alcohol taxes, 2025“ stellt die WHO folgende Punkte fest: n Mindestens 167 Länder erheben Steuern auf alkoholische Getränke, während zwölf Länder Alkohol vollständig verbieten. n Die Steueranteile an Alkohol bleiben niedrig, mit einem globalen Median der Verbrauchsteueranteile von 14 Prozent für Bier und 22,5 Prozent für Spirituosen. Wein bleibt in mindestens 25 Ländern, vor allem in Europa, trotz eindeutiger Gesundheitsrisiken unversteuert. Sowohl bei zucker- als auch bei alkoholhaltigen Getränken ist der WHO zufolge zu bemängeln, dass nur wenige Länder die Steuern an die Inflation anpassen. Gesundheitsschädliche Produkte würden dadurch mit der Zeit immer erschwinglicher. sth Zuckerhaltige und alkoholische Getränke werden aufgrund der anhaltend niedrigen Steuersätze in den meisten Ländern immer billiger, rügt die WHO in zwei kürzlich veröffentlichten Gesundheitsberichten. Foto: hectorchristiaen – stock.adobe.com „Gesundheitssteuern gehören zu den wirksamsten Instrumenten, die uns zur Gesundheitsförderung und Krankheitsprävention zur Verfügung stehen.“ Dr. Tedros Adhanom Ghebreyesus, Generaldirektor der WHO

Nahtlos in den digitalen Workflow integrierbar. Mehr erfahren: permadental.de/implantat-versorgungen PREISVORTEILE BEI IMPLANTATVERSORGUNGEN *gegenüber anderen Dental-Laboren, basierend auf BEB/BEL Höchstpreisliste NRW %* 70undmehr • 100 % kompatibel mit allen gängigen Implantat-, Scannersystemen und Plattformen. • Digitale Planungstools: Smile-Design, iDesign, Bohrschablonen, Positionierungshilfen. • Im digitalen Workflow möglich – vom Intraoralscan bis zur finalen Suprakonstruktion. • Patientenindividuelle Suprakonstruktionen; präzise gefertigt für jede Indikation und Größe. • Optional: Forma®Abutments. 15 Jahre Garantie, gerade oder anguliert, goldfarben anodisiert. IMPLANTATVERSORGUNGEN IM DIGITALEN WORKFLOW

12 | POLITIK USA AKTUALISIEREN ERNÄHRUNGSEMPFEHLUNGEN Esst mehr Fleisch! Für die USA gelten ab sofort aktualisierte Ernährungsrichtlinien. Sie setzen auf mehr Fleisch und vollfette Milchprodukte. Das Echo aus Fachkreisen ist gemischt. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung bezeichnet die neuen Empfehlungen als widersprüchlich. Die „Dietary Guidelines for Americans, 2025–2030“, die von US-Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. und Landwirtschaftsministerin Brooke Rollins vorgestellt wurden, lösen die zuletzt in den USA geltende Empfehlung ab, den Teller zu etwa gleichen Teilen mit Getreide, Gemüse, Eiweiß und Obst sowie einer kleinen Portion Milchprodukte zu füllen. Stattdessen fordern die neuen Richtlinien die Bevölkerung dazu auf, mehr Eiweiß und vollfette Milchprodukte zu sich zu nehmen. Als Eiweißquelle wird Fleisch priorisiert, pflanzliche Proteinlieferanten wie Hülsenfrüchte werden erst später genannt. Obst und Gemüse stehen in der überarbeiteten Ernährungspyramide (Abbildung rechts) zwar weiterhin weit oben, nun allerdings an zweiter Stelle. Stark verarbeitete Lebensmittel, zuckerhaltige Getränke und Produkte mit zugesetztem Zucker sollten generell nur sehr reduziert verzehrt werden, heißt es in den Guidelines. Der Fokus solle auf „real food“ (echtem Essen) liegen. Kennedy lobte die neuen Richtlinien bei einer Pressekonferenz im Weißen Haus als einen Schritt, der „die Esskultur unseres Landes revolutionieren und Amerika gesund machen wird“. Wort und Bild stimmen nicht überein Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) sieht die Empfehlungen der US-Regierung kritisch. Sie bemängelt Inkonsistenzen zwischen den formulierten Empfehlungen und der grafischen Darstellung der überarbeiteten US-Ernährungspyramide: „Die neuen Botschaften empfehlen den täglichen Verzehr von zwei bis vier Portionen Vollkornprodukten. Die Platzierung dieser Lebensmittelgruppe in einem vergleichsweise kleinen Segment in der Pyramide suggeriert jedoch eine geringere Bedeutung.