Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 4

44 | ZAHNMEDIZIN ham et Bridle, 2009], Sealer [Guivarc'h et al., 2015], Zinkoxid-Eugenol-haltige Wurzelkanalfüllungsmaterialien, Knochenersatzmaterial, persistierende oroantrale Fisteln, ein insuffizienter Parodontalstatus sowie immunsupprimierende Erkrankungen wie Diabetes mellitus [De Foer et al., 1990] oder die Behandlung mit Immunsuppressiva [Leboime et al., 2009]. Beobachtet werden Spezies wie A. fumigatus [Loidolt et al., 1989], A. flavus [De Foer, 1990] oder A. niger [Khongkhunthian et Reichart, 2001]. Die luftübertragene Form der Aspergillus-Sinusitis beschränkt sich auf wärmere oder tropische Gebiete [Sarioglu et al., 2001]. Eine Sporeninhalation bei einer Tätigkeit in einem landwirtschaftlichen Betrieb oder im Rahmen einer Reise werden hierbei als mögliche Ursachen diskutiert [De Foer, 1990]. Symptomatik Symptome treten nicht zwangsläufig auf und sind häufig unspezifisch, daher wird das Aspergillom oft als Zufallsbefund im Rahmen zahnärztlicher Diagnostik mittels Panoramaschichtaufnahme entdeckt. Beobachtet werden Zahnschmerzen [Khongkhunthian et Reichart, 2001], eine Nasenatmungsbehinderung [Sarioglu et al., 2001], eine Beeinträchtigung des Riechvermögens, ein Taubheitsgefühl im Bereich des. N. infraorbitalis [Giotakis et al., 2020], eine Uveitis, anteriore oder posteriore Rhinorrhoe, chronische oder rezidivierende Gesichtsschmerzen, eine Therapieresistenz gegenüber Antibiotika und Glucocorticoiden [De Foer et al., 1990] oder Antihistaminika [Som, 1991]. Periorbitale Schwellungen [McGinnis et al., 1977], Schwindel, Exophthalmus [Brown et al., 1994] sowie Amaurosis, Gangunsicherheit, Dysarthrie und Hypakusis [Winkler et al., 2001] und erysipeloide Dermatitis [Choffray et al., 2007] können bei fortgeschrittenen beziehungsweise invasiven Formen auftreten. Diagnostik Die Panoramaschichtaufnahme im Rahmen der zahnärztlichen Diagnostik kann bereits deutlich hyperdense Fremdkörper im Bereich des Sinus maxillaris zeigen. Die Lage des Aspergilloms selbst wird mittels dreidimensionaler Bildgebung näher bestimmt. Die dreidimensionale Bildgebung mittels digitaler Volumentomografie oder Computertomografie ist die Diagnostik der Wahl, um den Verdacht zu bestätigen. Typischerweise findet sich eine einseitige, subtotale Verschattung, assoziiert mit einem hyperdensen Fokus, gegebenenfalls eine Sklerosierung der begrenzenden Kieferhöhlenwand [Grosjean et Weber, 2007], Kalzifikationen [Ciapuccini et al., 2017] oder metalldichte Verschattungen [Torul et al., 2018]. Eine Sklerosierung der angrenzenden Kieferhöhlenwand deutet auf das lange Fortbestehen einer chronischen Entzündung hin [Giotakis et al., 2020]. Knöcherne Arrosionen verweisen auf ihre Infiltration [Han et al., 2023]. Die Magnetresonanztomografie kann ebenfalls Hinweise auf ein Aspergillom liefern, da das dicht zusammengelagerte Mycel selbst aus nahezu flüssigkeitsfreiem Material besteht und sich in der T2-Gewichtung gut von der entzündlich verdickten Kieferhöhlenschleimhaut abgrenzen lässt [Winkler et al., 2001]. Die intraoperative Bergung braungrauer bis grau-gelber und bröckeliger Weichgewebsmasse ist typisch für ein Aspergillom [Ciapuccini et al., 2017]. Der mikrobiologische Nachweis kann mittels Anzucht aus dem intraoperativ gewonnenen Material erfolgen, jedoch ist ein Zwischenergebnis der Kultur erst nach frühestens 24 bis 48 Stunden zu erwarten [McGinnis et al., 1977]. In der histologischen Aufarbeitung zeizm116 Nr. 04, 16.02.2026, (234) FAZIT FÜR DIE PRAXIS n Das Aspergillom der Kieferhöhle ist eine wichtige Differenzialdiagnose bei einseitigen, röntgendichten Verschattungen und/oder Fremdkörperverdacht – auch bei asymptomatischen Patienten. n Zahnärztliche Eingriffe mit Eröffnung der Kieferhöhle, insbesondere überpresste Wurzelfüllungen und andere verschleppte Fremdkörper, gelten als wesentliche Risikofaktoren. n Die Diagnostik stützt sich auf die konventionelle Röntgentechnik (PSA) und die moderne Schnittbildgebung (DVT, CT, MRT), ergänzt durch eine histopathologische und gegebenenfalls mikrobiologische Diagnostik. n Die Therapie besteht in der vollständigen chirurgischen Sanierung, in der Regel über einen transoralen Zugang (zum Beispiel Lindorf-Deckel), gegebenenfalls endoskopisch assistiert. n Eine intraoperative und postoperative lokale antimykotische Therapie kann ergänzend eingesetzt werden, eine systemische antimykotische Therapie ist invasiven Verläufen vorbehalten. n Eingesetzt werden Medikamente wie Itraconazol, Voriconazol und Amphotericin B. n Der Verlauf ist bei immunkompetenten Patienten meist komplikationslos und die Prognose günstig – entscheidend sind die vollständige Entfernung des Pilzmaterials sowie der Erhalt und die Wiederherstellung der Drainagefunktion der Kieferhöhle. n Eine präzise chirurgische Technik, die adäquate Versorgung iatrogener MAV und eine korrekte endodontische Versorgung im Oberkiefer-Seitenzahnbereich sind entscheidend zur Prävention des Aspergilloms. Abb. 7: Z.n. Bergung des Fremdkörpers (Zahnschmelzfragment mit anhaftenden Resten des Aspergilloms) Foto: Johanna Wrede

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