Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 4

32 | MEDIZIN GOLDSTANDARD-ÜBERSICHTSARBEIT IN THE LANCET Paracetamol in der Schwangerschaft erhöht NICHT das Autismus-Risiko beim Kind Im Fokus einer systematischen Metaanalyse von 43 bestehenden Studien stand die Frage, ob Paracetamol in der Schwangerschaft sicher angewendet werden kann oder nicht. Ergebnis: Die Einnahme von Paracetamol während der Schwangerschaft erhöht nicht das Risiko für Autismus, ADHS oder geistige Behinderung beim Kind. Die Arbeit war eine Reaktion auf öffentliche Bedenken, nachdem die US-Administration um Präsident Donald Trump im September 2025 behauptet hatte, dass die Einnahme von Paracetamol während der Schwangerschaft die Neuroentwicklung der Kinder beeinträchtigen und ihr Risiko für Autismus erhöhen könne. Die strittigen Studienergebnisse hatte die Regierung damals zum Anlass genommen, die Zulassungsbehörde FDA damit zu beauftragen, die Sicherheitskennzeichnung von Paracetamol zu ändern. Die Behauptungen basierten auf früheren Studien, die einen geringen Zusammenhang zwischen der Einnahme von Paracetamol während der Schwangerschaft und einem erhöhten Autismus-Risiko festgestellt hatten. Diese Studien waren jedoch häufig mit Verzerrungen behaftet, da sie sich auf bestimmte Arten von Daten beschränkt und keine Vergleiche zwischen Geschwistern angestellt hatten, um die Familiengeschichte zu berücksichtigen, die aber eine wichtige Rolle spielt. Das internationale Team untersuchte 60 Studien von höchster Qualität und mit strengsten Forschungsmethoden und verglich Schwangerschaften, in denen die Mutter Paracetamol eingenommen hatte, mit solchen, in denen das nicht der Fall war. 43 Studien wurden in die systematische Übersichtsarbeit und 17 Studien in die Metaanalyse einbezogen. Die früheren Warnungen basierten auf verzerrten Studien Durchsucht wurden MEDLINE, Embase, ClinicalTrials.gov und die Cochrane Library von Beginn an bis zum 30. September 2025 nach Kohortenstudien mit adjustierten Risikoschätzungen für eine Autismus-Spektrum-Störung, ADHS und intellektuelle Beeinträchtigung. Eingeschlossen wurden Studien, die validierte Fragebögen oder Krankenakten zur Definition der Endpunkte verwendeten, mütterliche Komorbiditäten und Behandlungen erfassten und Schwangerschaften mit und ohne Paracetamol-Exposition verglichen. Nicht adjustierte Studien wurden ausgeschlossen. Sie fassten die Ergebnisse von Vergleichsstudien zusammen, in denen Geschwister derselben Mutter verglichen wurden, wobei eine Schwangerschaft mit Paracetamol-Exposition verbunden war und die andere nicht. „Dieses Design hilft dabei, gemeinsame genetische Faktoren, das familiäre Umfeld und langfristige elterliche Eigenschaften zu prüfen, die in traditionellen Studien nicht vollständig berücksichtigt werden können“, betonen die Forschenden. In den Studien zum Vergleich von Geschwistern wurden Daten von 262.852 Kindern mit Autismus, 335.255 Kindern mit ADHS und 406.681 Kindern mit geistiger Behinderung ausgewertet. Im Vergleich zu Schwangerschaften ohne Paracetamol-Exposition wurde bestätigt, dass die Einnahme Die Lancet-Studie belegt, dass das Risiko für neurologische Entwicklungsstörungen beim Kind durch die Einnahme von Paracetamol in der Schwangerschaft nicht steigt. Foto: Maksym-stock.adobe.com zm116 Nr. 04, 16.02.2026, (222)

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