“ Ein ähnlicher Widerspruch findet sich aus Sicht der DGE bei den Proteinquellen. Zwar wird im Text empfohlen, die Vielfalt pflanzlicher und tierischer Proteinlieferanten zu nutzen, darunter Hülsenfrüchte, Nüsse, Samen und Sojaprodukte ebenso wie Eier, Geflügel, Fisch und rotes Fleisch, in der grafischen Darstellung dominiert jedoch Fleisch innerhalb der Sammelgruppe „Protein, Milchprodukte und gesunde Fette“. Für die DGE ist dieser Widerspruch problematisch, da visuelle Darstellungen für die Orientierung zentral sind. Zu viele tierische Proteine Ein wesentlicher Unterschied zu den eigenen Ernährungsempfehlungen sieht die DGE zudem in der Bewertung der Proteinzufuhr. Die neuen US-Empfehlungen setzten hier mit 1,2 bis 1,6 Gramm Protein pro Kilogramm Körpergewicht und Tag einen neuen Schwerpunkt. „Dieser Wert liegt deutAlle fünf Jahre veröffentlicht die US-Regierung neue Ernährungsempfehlungen. Das jüngste Update legt den Amerikanerinnen und Amerikanern nahe, mehr Fleisch und vollfette Milchprodukte zu essen. Foto: pilipphoto – stock.adobe.com zm116 Nr. 03, 01.02.2026, (106)

POLITIK | 13 lich über dem Referenzwert der DGE und der Österreichischen Gesellschaft für Ernährung (ÖGE) von 0,8 Gramm Protein pro Kilogramm Körpergewicht und Tag, der für gesunde Erwachsene unter 65 Jahren in Deutschland als bedarfsdeckend gilt“, gibt die Fachgesellschaft zu bedenken. Die DGE fügt zudem an, dass wissenschaftliche Studien bisher keine belastbaren Hinweise auf einen zusätzlichen gesundheitlichen Nutzen einer dauerhaft höheren Proteinzufuhr liefern. In der Praxis stelle sich zudem die Frage nach möglichen indirekten Effekten. So geht der erhöhte Konsum tierischer Proteinquellen beispielsweise mit einem höheren Anteil gesättigter Fettsäuren einher. Außerdem bemängelt die DGE, dass das Kriterium der Nachhaltigkeit nicht systematisch in die neuen US-Leitlinien eingeflossen ist. Eine Berücksichtigung ökologischer Faktoren, wie sie in den DGE-Empfehlungen erfolgt, sei nicht erkennbar. Parallelen zu den eigenen Empfehlungen sieht die Fachgesellschaft hingegen beim hohen Stellenwert von Obst, Gemüse und Vollkornprodukten, der Bevorzugung ungesüßter Getränke wie Wasser sowie der Empfehlung, den Konsum von zugesetztem Zucker und alkoholischen Getränken zu begrenzen. Wer hat die Richtlinien geschrieben? Die Expertinnen und Experten, die das wissenschaftliche Gutachten erarbeitet haben, das den „Dietary Guidelines“ üblicherweise zugrunde liegt, äußern sich ebenfalls kritisch zu den neuen Empfehlungen. Deirdre Tobias, Assistenzprofessorin am Institut für Ernährung an der Harvard T.H. Chan School of Public Health, war Mitglied des wissenschaftlichen Beirats. In einem Interview auf der Website ihres Instituts sagt sie: „Im Idealfall spiegeln die Ernährungsempfehlungen die strengen und neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse wider, die der Beirat im Vorfeld der Veröffentlichung zwei Jahre lang geprüft und zusammengefasst hat.“ Bei den aktuellen Richtlinien fehlten jedoch Informationen darüber, wer sie verfasst hat. Tobias: „Es gibt keine Transparenz hinsichtlich der angewandten Methodik und Stringenz oder der Gründe, warum bestimmte Themen zur erneuten Diskussion ausgewählt wurden.“ Die DGE spricht sich für eine klare Trennung zwischen wissenschaftlicher Evidenzgenerierung und politischer oder administrativer Entscheidungsfindung aus: „Wissenschaftliche Erkenntnisse müssen unabhängig, methodisch hochwertig und frei von politischen oder wirtschaftlichen Interessen erarbeitet und bewertet werden“, heißt es in der DGE-Stellungnahme. Für diese Unabhängigkeit stünden wissenschaftliche Fachgesellschaften, Hochschulen und außeruniversitäre Forschungsinstitute. Sie sei eine zentrale Voraussetzung für Vertrauen in Ernährungsempfehlungen und damit ein hohes gesellschaftliches Gut, das es zu schützen gilt. sth, nb zm116 Nr. 03, 01.02.2026, (107) In der Darstellung der neuen Ernährungspyramide in den USA stehen Vollkornprodukte ganz unten. Foto: USDA „Bis heute gibt es keine Transparenz darüber, wer die neuen Dietary Guidelines for Americans verfasst hat.“ Deirdre Tobias, Assistenzprofessorin am Institut für Ernährung an der Universität Harvard und Mitglied im wissenschaftlichen Beirat für die Dietary Guidelines

