Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 4

POLITIK | 21 zm116 Nr. 04, 16.02.2026, (211) finden könnten. Welche Position vertritt die BZÄK in dieser Frage? Wir befürworten eine Herstellerabgabe, insbesondere für zuckerhaltige Softdrinks. Unser Vorschlag ist also keine Zuckersteuer, die die Bürgerinnen und Bürger zahlen, sondern wir denken in Richtung einer Abgabe, die sich an die Hersteller richtet. Je mehr Zucker deren Produkte enthalten, desto höher die Abgabe. In Großbritannien hat dieses Vorgehen Wirkung gezeigt. Die Folge war nicht, dass weniger Cola oder Limonade verkauft wurden. Doch die Unternehmen haben den Zuckergehalt in Softdrinks deutlich gesenkt, um für sich finanzielle Nachteile zu vermeiden. Die Einnahmen aus der Abgabe sollten dazu verwendet werden, Prävention und Gesundheit zu finanzieren. Wie begegnen Sie dem Vorwurf der Bevormundung? Das ist Nonsens, die Menschen sollen für das gleiche Geld einfach ein besseres Produkt bekommen. Für uns steht die Prävention im Fokus. Wir wollen Aufklärungsarbeit leisten, die Folgeerkrankungen verhindert. Und jetzt ist der richtige Zeitpunkt dafür. Warum ist das Timing gerade gut? Weil Strukturreformen im deutschen Gesundheitssystem in aller Munde sind. Eine Zuckerabgabe kann ernährungsbedingte Folgeerkrankungen wie Adipositas, Diabetes und Herz-KreislaufErkrankungen langfristig zurückdrängen – und zugleich die GKV finanziell entlasten. Die zahnmedizinische Prophylaxe zeigt, dass Aufklärung wirkt. Dank kontinuierlicher Elternarbeit hat sich beispielsweise das Wissen etabliert, dass ungesüßte Getränke für Kinder am besten sind. Solche AhaEffekte können auch bei anderen Zielgruppen gelingen, wenn man sie über die Risiken einer zu zuckerhaltigen Ernährung informiert. Was wünschen Sie sich dieses Jahr für die Freien Berufe von der EU-Politik? Dass der versprochene Bürokratieabbau endlich greift. Dass wir eine praxisrelevante europäische Politik sehen, die den Niedergelassenen das Leben nicht schwerer macht – wie zum Beispiel durch ein Ethanolverbot. Hier setze ich sehr auf die Zusammenarbeit mit Kolleginnen und Kollegen aus anderen Mitgliedstaaten. Über meine Tätigkeit im Vorstand des „Council of European Dentists“ (CED) stehe ich dazu bereits im regen Austausch. Gehen wir zurück nach Deutschland: Was ist Ihnen in der Zusammenarbeit mit den Länderkammern wichtig? Wir brauchen einen guten Fluss von Informationen, vor allem, um Best Practices untereinander auszutauschen. Ich sage immer: Nicht jede Kammer muss das Rad neu erfinden. Stattdessen sollten wir voneinander lernen. Und dieses Potenzial können wir noch besser ausschöpfen, indem wir Ressourcen bündeln. Was hat Ihr Interesse an der Berufspolitik geweckt? Der Schritt in die Selbstständigkeit im Jahr 2005. In der Niederlassung merkt man schnell, dass man Probleme gemeinsam viel schneller lösen kann. Es war für mich sehr einfach, in die Standespolitik hineinzuwachsen, weil ich in meinem Landesverband in Brandenburg sehr positiv aufgenommen und sehr schnell integriert und gefördert wurde. Gab es Vorbilder, die Sie ermutigt haben, diesen Schritt zu tun? Nein, meine Motivation war, dass ich kollegialen Austausch gesucht habe. Nach dem Studium habe ich mich in Potsdam niedergelassen. Über die Mitgliedschaft in meinem Landesverband wollte ich Kolleginnen und Kollegen in meiner Nähe kennenlernen. Durch den Austausch habe ich schnell gemerkt, dass unser Beruf nicht nur aus Patientenbehandlung besteht, sondern auch Selbstverwaltung ein wichtiges Thema ist. So bin ich in die standespolitische Arbeit hineingerutscht – alles andere hat sich dann nach und nach ergeben. Wie hat sich die Art, wie zahnärztliche Berufspolitik betrieben wird, in den vergangenen Jahren verändert? Sie ist im Laufe der letzten Jahre wesentlich intensiver geworden, „Aus meiner Erfahrung gibt es nur eine Voraussetzung, die man erfüllen muss, um gute Standespolitik machen zu können: Man muss mit Leib und Seele Zahnärztin oder Zahnarzt sein.“ Dr. Romy Ermler Fotos: Sascha Rudat

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