ZAHNMEDIZIN | 45 gen sich charakteristisch verzweigte Hyphen [Khongkhunthian et Reichart, 2001]. Im vorliegenden Fall wurde mit dem für die histopathologische Aufarbeitung gewonnenen Material eine zusätzliche PCR-Diagnostik durchgeführt, die auf den Nachweis von A. fumigatus schließen ließ. Therapie Ziel ist die vollständige Entfernung des Aspergilloms unter Erhalt oder Wiederherstellung der physiologischen Drainage der betroffenen Kieferhöhle. Nicht selten sind eine Kieferhöhlenfensterung und eine partielle Uncinektomie (Abtragung des Processus uncinatus unter Schonung der Schleimhaut in der Umgebung des natürlichen Ostiums) erforderlich. Die Pilzmasse sollte herausgespült und ohne Schädigung der Schleimhaut abgesaugt werden, um Blutungen zu vermeiden. Eine postoperative topische oder systemische antimykotische Therapie kann ergänzend eingesetzt werden [Giotakis et al., 2020]. Liegen immunkompromittierende Erkrankungen vor, wird eine postoperative Spülung der Kieferhöhle sowie eine systemische antimykotische Therapie praktiziert [Dudde et al., 2023]. Während systemische Aspergillosen sowohl systemisch antimykotisch als auch chirurgisch behandelt werden, ist die Therapie des nichtinvasiven Aspergilloms der Kieferhöhle primär chirurgisch. Bei allergischer Genese der Sinusitis kommen zusätzlich Steroide zum Einsatz [Brown et al., 1994]. Als Zugangswege werden die Zahnalveole [Khongkhunthian et Reichart, 2001] und die Fossa canina mittels Fensterung der Kieferhöhle [Torul et al., 2018] beschrieben. Der Zugang über die Fossa canina ist bei Kindern aufgrund einer möglichen Schädigung der Zahnkeime kontraindiziert. Die Operation kann endoskopisch assistiert erfolgen, was vorteilhaft für die Übersicht ist. Der alleinige endoskopische Zugang über das natürliche Ostium erschwert die Entfernung von Fremdkörpern [Chobillon et al., 2004]. Zu den Techniken der Kieferhöhlenfensterung zählen der Knochendeckel nach Lindorf, bei dem über die Führung des Sägeschnitts eine passgenaue Replantation ermöglicht wird sowie der kranial am Periost gestielte Knochendeckel nach Abello [Schwenzer et Ehrenfeld, 2011]. Ursächliche Zähne werden extrahiert oder mittels Wurzelspitzenresektion und retrograder Wurzelfüllung behandelt. Fremdkörper werden aus der Kieferhöhle entfernt. Eine intraoperative Spülung mit physiologischer Kochsalzlösung folgt der chirurgischen Therapie, eine lokale oder systemische antimykotische Therapie ist nicht zwingend notwendig [Grosjean et Weber, 2007]. Der systemische Einsatz von Antimykotika erfolgt bei invasiven Formen [Choffray et al., 2007]. Insbesondere Voriconazol wird bei der Therapie von Aspergillus sp. eingesetzt [Abir et al., 2012]. Amphotericin B und Itraconazol können verwendet werden [Winkler et al., 2001]. Die Rolle von Antibiotika ist begrenzt. Eine perioperative antibiotische Prophylaxe kann erwogen werden. Prognose Die Prognose des Aspergilloms ist gut, die chirurgische Kieferhöhlensanierung ist meist kurativ [Grosjean et Weber, 2007]. Rezidive und leichte postoperative Komplikationen treten selten auf. Üblich ist eine Kontrolluntersuchung bis zu sechs Monate postoperativ [Burnham et Bridle, 2009]. Mittels dreidimensionaler Bildgebung innerhalb des ersten Jahres nach der Kieferhöhlensanierung können Rezidive ausgeschlossen werden, sollten keine klinischen Symptome vorliegen. Langzeitnachuntersuchungen über mehrere Jahre sind in der Literatur nur vereinzelt dokumentiert. Ausbreitungen auf benachbarte Strukturen wie beispielsweise nach intrakraniell oder nach intraorbital werden beobachtet, zählen aber zu den Ausnahmen [De Foer, 1990]. Engmaschige Nachkontrollen werden bei immunologisch inkompetenten Patienten jedoch empfohlen [Grosjean et Weber et al., 2007]. Prävention Eine Überstopfung von Wurzelfüllmaterial sollte vermieden werden. Gelangen Fremdkörper im Rahmen einer Prozedur in die Kieferhöhle müssen diese unmittelbar entfernt werden. Bei therapieresistenten, einseitigen Sinusitiden sollte grundsätzlich auch an eine Pilzinfektion gedacht werden. Der plastische Verschluss von Mund-Antrum-Verbindungen sollte grundsätzlich erfolgen.n zm116 Nr. 04, 16.02.2026, (235) Dr. Dr. Johanna Wrede Fachärztin für MKG-Chirurgie MVZ MKG Elmshorn, Dres. Kohlmeier & Voit GbR Schulstr. 44, 25335, Elmshorn Foto: Martin Zitzlaff Dr. Dr. Christian Kleier Facharzt für Mund-KieferGesichtschirurgie Gemeinschaftspraxis Dres. Kleier & Schlieper Osdorfer Weg 147, 22607 Hamburg und Gustav-Mahler-Platz 1, 20354 Hamburg Foto: privat Nicole Degel-Broßmann Assistenzärztin für Medizinische Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie Zentrum für Diagnostik, Institut für Medizinische Mikrobiologie, Virologie und Hygiene Martinistr. 52, 20246 Hamburg Foto: privat ZM-LESERSERVICE Die Literaturliste kann auf www.zm-online.de abgerufen oder in der Redaktion angefordert werden.
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