14 | PRAXIS INTERVIEW MIT NATHAN MÜNNICH ÜBER FAKTOREN DER PATIENTENBINDUNG „Digitale Angebote ersetzen nicht den menschlichen Eindruck vor Ort“ „Wenn die Mitarbeiter schlecht gelaunt sind, sich über alles beschweren und die Patienten ewig lange im Wartezimmer sitzen müssen, helfen die beste Website und die modernste Technologie nichts“, sagt Nathan Münnich von der Praxismarketing-Agentur Discover Dental. Die Servicequalität, das Zeitmanagement und eine klare Kommunikation sind entscheidend, um Patientinnen und Patienten für sich zu gewinnen. Herr Münnich, Ihrem Praxisreport 2025 zufolge spielen eine moderne Ausstattung, die Online-Terminbuchung und gute Online-Bewertungen für Patientinnen und Patienten eine untergeordnete Rolle. Wieso ist das so? Immerhin behaupten große IT-Unternehmen, der Branchenverband Bitkom und die meisten Praxisberater das Gegenteil. Nathan Münnich: Ich würde die Ergebnisse nicht so verstehen, dass digitale Angebote oder eine moderne Ausstattung unwichtig sind. Unsere Daten zeigen vor allem eine klare Reihenfolge der Prioritäten, wenn Patientinnen und Patienten alles gleichzeitig bewerten sollen. Viele Studien von IT-Unternehmen betrachten digitale Lösungen isoliert. Gefragt wird zum Beispiel nur, wie attraktiv die Online-Terminbuchung oder Apps wahrgenommen werden. In unserer Befragung mussten sich die Menschen aber zwischen konkreten Praxisfaktoren entscheiden. Digitale Angebote sind heute dringend empfohlen, sie werden gerade von jüngeren Patientengruppen erwartet, aber sie ersetzen nicht den menschlichen Eindruck vor Ort. Unser Fazit lautet deshalb: Die Servicequalität und die Prozesse sind die primären Hebel, digitale Abläufe verstärken vor allem dann, wenn die Basis stimmt. Wir raten unseren Kundinnen und Kunden ausdrücklich zu einer Online-Terminbuchung, aktivem Bewertungsmanagement und einer modernen Ausstattung. In der Praxis sehen wir aber: Wenn das Team als unfreundlich erlebt wird oder die Wartezeiten aus dem Ruder laufen, können selbst die beste Website und die modernste Technik diesen Eindruck nicht mehr korrigieren. Was lässt sich daraus ableiten? Das ist aus meiner Sicht nicht überraschend, aber eben ein klares Signal an alle Praxisinhaberinnen und -inhaber. Wenn mehr als die Hälfte der Befragten ein freundliches Team als besonders wichtig einordnet und das Kriterium damit alle anderen Merkmale übertrifft, zeigt das: Patientenbindung ist vor allem eine Beziehungsaufgabe. Interessant ist auch die andere Seite der Medaille. Bei den Gründen für Unzufriedenheit taucht unfreundliches oder unsensibles Personal ebenfalls weit vorn auf, zusammen mit langen Wartezeiten und fehlender Transparenz zu Behandlung und Kosten gehört das zu den häufigsten Frustfaktoren. Hier sehen wir sehr deutlich, dass nicht primär die Medizin kritisiert wird, sondern der Umgang. Wenn Patientinnen und Patienten bereit sind, für zahnärztliche Leistungen relevante Eigenanteile zu tragen, dann tun sie das vor allem dort, wo sie sich ernst genommen und gut aufgehoben fühlen. Insofern ist Freundlichkeit im Team kein weiches Thema, sondern eine harte, wirtschaftliche Kennzahl. Das Gespräch führte Marius Gießmann. zm116 Nr. 03, 01.02.2026, (108) Nathan Münnich ist Gründer und Geschäftsführer der Praxismarketing-Agentur Discover Dental. Foto: Discover Dental Welche Merkmale sind Ihnen bei einer Zahnarztpraxis besonders wichtig? Quelle: Discover Dental Mehrfachauswahl, n=2.001 aus Deutschland, repräsentativ für die Allgemeinbevölkerung Freundliches Personal Kurze Wartezeiten Nähe zum Wohnort Zeitnahe Terminvergabe Transparente Kommunikation der Kosten Spezialisierung auf Angstpatienten Moderne Ausstattung Online-Terminbuchung Gute Online-Bewertungen WLAN im Wartezimmer Sonstige 54% 44% 39% 37% 24% 22% 18% 15% 8% 5% 1%

