ZAHNMEDIZIN | 31 gend. Da hier eine vorübergehende, Virus-induzierte Vaskulitis vorliegt, sollte die szintigrafische Aktivität nicht überinterpretiert, sondern ein zurückhaltendes, reduziert-invasives chirurgisches Vorgehen gewählt werden. Der beschriebene Heilungsverlauf bestätigt die Effektivität des gewählten konservativen Vorgehens. Die Prognose der HZ-ONJ ist in der Regel gut, wenn eine adäquate antivirale Therapie erfolgt und nekrotisches Gewebe entfernt wird. Langzeitverläufe zeigen stabile Verhältnisse ohne Rezidiv [Chen, 2019; Chatterjee, 2023]. Entscheidend ist eine frühzeitige und auch kontinuierliche zahnärztliche Begleitung bei Herpes-Zoster-Infektionen des Nervus trigeminus, da dentoalveoläre Komplikationen auch Wochen nach dem initialen Hautbefall auftreten können [Huang, 2024]. Eine enge interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Dermatologie, Zahnmedizin und Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie ist daher unabdingbar. Zusammenfassung Die Herpes-Zoster-assoziierte Osteonekrose wird heute dank moderner diagnostischer Verfahren und wachsender Fallzahlen zunehmend besser verstanden. Aktuelle Untersuchungen deuten darauf hin, dass diese Komplikation häufiger vorkommt als bisher angenommen, insbesondere bei älteren oder systemisch vorerkrankten Patienten. Die Kombination aus antiviraler Frühtherapie und schonender chirurgischer Sanierung unter Verwendung von PRF stellt eine effektive und prognostisch günstige Behandlungsoption dar. Ebenso entscheidend ist eine frühzeitige interdisziplinäre Zusammenarbeit: Bei jeder Herpes-Zoster-Manifestation im Kiefer-Gesichtsbereich sollte frühzeitig eine zahnärztliche Mitbetreuung erfolgen, um dentoalveoläre Komplikationen rechtzeitig zu erkennen und gegebenenfalls therapeutisch einzugreifen. Dieser Fall verdeutlicht, dass nach überstandener Zoster-Reaktivierung und Wiederherstellung der lokalen Mikrozirkulation eine weitgehend physiologische Knochen- und Schleimhautheilung möglich ist, sofern das operative Vorgehen an die spezifische Pathophysiologie angepasst wird. n zm116 Nr. 04, 16.02.2026, (221) Abb. 6: Klinische Situation neun Monate postoperativ lingual (a) und bukkal (b) Fotos: Nasim Ayad Dr. med. dent. Nasim Ayad Knappschaft Kliniken Universitätsklinikum Bochum GmbH, Klinik für Mund-, Kiefer- und plastische Gesichtschirurgie In der Schornau 23–25, 44892 Bochum Foto: privat Dr. med. Marina Maslova Knappschaft Kliniken Universitätsklinikum Bochum GmbH, Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie, Neuroradiologie und Nuklearmedizin In der Schornau 23–25, 44892 Bochum Foto: Knappschaft Dr. med. Robin Bacher Knappschaft Kliniken Universitätsklinikum Bochum GmbH, Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie, Neuroradiologie und Nuklearmedizin In der Schornau 23–25, 44892 Bochum Foto: Knappschaft Prof. Dr. Dr. Martin Kunkel Knappschaft Kliniken Universitätsklinikum Bochum GmbH, Klinik für Mund-, Kiefer- und plastische Gesichtschirurgie In der Schornau 23–25, 44892 Bochum Foto: privat a b
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