28 | ZAHNMEDIZIN DER BESONDERE FALL MIT CME Herpes-Zoster-assoziierte Osteonekrose des Kiefers Nasim Ayad, Marina Maslova, Robin Bacher, Martin Kunkel Die Herpes-Zoster-assoziierte Osteonekrose des Kiefers gehört zu den seltensten Komplikationen einer VaricellaZoster-Reaktivierung im Versorgungsgebiet des Nervus trigeminus. Seit der Erstbeschreibung im Jahr 1908 wurden weltweit nur wenige Fälle beschrieben. Der aktuelle Fall eines 56-jährigen Patienten zeigt, dass ein reduziertinvasives Vorgehen unter Anwendung von Platelet-Rich Fibrin zu einer vollständigen Ausheilung führen kann. Der Patient stellte sich mit freiliegendem Knochen in Regio 43 bis 47 und mehreren gelockerten Zähnen vor. 45 und 46 waren devital. Als klinische Besonderheit fiel auf, dass sich innerhalb der Nekrosezone kleinflächige Weichgewebsareale darstellten, die in dieser Form bei klassischen Osteonekrosen üblicherweise nicht beobachtet werden. Eine klassische Vincent-Symptomatik bestand nicht. Drei Wochen zuvor war eine HerpesZoster-Infektion dermatologisch diagnostiziert und zunächst stationär behandelt worden. Der Patient erhielt eine intravenöse, antivirale Therapie, die bei Entlassung oralisiert wurde. Zum Zeitpunkt der Erstvorstellung in der kieferchirurgischen Ambulanz zeigten sich keine klassischen HerpesZoster-Effloreszenzen im Gesicht. Eine antiresorptive Therapie oder Bestrahlung lag nicht vor, sodass eine HerpesZoster-assoziierte Osteonekrose im Sinne einer Ausschlussdiagnose festgestellt wurde. Anamnestisch bestand ein gut eingestellter Diabetes mellitus Typ 2 als potenziell immunkompromittierende Grunderkrankung. Die zm116 Nr. 04, 16.02.2026, (218) Abb. 1: Präoperative Darstellung der Osteonekrose Unterkiefer rechts lingual (a) und bukkal (b) Abb. 2: Intraoperative Situation nach Sequestrotomie und PRF-Auflage a b
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