PRAXIS | 15 zm116 Nr. 03, 01.02.2026, (109) REPRÄSENTATIVE PATIENTENUMFRAGE: PRAXISREPORT 2025 Was zählt, sind Ton, Nähe und Tempo Nach welchen Kriterien wählen Patientinnen und Patienten ihre Zahnarztpraxis aus – und was trägt dazu bei, dass sie dort bleiben? Das wollte die Agentur Discover Dental wissen und gab eine repräsentative Befragung in Auftrag. Auf die Frage „Welche Dienstleistungen und Merkmale in einer Zahnarztpraxis sind Ihnen besonders wichtig?“ antworteten 54 Prozent „Freundliches Personal“. „Kurze Wartezeiten“ nannten 44 Prozent der Befragten, 39 Prozent gaben die „Nähe zum Wohnort“ an und 37 Prozent eine „zeitnahe Terminvergabe“. Ganz unten standen: „Online-Terminbuchung“ (15 Prozent), „Gute OnlineBewertungen“ (8 Prozent) und „WLAN im Wartezimmer“ (5 Prozent). „Wer die persönliche Begrüßung, das Wartezeiten-Management und die digitale Terminlogistik im Griff hat, wird in der Umgebung zur Stammpraxis“, bilanziert Discover Dental. „Im Umgang mit den Patienten zählt der Ton mehr als jedes Kunstwerk an der Wand. Unsensibles Personal ärgert Patienten. Smalltalk während der Behandlung irritiert rund jeden zehnten – oft, weil er floskelhaft wirkt oder Antworten mit geöffnetem Mund kaum möglich sind.“ Freundlichkeit ist wichtiger als jedes Bild an der Wand Bei akuten Problemen wünschen sich drei Viertel der Patienten einen Termin noch am selben oder am nächsten Tag. Bei Kontrollterminen sind sie gelassener: Im Schnitt gibt es eine Wartebereitschaft von 28 Tagen. Ihren aktuellen Zahnarzt haben laut Umfrage mehr als die Hälfte der Deutschen (54 Prozent) auf persönliche Empfehlung eines Freundes ausgewählt. 13 Prozent haben ihn über Google / Google Maps gefunden. Arztbewertungsportale, Krankenkassen oder Social Media spielen eine nur untergeordnete Rolle (jeweils vier beziehungsweise drei Prozent). Generell wollen Patienten vor allem verlässlich erreicht und klar informiert werden. Am beliebtesten bleibt das klassische Telefonat (38 Prozent). Für 30 Prozent reicht eine E-Mail. Beide liegen deutlich vor Messengern wie WhatsApp & Co., die etwa 15 Prozent bevorzugen. Auch die Angst vor einer Behandlung lässt sich nehmen: mehr Zeit, klare Schritte sowie ein sichtbares Verständnis werden ausdrücklich geschätzt. Über 70 Prozent bevorzugen eine spezialisierte Praxis, für rund 40 Prozent ist das sehr wichtig. Wer sein Verständnis bereits online sichtbar macht, etwa mit einer gezielten Ansprache auf der Praxis-Webseite oder entsprechenden Hinweisen auf Ärzteportalen, senke No-Show-Raten schon vor dem ersten Termin. Insgesamt waren 58 Prozent schon mindestens einmal unzufrieden mit einem Zahnarztbesuch, fast ein Drittel (30 Prozent) sogar mehrmals. Die fünf am häufigsten genannten Gründe sind: n unfreundliches oder unsensibles Personal (38,7 Prozent) n Schmerzen / insuffiziente Anästhesie (35,1 Prozent) n lange Wartezeit (28 Prozent) n Mangel an Aufklärung über Behandlungsmethode und -alternativen (27,9 Prozent) n unerwartete oder unklare Kosten (23,3 Prozent) 44 Prozent haben mindestens einmal eine zahnmedizinische Zweitmeinung eingeholt. Das muss laut Discover Dental aber nicht schlecht sein: „Eine Zweitmeinung ist kein Misstrauensvotum, sondern ein Teil informierter Entscheidungen. Wer ,Zweitmeinung willkommen' aktiv kommuniziert und Befunde verständlich erklärt, wirkt souverän und reduziert spätere Zweifel.“ Eine Zweitmeinung ist kein Misstrauensvotum Positiv bewerten die Befragten auch, wenn eine Zahnarztpraxis nachweislich umweltfreundlich arbeitet. Wenn zum Beispiel Einwegplastik vermieden, Ökostrom genutzt und papierlos dokumentiert wird, ist das für 50 Prozent ein Argument, sich für diese Praxis zu entscheiden. Drei Prozent bewerten derartige Bemühungen negativ, für 47 Prozent hat die Umweltfreundlichkeit keinen Einfluss auf die Entscheidung. mg Das Befragungsinstitut Censuswide hatte vom 11. bis zum 15. September 2025 im Auftrag von Discover Dental 2.001 Personen ab 16 Jahren befragt. Die Stichprobe ist repräsentativ für die Allgemeinbevölkerung. Alle Prozentangaben sind gerundet. Bei einzelnen Fragen waren Mehrfachantworten möglich. Foto: ribalka yuli - stock.adobe.com

