Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 4

PRAXIS | 49 Es gibt die unterschiedlichsten Finanzierungswege. Welcher am besten passt, ist eine sehr individuelle Frage. Grundsätzlich besteht ein Spannungsfeld zwischen Flexibilität und niedrigem Zins. Als Faustregel gilt: Eine Finanzierung aus öffentlichen Mitteln, wie ein KfW-Kredit, hat den Vorteil vergleichsweise niedriger Zinsen. Allerdings ist eine solche Finanzierung in der Regel mit weniger Flexibilität verbunden. Der klassische Bankenkredit hat tendenziell höhere Zinsen, bietet dafür aber den Vorteil größerer Flexibilität. Schließlich gibt es regionale, aber auch bundesweite Fördermöglichkeiten, die im Einzelfall passen können: Gerade strukturschwache Regionen bieten oft eine Förderung für Gründerinnen und Gründer an, um sie für eine Niederlassung zu gewinnen. Was tun bei unerwarteten Hindernissen? Für Drljaca war Flexibilität das wichtigste Kriterium, so entschied sie sich für den Bankenkredit. „Rückblickend bin ich total froh, dass ich eine flexible Finanzierung gewählt habe. Die ursprüngliche Kreditsumme war sehr hoch – viel höher als der Kaufpreis für die Praxis. Das lag vor allem an den einkalkulierten Renovierungskosten.“ Denn anfangs hatte sie eigentlich einen kompletten Praxisumbau geplant. Nach der Übernahme erkannte Drljaca jedoch, dass sie die Raumaufteilung nur minimal verändern musste, um ihren Ansprüchen und Vorstellungen gerecht zu werden. „Das viele Geld brauchte ich am Ende gar nicht. Zum Glück war mein Kredit so flexibel, dass ich die Summe meinem tatsächlichen Bedarf nachträglich anpassen konnte.“ Am besten lässt sich unruhiges Fahrwasser mit einem Frühwarnsystem vermeiden. Ab der Gründung oder Übernahme empfiehlt sich ein vierteljährliches Controlling, basierend auf den Annahmen aus dem Businessplan. Geprüft wird, ob Umsatz, Gewinn und Patientenzahlen wie geplant erreicht werden. Ist dies nicht der Fall, kann sofort gegengesteuert werden – zum Beispiel mit passenden Marketingmaßnahmen zur Neupatientengewinnung oder mit einer Optimierung des Beratungsprozesses. Beruht die Finanzierung auf belastbaren Daten, ist es unwahrscheinlich, dass die Praxisfinanzierung in Schieflage gerät. Fazit Die Entscheidung für die richtige Finanzierung ist von zentraler Bedeutung für den erfolgreichen Weg in die Selbstständigkeit. Deshalb sollte sie immer basierend auf den betriebswirtschaftlichen Kennzahlen und einer realistischen Zukunftsprognose getroffen werden – Stichwort: Businessplan. Hinzu kommt ein Gespür für die eigenen Bedürfnisse hinsichtlich Sicherheit und Flexibilität. Als sie nach der Übernahme ein Gefühl für die Praxis entwickelt hatte, beschloss die Zahnärztin, weniger Geld als vorgesehen in die Hand zu nehmen. Nun hat Drljaca eine moderne Praxis nach ihrem Geschmack, zufriedene Patienten und erwirtschaftet bereits Gewinne. n zm116 Nr. 04, 16.02.2026, (239) „AESTHETIKO“ – DER TRAUM VON DER EIGENEN PRAXIS Vladislava Drljaca ist eine Kämpfernatur. Vor zehn Jahren kam sie aus Serbien nach Berlin, um Deutsch zu lernen. Nach vielen Höhen und Tiefen ist sie heute nicht nur approbierte Zahnärztin, sondern Inhaberin einer eigenen Praxis. Für diesen Traum hat die Zahnärztin lange gekämpft. Mit„aesthetiko“ ging er schließlich in Erfüllung. In dieser Serie geben sie und ihre Berater Nadja Alin Jung sowie Jonas Kock Einblicke in das Übernahme-Projekt. Lesen Sie auf zmonline auch die ersten Teile: n „Auf der Suche nach dem perfekten Standort“ (zm 18/2025, über den QR-Code) n „Businessplan sei Dank“ (zm 1-2/2026) n Let’s Talk Money: Welche Finanzierung passt zu mir? (zm 4/2026) Jonas Kock KOCK CONSULTING GmbH | Beratung für die Heilberufe Berlin Foto: privat Nadja Alin Jung m2c | medical concepts & consulting Frankfurt am Main Foto: m2c Foto: Mr_Mockup – stock.adobe.com

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