Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 4

zm116 Nr. 04, 16.02.2026, (256) 66 | POLITIK nen oder Regressen in Verbindung zu stehen. Die HZV steht den Studienautoren zufolge vor der Herausforderung, eine Versorgung zu gewährleisten, die sowohl qualitativ hochwertig als auch wirtschaftlich ist. Diese beiden Zielsetzungen stünden häufig in einem Spannungsverhältnis zueinander. Vor diesem Hintergrund stelle sich die Frage, ob gezielte Mehrinvestitionen im hausärztlichen Versorgungssektor mittel- bis langfristig zu einer Reduktion der Gesamtausgaben eines Versichertenkollektivs führen können. Bei der Einführung der HZV habe man vorrangig in die Verwaltung der Krankenkasse und in zusätzliche EDV investiert. Zudem mussten Hausärzte und Patienten von der Teilnahme überzeugt werden, dazu die Fachärzte, die ins Programm eingebunden wurden – Kardiologen, Orthopädinnen und Urologen. Vereint habe alle das Interesse, dass weniger Patientinnen und Patienten in ihre Wartezimmer strömen und dort die Termine für Erkrankte blockieren, obwohl sie beim Hausarzt besser versorgt wären. Erfolgsfaktor ist die Patientensteuerung Laut AOK BW lagen die Mehrausgaben im primärärztlichen Sektor 2021 für HZV-Versicherte bei 50,9 Prozent. Bei den Gesamtausgaben über alle Versorgungsbereiche ergaben sich jedoch für HZV-Versicherte 4,3 Prozent niedrigere Ausgaben im Vergleich zur Kontrollgruppe der Nicht-HZV-Versicherten. Dieser Unterschied sei vor allem auf geringere Kosten im stationären Bereich sowie bei den Arzneimitteln zurückzuführen – beides die Kostentreiber im Gesundheitswesen. „Unsere Haus- und Facharztverträge sind und bleiben eindeutig die bessere Alternative zur Regelversorgung. Der entscheidende Erfolgsfaktor ist nach wie vor die Steuerung der Patientenversorgung“, bilanziert Dr. Norbert Smetak, Vorstandsvorsitzender von MEDI Baden-Württemberg und MEDI GENO Deutschland. Diesen „Qualitätsvorsprung in der Versorgung halten wir seit 17 Jahren – und wir werden diesen Weg weiter fortsetzen“, bekräftigt Johannes Bauernfeind, Vorstandsvorsitzender der AOK BW. Zugleich blieben aber viele Herausforderungen bestehen, wie zu viele, oft unnötige Patientenkontakte und fehlende Anreize für eine koordinierte Versorgung. Bauernfeind betont: „Unser Gesundheitssystem ist darüber hinaus das teuerste in Europa – trotzdem fehlt es an echter Versorgungsqualität. Wir brauchen deshalb eine koordinierte, sektorenunabhängige Versorgung und eine echte Strukturreform des Kollektivsystems für eine zukunftsfähige und gelingende Primärversorgung.“ LL Evaluation der Hausarztzentrierten Versorgung (HZV), AOK Baden-Württemberg, Ausgabe 2025 „Patientinnen und Patienten und ihre Hausärztinnen und Hausärzte arbeiten – im Vergleich zur Regelversorgung – enger zusammen. Gemeinsam werden Ziele vereinbart und kontrolliert.“ Prof. Dr. Attila Altiner, Ärztlicher Direktor der Abteilung Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung des Universitätsklinikums Heidelberg Prozentualer Anteil von KHK-Patientinnen und -Patienten mit mindestens einem Krankenhausaufenthalt pro Jahr Prozentualer Anteil (%) Berichtsjahre 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 Regelversorgung HZV 25,0 27,5 30,0 32,5 35,0 37,5 Abb. 3: Quelle: AOK Baden-Württemberg

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