Foto: utaem2022 – stock.adobe.com KI FÜR DIE ZAHNMEDIZIN TEIL 4 16 | ZAHNMEDIZIN KI IN DER ZAHNMEDIZIN – TEIL 4 Wie KI die Evidenz in der Wissenschaft untergräbt Die evidenzbasierte Zahnmedizin stützt sich unter anderem auf die Erhebung wissenschaftlicher Daten und deren strukturierte Bewertung. Leitlinien übersetzen diese Evidenz in verlässliche Handlungsempfehlungen und bilden damit ein zentrales Fundament klinischer Entscheidungen. Dieses System wird durch generative KI zunehmend gefährdet: Daten werden (teils) durch KI verzerrt oder komplett generiert, über verschiedene (teils dubiose) Wege trotz allem publiziert und schlussendlich in den wissenschaftlichen Translationsprozess aufgenommen. Eine klare Trennung zwischen korrekten und falschen Inhalten wird zunehmend erschwert; am Ende droht das Risiko der Strangulation des Wissenschaftssystems durch das Motto „Effizienzsteigerung für mehr Forschung, die aber weniger vertrauenswürdig ist“. Mit der zunehmenden Verbreitung generativer KI verändert sich das wissenschaftliche Umfeld grundlegend. Große Sprachmodelle können Texte analysieren, Inhalte verdichten, Literatur auswerten oder Patienteninformationen formulieren. Doch sie tun dies nicht auf der Grundlage eines wissenschaftlichen Verständnisses, sondern rein probabilistisch. Sie erzeugen sprachlich überzeugende Antworten, ohne die Gültigkeit, die Herkunft oder die Qualität der zugrunde liegenden Informationen zu verstehen. Damit wachsen neben den Möglichkeiten vor allem die Risiken, und diese betreffen zunehmend die Integrität wissenschaftlicher Evidenz. Neben den Möglichkeiten wachsen vor allem die Risiken Eine der am häufigsten beschriebenen Schwachstellen generativer KI ist das Erzeugen frei erfundener Inhalte. KIModelle neigen beispielsweise dazu, Literaturangaben teils zu halluzinieren: Sie konstruieren DOI-Nummern, die formal korrekt erscheinen, nennen existierende Autorinnen und Autoren in fiktiven Kontexten oder führen wissenschaftliche Fachjournale an, die nie existiert haben. Solche Quellen wirken plausibel, sind aber inhaltlich wertlos. Werden sie in Literaturrecherchen oder wissenschaftlichen Arbeiten verwendet, verzerren sie die Basis jeder evidenzgestützten Analyse. Besonders problematisch sind Halluzinationen, wenn KI nicht nur als Textgenerator, sondern zunehmend als Recherche-Werkzeugeingesetztwird.Eine Untersuchung des Tow Center for Digital Journalism [Jaźwińska und Chandrasekar et al., 2025] hat acht große KI-basierte Suchsysteme, darunter ChatGPT Search, Perplexity, Gemini, Copilot und Grok, auf deren Fähigkeit geprüft, journalistische Originalquellen korrekt wiederzugeben. Das Ergebzm116 Nr. 03, 01.02.2026, (110) ZM-SERIE „KI FÜR DIE ZAHNMEDIZIN“ Mitglieder des Arbeitskreises „Artificial Intelligence in Dental Medicine“ (AIDM) beleuchten die Chancen und Limitationen von KI in der zahnärztlichen Praxis. n Teil 1: „Automatisierungs-Bias – Wie KI unseren klinischen Blick verzerren kann“ (zm 17/2025) n Teil 2: „Mundschleimhautveränderungen – Mundschleimhautdiagnostik mit künstlicher Intelligenz“ (zm 20/2025) n Teil 3: „Sprachdokumentationswerkzeuge – KI-basierte Sprachdokumentation“ (zm 22/2025) Fabian Langenbach, Michael M. Bornstein, Falk Schwendicke Seit dem Aufkommen künstlicher Intelligenz vergeht kein Tag, an dem nicht über die großartigen Möglichkeiten der KI für Wissenschaft und Forschung gesprochen wird. Doch wo Licht fällt, ist auch Schatten. Und die düstere Perspektive erscheint vom Ausmaß her ähnlich dramatisch wie die der optimistisch beschriebenen Chancen. Es droht ein „Deskilling“, ein Wissensverlust in der medizinischen Wissenschaft und die massenhafte unerkannte Verbreitung von falschen Daten und Schlussfolgerungen.

