Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 4

EDITORIAL | 3 Einfach mal wieder in die Hände spucken Paracetamol ist kürzlich in die Schlagzeilen geraten, weil die US-Gesundheitsadministration – wieder einmal – behauptet hat, die Einnahme während der Schwangerschaft erhöhe das Risiko für Autismus beim Kind. Eine systematische Metaanalyse von 43 Studien ging deshalb der Frage nach, ob Paracetamol in der Schwangerschaft sicher angewendet werden kann oder nicht. Wir stellen in diesem Heft das Ergebnis vor. Und in unserer Serie zur Betriebswirtschaft in der Zahnarztpraxis erklären unsere beiden Experten diesmal, wie die Praxissoftware eingesetzt werden kann, um einen aktuellen Blick auf die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Praxis zu bekommen. Außerdem finden Sie in dieser Ausgabe ein Interview mit dem Gründer und langjährigen Vorsitzenden von Dentists for Africa (DfA), Dr. Hans-Joachim Schinkel. Er baute vor 26 Jahren das humanitäre Projekt auf und gestaltete die Arbeit in Kenia bis Ende 2025 maßgeblich mit. Lesen Sie, wie er sich in all den Jahren motivieren konnte und welche Herausforderungen er in der Zukunft sieht. Viel Spaß bei der Lektüre Sascha Rudat Chefredakteur „Ja, dann wird wieder in die Hände gespuckt. Wir steigern das Bruttosozialprodukt.“ Die etwas Älteren unter Ihnen werden sich vielleicht noch an diese Textzeile aus dem gleichnamigen Spaßsong „Bruttosozialprodukt“ der NDW-Kombo Geier Sturzflug erinnern. Dass das Lied in den westdeutschen Charts war, ist jetzt satte 43 Jahre her. Fast ein halbes Jahrhundert. Aber offenbar hat sich der Inhalt bei Teilen der CDU nachhaltig festgesetzt. Denn in immer kürzeren Abständen kommen in jüngster Zeit aus verschiedenen Ecken der Union Vorschläge, wie wir denn unser wirtschaftlich schwächelndes Land wieder ganz nach vorne bringen können. Grundtenor: Einfach wieder mehr arbeiten (... und weniger krankfeiern). Nachdem sich der Kanzler höchstpersönlich mit den Modalitäten der AUBescheinigung befasst hatte, gab es kurze Zeit später verschiedene Stimmen aus den Reihen der CDU, die das Recht auf Teilzeitarbeit einschränken beziehungsweise abschaffen möchten. In dieses Bild passt der jüngste, aber nicht neue Vorschlag des CDU-Wirtschaftsrates, die zahnmedizinische Versorgung aus der GKV-Finanzierung herauszuholen. So sollen dann die GKV-Finanzen – oder gar die ganze deutsche Wirtschaft – gerettet werden. Die KZBV und die BZÄK haben die entsprechende Antwort darauf gegeben. Auch Bundesgesundheitsministerin Nina Warken, selbst CDU, hat abgewunken. Nach der Vorstellung von Teilen der Union soll also kräftig in die Hände gespuckt und landauf, landab angepackt werden, dann geht’s wieder aufwärts. Aber ob Ideen, die ein halbes Jahrhundert alt sind, in einer globalisierten Welt noch funktionieren? Wäre es nicht stattdessen besser, sich um Dinge wie Digitalisierung, den Abbau von Bürokratie oder neue intelligente Arbeits- und Steuermodelle zu kümmern? Was war eigentlich nochmal mit dem „Herbst der Reformen“? Und ob eine Misstrauenskultur gegenüber der arbeitenden Bevölkerung der richtige Weg ist, bei den bevorstehenden fünf Landtagswahlen von den Rechtsextremen Stimmen zurückzuholen, daran habe ich starke Zweifel. Vor 43 Jahren jedenfalls war das Handy noch kein Thema in der Arbeitswelt. Inzwischen ist das multifunktionale Smartphone zum allgegenwärtigen Begleiter geworden. Telefonieren ist nur noch eine Funktion unter vielen, Social-Media-Apps belegen die Spitzenplätze bei der Nutzungsdauer. Für viele ist der ständige Blick aufs Display nicht nur zur Gewohnheit, sondern schon regelrecht zur Sucht geworden. Das macht sich auch im Berufsleben bemerkbar. Wenn dort das Smartphone zum Zeit- und Aufmerksamkeitsfresser bei den Angestellten wird, sorgt das oft für Stress und stört den Betriebsfrieden. In unserer Titelgeschichte gehen wir der Frage nach, was arbeitsrechtlich erlaubt ist und welche Regeln Praxisinhaberinnen und -inhaber aufstellen sollten. Gerne können Sie uns von Ihren Erfahrungen berichten. Foto: Lopata/axentis

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