Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 4

52 | ZAHNMEDIZIN FALLBERICHT AUS DEM DGZ-JUNIORSPEZIALISIERUNGSPROGRAMM Pragmatismus als Option bei der Versorgung Hochbetagter Johannes Österreicher Die zahnärztliche Behandlung hochbetagter Patienten benötigt Therapieangebote, die mit ihrer Lebensrealität und ihren gesundheitlichen Einschränkungen in Einklang stehen, aber oft Kompromisslösungen sind. In diesem Fall wurde eine Einzelzahn-Lückensituation einer 91-Jährigen mittels einer Variante des „Immediate Pontics“ adhäsiv geschlossen. Die hochbetagte Patientin war bereits viele Jahre in der Poliklinik für Zahnerhaltung des Universitätsklinikums Tübingen zahnmedizinisch betreut worden, allerdings aus Sorge vor einer Corona-Infektion von Ende 2019 bis August 2023 knapp vier Jahre der zahnärztlichen Versorgung ferngeblieben. Grund der Wiedervorstellung war dann ein wenige Tage zuvor stattgefundener Füllungsverlust am Zahn 36. Hier bemerkte die Patientin eine an der Zunge störende scharfkantige Fraktur des Molaren (Abbildungen 2 und 3). Weitere Schmerzen oder Beschwerden gab sie nicht an. Im Rahmen der zahnärztlichen Untersuchung konnten multiple Rezessionen und diverse arretierte Brown-Spot-Läsionen festgestellt werden. Obwohl die unterstützende Parodontitistherapie (UPT) vier Jahre unterbrochen war, konnte bis auf einen Grad III gelockerten Zahn 31 und eine Grad I–II gelockerte, restliche Unterkieferfrontbezahnung ein gut erhaltenes Gebiss festgestellt werden. Dies ist auch darauf zurückzuführen, dass die Patientin – trotz ihres fortgeschrittenen Alters – die häusliche Mundhygiene stets sehr gründlich betrieb, wie auch aus früheren Akteneinträgen ersichtlich wurde (Abbildung 4). Allgemeinanamnestisch zeigte die Patientin neben einer diagnostizierten Herzinsuffizienz, einer medikamentös behandelten, stabilisierten Angina pectoris und einer Niereninsuffizienzauch eine fortgeschrittene Wirbelsäulenarthritis, wodurch längeres, nach hinten gelehntes Sitzen auf dem Behandlungsstuhl für die Patientin schmerzhaft war und ihre Adhärenz für längere Sitzungen deutlich reduzierte. Die von ihr als störend empfundene scharfkantige Füllungsfraktur konnte noch am selben Tag mit einer direkten Kompositrestauration (Reparaturrestauration unter Verwendung des CojetAbb. 1: Klinische Ausgangssituation zm116 Nr. 04, 16.02.2026, (242) Foto: Johannes Österreicher

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