ZAHNMEDIZIN | 17 nis war erschreckend: Über 60 Prozent der Antworten enthielten falsche oder unvollständige Angaben. Manche Systeme erfanden URLs, andere verschmolzen die Inhalte verschiedener Artikel miteinander. Auffällig war zudem, dass die Modelle ihre Aussagen mit großer Sicherheit präsentierten, selbst wenn sie vollständig falsch lagen. Wer glaubt, durch die bezahlten „Premium Bots“ mehr Sicherheit zu haben, irrt: Premium-Versionen der Tools lieferten teils noch höhere Fehlerraten, bei gleichzeitig noch höherer Selbstsicherheit. Für die zahnmedizinische Forschung bedeutet dies: Wer die Literaturrecherche an ungeeignete KI-Tools auslagert, riskiert, dass fehlerhafte oder erfundene Quellen den Weg in wissenschaftliche Argumentationen finden. Zwar können diese Tools zahlreiche Aufgaben effizient bewältigen – das menschliche Arbeitspensum aber verlagert sich dann: Zeitintensiv ist nicht mehr die Extraktion von Daten, sondern die Kontrolle des Rechercheund Extraktionsprozesses. Ein Problem ist der organisierte Wissenschaftsbetrug Parallel zu diesen technischen Risiken entwickelt sich ein weiteres, strukturell noch gefährlicheres Problem: der organisierte Wissenschaftsbetrug. KISysteme können innerhalb kürzester Zeit komplette Forschungsarbeiten inklusive Datensätzen, Tabellen und statistischen Auswertungen erzeugen. Ein Beispiel aus der ophthalmologischen Forschung zeigte, wie GPT-4 in wenigen Minuten einen klinischen Datensatz konstruierte, der einem durch echte Studien erzeugten Datensatz täuschend ähnlich sah und gleichzeitig eine Therapie als überlegen darstellte, obwohl die realen Daten das Gegenteil belegten [Taloni et al., 2023]. Betrugsnetzwerke können solche Fähigkeiten nutzen, um in kurzer Zeit gefälschte, aber überzeugend anmutende wissenschaftliche Studien zu platzieren. Dadurch wird eine neue Ebene wissenschaftlicher Täuschung möglich, die herkömmliche Prüfprozesse kaum noch erkennen können. Aktuelle Untersuchungen zeigen, dass weltweit seit etwa 2010 Netzwerke aus „Paper Mills“ entstehen, die gefälschte Studien industriell produzieren. Das geschieht professionell, massenhaft und ist zuletzt durch die Verwendung von KI häufig kaum von echten Forschungspublikationen zu unterscheiden. Diese Arbeiten gelangen über gekaufte Peer Reviews, manipulierte Editorialsysteme und dubiose Journale („predatory journals“) in wissenschaftliche Datenbanken. Die Zahl derartiger Veröffentlichungen wächst rasant und übersteigt in manchen Bereichen bereits das Wachstum authentischer Forschung. So stammten 2022 bereits mehr als drei Prozent der Artikel im Bereich Medizin und Biologie aus Paper Mills – diese Disziplinen bilden damit den traurigen Spitzenreiter in der Wissenschaft (gefolgt von Chemie und Materialwissenschaften mit 2,5 Prozent) [Van Noorden, 2023]. Welchen Einfluss Fake-Studien haben, zeigt sich an folgendem (bekanntem) Beispiel: Der ehemalige britische Arzt Andrew Wakefield hatte 1998 einen Artikel in der Fachzeitschrift „The Lancet“ publiziert, in dem er fälschlicherweise behauptete, die MasernMumps-Röteln-Impfung (MMR) hänge mit Autismus zusammen [Eggertson, 2010]. Obwohl die Studie zurückgezogen wurde, weil der Autor die Dazm116 Nr. 03, 01.02.2026, (111) Quelle: Jaźwińska und Chandrasekar et al., 2025 Chatbot-Antworten auf Artikelanfrage Komplett richtig Teilweise unkorrekt Keine Antwort Richtig, aber unvollständig Komplett unkorrekt 0 50 100 150 200 250 ChatGPT search Perplexity Grok-3 search Abb. 1: Das Tow Center for Digital Journalism hat generative Suchwerkzeuge damit beauftragt, den Originalartikel, die Quelle und die URL für 200 Auszüge aus Nachrichtenartikeln von 20 Verlagen zu identifizieren. Die Grafik zeigt Auszüge der Ergebnisse [Jaźwińska und Chandrasekar et al., 2025]. Quelle: Richardson et al., 2025 Jährliche weltweite wissenschaftliche Aktivität 10¹ 10² 10³ 104 105 106 107 2000 2010 Year of publication All scientific articles Paper mill products PubPeer-commented Retracted Number of articles 2030 2020 Abbildung 2: gemessen anhand der in der nichtkommerziellen bibliografischen Datenbank OpenAlex als ‚Zeitschriftenartikel‘ oder ‚Konferenzbeitragsartikel‘ gekennzeichneten Einträge, der von der Initiative „Retraction Watch“ gemeldeten zurückgezogenen Artikel, der auf PubPeer kommentierten Artikel sowie der als mutmaßliche Paper-MillProdukte eingestuften Arbeiten [Richardson et al., 2025]

