16 | POLITIK ihnen Zeit für ihre Patientinnen und Patienten rauben“, machte Ermler deutlich. Am – effektiven – Abbau von Bürokratie führe daher kein Weg vorbei. Die Behörden sollten mehr Vertrauen wagen, gleichzeitig müsse mehr Ermessensspielraum für Beamte her – „damit gesunder Menschenverstand über Paragrafenreiterei siegt“. Die BZÄK-Präsidentin kam auch auf die Reform der Gebührenordnung für Zahnärzte (GOZ) zu sprechen. Der Entwurf für die neue Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ), deren Umsetzung Bundesgesundheitsministerin Nina Warken für dieses Jahr angekündigt hat, dürfe keine Blaupause für die Reform der GOZ sein. Was für die Ärzte funktioniert, passe für die Zahnärzte gar nicht, etwa die im GOÄ-Entwurf vorgesehene Abschaffung des Gebührenrahmens und Einschränkungen bei der analogen Berechnung neuer Leistungen. Wenn man dies übernehme, würde das die GOZ nachhaltig verändern – mit negativen Folgen für die Patientinnen und Patienten. Denn zahnmedizinische Leistungen seien hochgradig individuell – abhängig von Befund, Aufwand und Behandlungsalternativen. Eine pauschale Festgebühr werde dieser Komplexität nicht gerecht. Der Steigerungsfaktor erlaube eine flexible Anpassung der Kosten an Schwierigkeit und Zeitaufwand und gehe zudem auf Patientenwünsche ein. „Wir brauchen diesen Handlungsspielraum. Daher kann die GOÄ kein Vorbild für die GOZ sein“, stellte Ermler klar. Die geplante Strafverschärfung bei Übergriffen auf Beschäftigte im Gesundheitswesen begrüßte Ermler. Wer helfende Hände angreift, müsse mit spürbaren strafrechtlichen Konsequenzen rechnen. Ärzte, Zahnärzte und ihre Teams müssten in ihrem Berufsalltag wirksam geschützt werden. „Daher hoffe ich, dass das geplante Gesetz schnell Realität wird“, betonte Ermler. Zahnärzte sind ein Role Model Die Zahn- und Mundhygiene habe für sie persönlich sowie für ihre Kolleginnen und Kollegen einen außerordentlich hohen Stellenwert, betonte die Vorsitzende des Gesundheitsausschusses des Deutschen Bundestags, Dr. Tanja Machalet, in ihrem Grußwort. Denn dabei gehe es um Prävention, Krankheitsvorbeugung, Ernährung, Konsumsteuern, geschlechtsspezifische Versorgungsfragen und letztlich auch um gesellschaftliche Teilhabe. Prävention werde Kindern in Deutschland von klein auf vermittelt – dieser Ansatz sei sehr wichtig. Auch bei Erwachsenen gehöre der Zahnarzt-Besuch zur regelmäßigen Routine. Damit forderten die Zahnärzte Prävention nicht nur, sondern lebten sie auch. Mundhygiene und Zahnpflege seien Paradebeispiele dafür, was durch Prävention erreicht werden kann. „An dieser jahrzehntelangen Arbeit der Zahnärztinnen und Zahnärzte sollten wir uns ein Beispiel nehmen. Sie sind ein Role Model, wenn wir über Prävention sprechen“, lobte Machalet. Beifall erntete ihre Ankündigung, sich für die Einführung einer Steuer auf stark zuckerhaltige Getränke noch in dieser Legislaturperiode einzusetzen. „Wir brauchen eine Zuckersteuer beziehungsweise Zuckerreduktionssteuer.“ Um dies in der Koalition durchzusetzen, brauche sie die Unterstützung der Zahnärzteschaft. Eine Zuckersteuer „wäre ein wirksames Instrument“, um den Zuckergehalt in Getränken zu senken und insbesondere Kinder und Jugendliche zu schützen. In Großbritannien könne man sehen, dass die Einführung einer solchen Abgabe den Zuckerkonsum bei Jugendlichen und Erwachsenen deutlich gesenkt habe. „Es ist mein dringender Wunsch, in dieser Legislatur eine Zuckersteuer auf den Weg zu bringen“, erklärte Machalet. Das Geld aus der Steuer müsse dann gezielt für Prävention eingesetzt werden. Die Zahnmedizin ist Teil der Lösung Martin Hendges, Vorsitzender des Vorstands der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KZBV), begrüßte, dass Warken zu einem Dialog mit der Selbstverwaltung zurückgefunden habe. Das sei schon einmal anders gewesen, sagte er in Anspielung auf Warkens Vorgänger Karl Lauterbach (SPD). Angesichts der Finanzmisere der gesetzlichen Krankenkassen warnte Hendges vor „ungezielten Kostensenkungsmaßnahmen“. Die vertragszahnärztliche Versorgung sei kein Kostentreiber, sondern Teil der Lösung. „Wir zeigen mit unserer Präventionsausrichtung auf, wie man das Gesundheitssystem stabilisieren kann“, sagte Hendges. Prävention gelinge jedoch nur, wenn dafür Anreize geschaffenwerden. Als Erfolg hob Hendges hervor, dass die zahnärztlichen Früherkennungsuntersuchungen seit Jahresbeginn ins sogenannte Gelbe Heft integriert wurden. Prävention sei ein hohes Gut, das nicht aufs Spiel gesetzt werden dürfe. Da Mund- und Allgemeinerkrankungen sich gegenseitig beeinflussen würden, sei es wichtig, Erkrankungen sektorenübergreifend in den Blick zu nehmen. „Die Zahnmedizin zeigt, wie Prävention und Wirtschaftlichkeit in Einklang zu bringen sind“, erläuterte Hendges. Anders als bei der Zahnmedizin gebe es im Krankenhausbereich und in der Arzneimittelversorgung hohe Ausgabensteigerungen. Hendges forderte, die neue Parodontitistherapie gesetzlich zu verankern. Dabei sei es wichtig, bei Reformen die Selbstverwaltung eng einzubinden. ao zm116 Nr. 04, 16.02.2026, (206) Dr. Tanja Machalet (SPD), Vorsitzende des Gesundheitsausschusses des Bundestags „Wir zeigen mit unserer Präventionsausrichtung auf, wie man das Gesundheitssystem stabilisieren kann." KZBV-Chef Martin Hendges Foto: BZÄK/Marius Schwarz
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