Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 4

ZAHNMEDIZIN | 69 angthip et al., 2017]. Denkbar ist, dass dadurch der Verbund von Füllungsmaterialien in diesem Bereich beeinträchtigt werden kann. Diese Auffassung ist in der Literatur aber umstritten [Senna et al., 2012; Silva et al., 2013]. Der Bereich des Zahnhalses ist im Hinblick auf eine Trockenlegung und Kontaminationskontrolle während des Füllungsvorgangs sehr delikat. Die Anwendung von Kofferdam hat sich in kontrollierten Studien als positiver Einflussfaktor auf das klinische Ergebnis erwiesen [Mahn et al., 2015]. Allerdings scheint das Anlegen von Kofferdam in der Füllungstherapie noch immer nicht sehr verbreitet zu sein und wird im Rahmen von Klasse-V-Versorgungen als sehr anspruchsvoll angesehen [Ceruti et al., 2006]. Bei der Präparation einer Zahnhalskavität kommt es häufig zu kleineren Verletzungen und damit Blutungen der angrenzenden, oftmals entzündeten Gingiva. Diese Blutungen lassen sich mit geeigneten Hämostyptika stoppen. Sollte es dabei zur Kontamination des Dentinsubstrats mit dem Hämostyptikum kommen, lässt sich diese mit geeigneten Maßnahmen so handhaben, ohne dass eine Beeinträchtigung des Haftverbundes des Adhäsivsystems zum Dentin auftritt [Groddeck et al., 2017]. Zur Kontaminationskontrolle einer Zahnhalskavität und zum Verdrängen der angrenzenden Gingiva werden häufig Retraktionsfäden in den Sulkus eingelegt. Damit wird zum einen bewirkt, dass das Austreten von Sulkusflüssigkeit weitestgehend blockiert und die Kavität während des Füllungsvorgangs nicht mit Sulkusflüssigkeit kontaminiert wird. Zum anderen wird die Gingiva durch den eingebrachten Faden so weit verdrängt, dass kein Kontakt der Gingiva zum zervikalen Rand der Kavität mehr vorhanden ist und eine kontrollierte Applikation von Adhäsiv und Füllungsmaterial in diesem Bereich möglich ist. Allerdings wird es vermutlich vielen Anwendern – wie auch dem Autor – passieren, dass sie beim Einbringen von hochviskosem Komposit in eine vorbereitete Zahnhalskavität mit dem Modellierspatel die Gingiva berühren und erneut eine Blutung auslösen. Ein weiteres Problem bei der Versorgung von Läsionen im Zahnhalsbereich ist möglicherweise, dass in der Praxisroutine diesen auf den ersten Blick gut zugänglichen und einfachen Kavitäten für den Füllvorgang nicht ausreichend Zeit in der Planung eingeräumt wird. Um Probleme bei der Gestaltung von Kompositrestaurationen zu umgehen, habe ich eine spezielle Technik mit dem Namen BERK® entwickelt. Das Akronym BERK® steht für Basic Evolutionary Restaurative Key und umfasst die strategisch gezielte Applikation von Füllungsmaterial zur schrittweisen Wiederherstellung der ursprünglichen Zahnmorphologie. Diese Technik kann bei allen Kavitätenklassen angewendet werden und wird hier im Rahmen der Versorgung einer Klasse-V-KompositRestauration detailliert dargestellt. Fallbeschreibung Ein sich seit vielen Jahren bei mir in Behandlung befindlicher 75-jähriger Patient klagte zunehmend über Hypersensibilitäten an den unteren zm116 Nr. 04, 16.02.2026, (259) ZM-LESERSERVICE Die Literaturliste kann auf www.zm-online.de abgerufen oder in der Redaktion angefordert werden. INSTRUMENTE UND MATERIALIEN AUS DEN FALLBESCHREIBUNGEN Material Markenname (Hersteller) Fließfähiges Komposit – Filtek supreme flow (3M ESPE (heute: Solventum), St. Paul, USA) – GrandioSO Flow (Voco, Cuxhaven, Deutschland) Kanüle Typ 45 (Voco) Hochvisköses Komposit Ceram.x Mono bzw. Ceram.x Spectra ST (DentsplySirona, Konstanz, Deutschland) Adhäsivsystem Optibond FL (Kerr, Kloten, Schweiz) Oszillierndes Feilensystem Proxoshape rot/gelb mit Swingle Winkelstück (Intensiv, Lugano, Schweiz) Diamantschleifer Verschiedene (Intensiv) Retrakationsfäden Ultrapak (Ultradent, Köln, Deutschland) Pulverabstrahlgerät Microetcher (Danville Materials, Carlsbad, USA) Abstrahlpulver (50 µm) Airsonic Alu-Oxyd (Hager&Werken, Duisburg, Deutschland) Silikonpolierer Greenie/Brownie (Shofu, Ratingen, Deutschland) Silikonhochglanzpolierer Unigloss Polisher (Intensiv) Ausarbeitungs-Steinchen Keramikpolierer WS 94000C (Komet, Lemgo, Deutschland) Tab. 1 Quelle: Attin

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