18 | ZAHNMEDIZIN zm116 Nr. 03, 01.02.2026, (112) ten gefälscht hatte, ist sie Basis weiterer Untersuchungengeworden–diefalsche Schlussfolgerung hat sich mittlerweile bis in die US-Regierung verbreitet. Viele andere Fälschungen werden leider nicht aufgedeckt. Falsche Daten von heute sind Trainingsdaten von morgen Noch gravierender wird diese Entwicklung durch einen systemischen Kreislauf: Sobald gefälschte oder fehlerhafte Inhalte in wissenschaftliche Datenbanken oder Preprint-Server gelangen, werden sie zu einem Teil der digitalen Wissenslandschaft. KI-Suchsysteme greifen diese Inhalte auf, verarbeiten sie und verbreiten sie weiter. Modelle der nächsten Generation verwenden sie später als Trainingsdaten, ohne zu unterscheiden, ob die Informationen korrekt sind oder nicht. Dadurch entsteht ein selbstverstärkender Mechanismus, in dem falsche Evidenz nicht nur reproduziert, sondern zunehmend verfestigt wird. So können falsche Therapiekonzepte in die breite Öffentlichkeit gelangen und funktionierende Methoden ersetzen. Es besteht somit die durch KI aktiv beförderte Gefahr des „Deskilling“, ein medizinischer Wissensverlust für die nächsten Generationen. Auch die Zahnmedizin sieht sich mit einer Gefahr konfrontiert, die weit über vereinzelte Fehler hinausgeht. Gerade in Fachgebieten, in denen Studien häufig mit kleinen Fallzahlen arbeiten oder Evidenzlücken bestehen, können wenige gut platzierte Fälschungen ausreichen, um Trends zu verfälschen, therapeutische Entscheidungen zu beeinflussen oder Leitlinienprozesse systematisch zu stören. Nötig ist mehr methodische Wachsamkeit Die Integration generativer KI in wissenschaftliche Arbeitsabläufe eröffnet neue Möglichkeiten, verlangt aber eben auch eine neue Form methodischer Wachsamkeit. KI kann unterstützen, aber sie kann ebenso Evidenz verzerren, verfälschen und untergraben. Entscheidend wird sein, dass die Zahnmedizin die Risiken erkennt und verantwortungsvoll reguliert. Wissenschaftlich geschulte Fachleute, transparente Datenquellen, robuste Qualitätskontrollen und klar definierte Grenzen für den Einsatz generativer Systeme sind notwendig, um die Integrität der wissenschaftlichen Basis zu schützen. Denn eines ist sicher: Eine KI, die mit falschen Informationen gefüttert wird, erzeugt nicht nur weitere Fehler, sie vervielfältigt und streut diese global. Nur durch konsequentes kritisches Prüfen und eine enge Verbindung zwischen menschlicher Expertise und technischer Innovation wird es gelingen, die Evidenz in der Zahnmedizin vor einer schleichenden Erosion zu bewahren. n ZM-LESERSERVICE Die Literaturliste kann auf www.zm-online.de abgerufen oder in der Redaktion angefordert werden. Univ.-Prof. Dr. Falk Schwendicke, MDPH Direktor der Poliklinik für Zahnerhaltung, Parodontologie und digitale Zahnmedizin, LMU Klinikum Goethestr. 70, 80336 München Foto: Peitz/Charité Dr. Fabian Langenbach Chief Strategy Officer Deutsche Gesellschaft für Implantologie im Zahn-, Mund- und Kieferbereich e.V. Karlstr. 60, 80333 München Foto: DGI e.V. Prof. Dr. med. dent. Michael M. Bornstein Klinik für Oral Health & Medicine Universitäres Zentrum für Zahnmedizin Basel (UZB), Universität Basel Mattenstr. 40, CH-4058 Basel Foto: UZB Quelle: Fabian Langenbach Selbstverstärkende KI-Halluzinationen Genauigkeit, Compliance und Vertrauen inGefahr Halluzinationen alsOutput - Ungenaue Daten - Falsche Inhalte Verarbeitung durch das Modell - Systematisch verzerrt - Zu simpel trainiert Fehlerhafte Eingabedaten - Ungenau - Unvollständig - Verzerrt Abb. 3: Wenn fehlerhafte Eingabedaten von heute durch Modelle mit unzureichenden oder verzerrten Trainingsdaten der Vergangenheit verarbeitet werden, verstärken sich Halluzinationen in Form von ungenauen oder falschen Daten. Wenn diese ungeprüft in wissenschaftliche Datenbanken gelangen, werden sie Teil der Wissenslandschaft und damit zukünftiger Trainingsdaten von weiteren Modellen. Ein selbstverstärkender Zyklus entsteht.

