62 | GESELLSCHAFT INTERVIEW MIT DENTISTS-FOR-AFRICA-GRÜNDER DR. HANS-JOACHIM SCHINKEL „Wir sind keine Heilsbringer, sondern Partner auf Augenhöhe!“ Anne-Kristin Henker 26 Jahre war Dr. Hans-Joachim Schinkel als Gründer und Vorstandsvorsitzender des Vereins Dentists for Africa (DfA) im Einsatz. Er baute das Projekt auf und gestaltete die Arbeit in Kenia bis Ende 2025 maßgeblich. Wie blickt er auf diese Zeit zurück? Was hat Sie über all die Jahre motiviert – auch in schwierigen Momenten? Dr. Hans-Joachim Schinkel: Das war vor allem meine Überzeugung, dass ich das Richtige tue. Dass mein Handeln und Wirken mit meinen Werten übereinstimmt – und letztlich das positive Feedback von den vielen Menschen, denen ich in der Zeit begegnet bin, besonders auch in Kenia. Außerdem war für mich der Rückhalt meiner Familie und Freunde entscheidend. Wir haben hier im wohlhabenden Deutschland einen sehr hohen Lebensstandard verglichen mit den Menschen, die wir bei unserer Arbeit in Afrika getroffen haben. Unser Wohlstand wird ja auch immer noch zum Teil durch bestehende postkoloniale Strukturen gesichert und erhalten. Wir leben leider oft auf Kosten anderer Menschen in Ländern wie Kenia. Das wurde mir zunehmend bewusster und hat meine Motivation genährt. Ich wollte etwas zurückzugeben, im Rahmen meiner Möglichkeiten. Gab es in der Zeit auch Herausforderungen oder mal Zweifel? Durch das Denken in kleinen Schritten hatte ich keine Zweifel. Herausforderungen entstanden immer durch ungenügende Kommunikation – egal, ob hier in Deutschland und/ oder zwischen uns und kenianischen Projektpartnern. Zudem mussten wir lernen, zu den Kenianern die richtigen Kanäle zu finden. Es hat sich beispielsweise herausgestellt, dass das mündliche Gespräch Vorrang hat vor schriftlicher Kommunikation, weil es einfach ihren kulturellen Vorerfahrungen entspricht. Unsere regelmäßige Präsenz vor Ort erleichterte das von Anfang an. Insgesamt hat sich bei der Kommunikation in den 26 Jahren aber viel geändert. In den Anfangsjahren war es noch sehr schwierig, da es vor Ort kaum funktionierende Telefone gab, geschweige denn Handys. Interneta) Dr. Hans-Joachim Schinkel und seine Enkelin Anna bei den Feierlichkeiten zu 25 Jahre Dentists for Africa in Kenia. b) Im Jahr 2000 fand der erste zahnmedizinische Einsatz in Nyabondo, Westkenia statt – seitdem baute DfA 14 Zahnstationen auf. Einheimische und deutsche Fachkräfte haben inzwischen mehr als eine Million Patienten behandelt. c) Kommunikation auf Augenhöhe mit den kenianischen Projektpartnern – die Basis von Schinkels Arbeit. d) Oral Health Officer Francis Waishi bei der Arbeit. e) Schinkel und sein deutsches Team setzten von Beginn an auf die Stärkung der Strukturen vor Ort. f) Im November wurde in Kenia mit über 1.000 Gästen das 25-jährige Jubiläum von DfA gefeiert. a c d b e f Fotos: DfA, Eric Pawlitzky, Jan Bruns für DfA, Phillip – stock.adobe.com zm116 Nr. 04, 16.02.2026, (252)
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