POLITIK | 51 Gesundheit und Resilienz“ der (damaligen) Bundesregierung in seiner im Februar 2025 veröffentlichten Stellungnahme zu dem Schluss: „Die vorliegenden Daten deuten darauf hin, dass der beobachtete Anstieg der AU-Zeiten nicht auf die telefonische Krankschreibung, sondern auf eine bessere Erfassung, vor allem im Zusammenhang mit der Einführung der elektronischen AU-Bescheinigung im Jahr 2022, zurückzuführen ist.“ Diese führte zu einer vollständigeren Erfassung der Arbeitsunfähigkeit, da vor allem kurze Arbeitsunfähigkeiten häufiger an die Krankenkasse gemeldet wurden als davor. Wie viele greifen zum Telefon? Das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi) teilte im Oktober 2025 mit, dass eine Analyse pseudonymisierter Arbeitsunfähigkeits- sowie vertragsärztlicher Abrechnungsdaten für die Jahre 2020 bis 2023 „keinerlei Hinweise“ gebracht habe, „dass die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung per Telefon beziehungsweise per Videosprechstunde die maßgebliche Treiberin des gestiegenen Krankenstandes in Deutschland ist“. Die Bedeutung der telefonischen AU mit einem Anteil von jährlich 0,8 bis 1,2 Prozent an allen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen sei zudem sehr gering. Bei der Videosprechstunde liege der Anteil bei 0,1 bis 0,4 Prozent. Die Barmer stellte auf Basis ihrer Versichertendaten sogar fest, dass, „anders als bei der Entwicklung der AU-Fälle, sowohl bei der telefonischen Beratung als auch bei der Videosprechstunde beim Vergleich der Jahre 2023 und 2022 ein Rückgang von -10,2 Prozent beziehungsweise -18 Prozent zu erkennen ist“. Was treibt den Krankenstand hoch? Die DAK teilte kürzlich – auf Basis einer Auswertung zu den Fehlzeiten von rund 2,4 Millionen der bei ihr versicherten Beschäftigten für das Gesamtjahr 2025 – mit, dass die durchschnittliche Anzahl bei 19,5 Fehltagen pro Kopf lag (2024: 19,7). Ursache für rund die Hälfte der Fehltage waren demnach Atemwegsprobleme, psychische sowie Muskel-Skelett-Erkrankungen. Bei den psychischen Erkrankungen habe es einen Zuwachs von 6,9 Prozent gegeben. Die Fehltage aufgrund von Atemwegsproblemen und Muskel-Skelett blieben hingegen weitgehend unverändert. „Psychisch bedingte Krankschreibungen sind oft mit langen Ausfallzeiten verbunden“, sagte DAK-Vorstandschef Andreas Storm. Die Auswertung zeigte auch: Während die durchschnittliche Dauer einer Krankschreibung 2025 bei knapp zehn Tagen lag, waren über 60-jährige Beschäftigte etwa 20 Tage krank. Storm: „Auch mit Blick auf die Wirtschaft ist Prävention daher das Gebot der Stunde.“ Der Geschäftsführer des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO), Helmut Schröder, plädiert in diesem Sinne dafür, statt über die Abschaffung der telefonischen AU zu diskutieren, lieber die Prävention zu stärken, zum Beispiel über bessere Gesundheits- und Ernährungserziehung sowie betriebliches Gesundheitsmanagement. sth zm116 Nr. 04, 16.02.2026, (241) 14,8 Tage waren deutsche Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Jahr 2024 durchschnittlich krankgemeldet. (Quelle: Destatis) 0,9% betrug der Anteil der Telefon-AU an der Gesamtzahl aller AU-Bescheinigungen. (Quelle: Zi) Männer schummeln bei telefonischer Krankschreibung öfter 24 70 7 3 Insgesamt Männer Frauen 28 62 8 2 13 78 6 3 Basis: 596 Befragte (ab 18 Jahre) in Deutschland, die schon einmal die tel. Krankschreibung genutzt haben; 10.–11.07.2024 Quelle: YouGov Nein, noch nie Anteil der Befragten, die die telefonische Krankschreibung (nicht) genutzt haben, um „krank zu feiern“ (in %) Weiß nicht/keine Angabe Ja, mehrmals Ja, einmal Quelle: https://de.statista.com/infografik/32630/umfragezum-missbrauch-der-telefonischen-krankschreibung
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