20 | POLITIK INTERVIEW MIT PROF. DR. INA NITSCHKE UND PD DR. PETER SCHMIDT ZUR INKLUSIVEN ZAHNMEDIZIN „Klein anfangen und lernen, ‚den Koffer zu packen‘“ Welche Probleme gibt es aktuell in der Inklusiven Zahnmedizin und wie kann man diese – politisch – lösen? Prof. Dr. Ina Nitschke und PD Dr. Peter Schmidt unterhalten sich über ihre Erfahrungen und geben Praxen Tipps, wie sie in die Senioren- und in die Kinderzahnmedizin einsteigen können, ohne sich zu übernehmen. Wie können pflegende Angehörige von den Zahnarztpraxen unterstützt werden? Prof. Dr. Ina Nitschke: Der Zahnarzt sollte frühzeitig darauf hinweisen, dass die Abstände für die normale Prophylaxe im Alter geringer werden. Die Ansprache sollte zu einem Zeitpunkt erfolgen, an dem die Patienten noch nicht gebrechlich sind, am besten zwischen 60 und 70 Jahren. Wenn sie dann häufiger in die Zahnarztpraxis kommen müssen, haben sie von dieser Veränderung schon einmal gehört und können die Situation einordnen. Der zweite Schritt ist, dass die Angehörigen mit in die Zahnarztpraxis kommen. Wir nennen das Versorgungsdiagnose. Das heißt: Wo wohnt der Patient, mit wem wohnt er zusammen? Hat er ambulante Hilfe? Wer ist in den Therapieentscheidungsprozess mit einzubeziehen? Die hier genannte Person versuchen wir schon frühzeitig einzubinden – etwa indem sie zu einer Prophylaxe-Sitzung mitgeht und geschult wird. So kann sie beispielsweise verstehen, dass die Duraphat FluoridZahnpasta zwar einen höheren Preis hat, dafür aber sehr gut einzusetzen ist bei älteren Menschen mit einem erhöhten Kariesrisiko. Die Angehörigen wachsen in den Bereich Seniorenzahnmedizin sukzessive hinein, bevor es zu einer anstrengenden Pflegesituation kommt. PD Dr. Peter Schmidt: Wir haben im Kindes- und Jugendalter den Vorteil, dass die Individualprophylaxe von den gesetzlichen Krankenkassen finanziert wird. An dieser Stelle können wir frühzeitig präventiv viel machen und dazu motivieren, regelmäßig in die zahnärztliche Praxis zu kommen. Denn in eigenen Befragungsstudien gaben nur gut 38 Prozent der befragten Angehörigen an, dass der erste Zahnarztbesuch vor dem dritten Lebensjahr stattfand. Das ist viel zu spät. Hinzu kommt: Einige Kinder mit Behinderungen oder Grunderkrankungen erhalten bei Untergewicht oft hochkalorische Kost – gern auch mal über die Nuckelflasche. Dann stellen sich diese Kinder mit dreieinhalb, vier Jahren bei uns vor und die orale Situation zeigt ein behandlungsbedürftiges Milchgebiss. Hier sehe ich auch systemische Schwachstellen. Ich plädiere dafür, die Zahnmedizin in den medizinischen Netzwerken als integralen Bestandteil mitzudenken. Erfreulicherweise hat der Gemeinsame Bundesausschuss im Mai 2025 beschlossen, dass ab Januar 2026 die Ergebnisse der frühkindlichen zahnärztlichen Kontrolluntersuchungen mit im gelben U-Heft integriert und somit dort dokumentiert sind. Das ist ein zusätzlicher Meilenstein hin zu einer noch besseren Sichtbarkeit und ein großer Erfolg. Nitschke: Bei euch gibt es im Hinblick auf Menschen mit Behinderungen keine Vorbereitungszeit? Schmidt: Genau. Und die Vorbereitungszeit ist auch insofern nicht da, weil es in unserem Bereich oft noch ganz andere medizinische Themen gibt. Ich verstehe beispielsweise sehr gut, dass Eltern erst einmal darauf achten müssen, dass ihr Kind ein gutes Körpergewicht hat und aus allgemeinmedizm116 Nr. 03, 01.02.2026, (114) Prof. Dr. Ina Nitschke, MPH, Oberärztin, ist Leiterin des Bereichs Seniorenzahnmedizin der Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik und Werkstoffkunde am Department für Kopf- und Zahnmedizin der Medizinischen Fakultät der Universität Leipzig und der Medizinischen Hochschule Brandenburg. Sie ist Trägerin des Bundesverdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. Foto: privat DIE „INITIATIVE FÜR EINE MUNDGESUNDE ZUKUNFT IN DEUTSCHLAND“ ... von der Bundeszahnärztekammer (BZÄK) und CP GABA fördert praxisrelevante Präventionskonzepte und verfolgt einen interdisziplinären Ansatz. 2024/2025 stand das Thema „Mundgesundheit in der häuslichen Pflege“ im Fokus. Damit verbunden ist der PraxisAWARD Prävention, der 2024 verliehen wurde. Prof. Dr. Ina Nitschke und PD Dr. Peter Schmidt waren Mitglieder der Jury.

RkJQdWJsaXNoZXIy MjMxMzg=