Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 4

ZAHNMEDIZIN | 43 eine subtotale Verschattung der linken Kieferhöhle sowie einen stark röntgendichten, metallisch anmutenden Fremdkörper von etwa 7 mm Größe zeigte. Weiter imponierte ein deutlicher vertikaler und horizontaler Knochenverlust im Bereich der ehemaligen Extraktionsalveole (Abbildung 2). Eine klinisch manifeste Mund-Antrum-Verbindung konnte jedoch nicht festgestellt werden. Die Anamnese war abgesehen von einer obstruktiven Schlafapnoe unauffällig. Es bestanden keine Hinweise auf systemische Grunderkrankungen oder immunsuppressive Risikofaktoren. Allerdings erwähnte der Mann zwei potenziell relevante Expositionen: Er hatte – wenn auch selten – von Berufs wegen Kontakt mit importiertem Weihrauch und lagerte zu Hause altes Holzum. Die Therapie erfolgte in ambulanter Vollnarkose mittels Lindorf-DeckelTechnik. Nach marginaler Schnittführung und Darstellung der Kieferhöhlenvorderwand wurde mittels Piezosurgery ein knöcherner Deckel präpariert und der Sinus eröffnet (Abbildung 3). Es zeigten sich eine große Menge bröckeliges, schwarz verfärbtes Material sowie eine entzündlich veränderte Schleimhaut (Abbildung 4). Zudem wurde ein Zahnkronenfragment geborgen (Abbildung 7). Die Kieferhöhle wurde unter Erhalt der auskleidenden Schleimhaut vollständig gereinigt und mit physiologischer Kochsalzlösung gespült. Zur postoperativen Spültherapie wurde transnasal ein Drainageröhrchen durch das Ostium naturale eingelegt (Abbildung 5). Auf ein Fenster zum unteren Nasengang wurde daher verzichtet. Der Knochendeckel wurde reponiert und mit resorbierbaren Nähten fixiert (Abbildung 6). Postoperativ erhielt der Patient eine antibiotische Prophylaxe mit Amoxicillin über 24 Stunden sowie eine einwöchige lokale antimykotische Spültherapie mit Voriconazol. Die tägliche Spülung führte der Patienten selbst durch. Die histopathologische Untersuchung zeigte umfangreiches, dichtes Pilzgeflecht mit entzündlichem Begleitexsudat sowie eine sinunasale Schleimhaut mit chronisch-entzündlichen Veränderungen. Die PCR-Analyse identifizierte den Erreger als Aspergillus fumigatus. Der postoperativ reizlose Verlauf ermöglichte eine komplikationslose Nahtentfernung nach sieben Tagen. Das Röhrchen wurde nach zwei Wochen gezogen. Eine spätere radiologische Kontrolle nach drei Monaten zeigte keine pathologischen Besonderheiten mehr. Diskussion Epidemiologie Der Begriff Aspergillom des Sinus maxillaris beschreibt die lokal begrenzte, selten invasive Form der AspergillusInfektion der Kieferhöhle. Es zählt zu den häufigsten Ursachen einseitiger Kieferhöhlenerkrankungen [Giotakis et al., 2020], stellt insgesamt aber eine eher seltene Form der chronischen Sinusitis dar. Ausgegangen wird von einem zehnprozentigen Anteil aller rezidivierenden Sinusitiden [Loidolt et al., 1989]. Das Aspergillom der Kieferhöhle tritt bei Patienten mittleren und fortgeschrittenen Alters auf, teilweise wird eine Dominanz bei Frauen beschrieben [De Foer et al., 1990]. Ätiopathogenese Während invasive Aspergillosen eher bei älteren oder immunologisch kompromittierten Patienten auftreten [Leboime et al., 2009], sind bei der nichtinvasiven Form auch jüngere und immunologisch kompetente Individuen betroffen [Chobillon et Jankowski, 2004]. Unterschieden werden eine dentogen übertragene Form und eine aerogen übertragene Form. Der Krankheit zugrunde liegt eine ventilationsgestörte Kieferhöhle mit reduziertem Sekretabfluss [Sarioglu et al., 2001]. Bei der dentogenen Form sind typischerweise die Molaren des Oberkiefers ursächlich [Khongkhunthian et Reichart, 2001]. Zu den begünstigenden Faktoren zählen die Verschleppung von Fremdkörpern in die Kieferhöhle wie beispielsweise Amalgamfüllungen [Burnzm116 Nr. 04, 16.02.2026, (233) Abb. 3: Mit Aspergillom gefüllte Kieferhöhle Abb. 4: Bergung der typisch graubraunen, bröckeligen Pilzmasse Abb. 6: Replantierter Knochendeckel nach Lindorf Abb. 5: Anlage eines Drainageröhrchens über das Ostium naturale Fotos: Johanna Wrede

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