Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 4

64 | POLITIK AOK-STUDIE ZUM PRIMÄRARZTSYSTEM IN BADEN-WÜRTTEMBERG Hausarztmodell senkt ungesteuerte Facharztbesuche um 50 Prozent Ob ein Primärarztsystem Kosten einspart? Laut einer Studie der AOK Baden-Württemberg (AOK BW) ist die Zahl unkoordinierter Facharztkontakte jedenfalls 50 Prozent niedriger als in der Regelversorgung. Ist das System im Ländle eine echte Alternative? Seit 2011 prüfen die Goethe-Universität Frankfurt und das Universitätsklinikum Heidelberg alle zwei Jahre die Effekte der Hausarztzentrierten Versorgung (HZV) in Baden-Württemberg. Auch die neueste Evaluation zeigt erkennbare Vorteile dieses Modells im Vergleich zur Regelversorgung, meldet die AOK BW: So verzeichnete das Modell 2022 zwar etwa 3,1 Millionen Hausarztkontakte mehr, aber eben auch 1,36 Millionen unkoordinierte Facharztbesuche ohne Überweisung weniger. Rund 5.900 Ärztinnen und -Ärzte betreuen im Ländle mehr als zwei Millionen freiwillig eingeschriebene AOK-Versicherte im Primärarztsystem. 2022 konnten der AOK BW zufolge allein bei den 110.200 Patientinnen und Patienten mit Herzinsuffizienz im Vergleich zur Regelversorgung gut 3.500 stationäre Notaufnahmen, 16.900 Rettungsdiensteinsätze und 3.200 Behandlungen im ambulanten Bereitschaftsdienst vermieden werden. Darüber hinaus wurden von 2011 bis 2022 bei 119.000 Diabetikern mehr als 9.200 schwerwiegende Komplikationen umgangen, ebenso 700 Amputationen sowie 4.800 Herzinfarkte und Schlaganfälle. Besser versorgt bei geringeren Kosten? Außerdem wurden 2022 circa 24.000 mehr Influenza-Impfungen durchgeführt und rund 7.500 weniger Verordnungen potenziell ungeeigneter Medikamente an ältere Menschen ab 65 Jahren abgegeben. „Diese bessere Versorgungsqualität wird seit Jahren bei geringeren Kosten erreicht“, bilanziert die Krankenkasse. Die Professoren Attila Altiner aus Heidelberg und Ferdinand Gerlach aus Frankfurt am Main führen diese Effekte auf die intensivere hausärztliche Betreuung im Rahmen des Hausarztmodells zurück. Potenziell schwerwiegende Verläufe würden frühzeitig erkannt und bei Bedarf rasch zur fachärztlichen Abklärung weitergeleitet. Die große Diskrepanz bei der Nutzung von Notfallstrukturen unterstreiche die Wirksamkeit einer effektiven hausärztlichen Steuerung. Seit 17 Jahren besteht der HZVVertrag der AOK Baden-Württemberg. Ist eine patientengesteuerte Versorgung effizienter? Foto: Siphosethu F/peopleimages.com -adobe.stock.com zm116 Nr. 04, 16.02.2026, (254)

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