Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 4

70 | ZAHNMEDIZIN Frontzähnen, die im Zahnhalsbereich ausgeprägte Zahnhartsubstanzdefekte aufwiesen (Abbildungen 1a–1d). Die Mundhygiene wurde als gut eingestuft. Möglicherweise waren die vorliegenden Zahnhalsdefekte als sogenannte Putzdefekte zu klassifizieren, wie sie bei intensiven Mundhygienebemühungen häufig zu beobachten sind. Mit zunehmendem Alter hatte der Patient allerdings Mühe, die schwer zugänglichen Defekte adäquat zu reinigen. Zudem musste man befürchten, dass es bei weiterem Abbau der Zahnhartsubstanz in diesen Bereichen zu einem Verlust der Zahnintegrität oder einer Pulpaexposition kommt. Daher wurde entschieden, die besonders stark betroffenen Zähne 31, 32, 41 und 42 mit Kompositrestaurationen im Zahnhalsbereich zu versorgen. Die Zähne reagierten positiv auf einen Sensibilitätstest mit Kältespray und wiesen Sondierungstiefen von 2-3 mm Tiefe auf. Die Zähne wurden wie nachfolgend beschrieben versorgt. Nach fünf Jahren Beobachtungszeit sind die Restaurationen des nun 80-jährigen Patienten bis auf kleine Defekte im zervikalen Anteil als akzeptabel einzustufen. Die Gingiva weist eine über die Beobachtungszeit leicht progrediente Rezession auf. Zwei Jahre nach Restauration der unteren Inzisivi wurde deutlich, dass der Patient auch an Zahn 33 den vorliegenden Zahnhalsdefekt nicht mehr ausreichend reinigen konnte. Daher wurde entschieden, auch diesen Zahn mit einer Kompositrestauration zu versorgen (Abbildung 1d). Vorgehensweise Die Vorgehensweise bei der BERK®- Technik wird am Fall des Eckzahns 33 genauer dargestellt. Die Ausgangssituation zeigt einen tiefen zervikalen Defekt mit zervikal epigingivaler Randbegrenzung (Abbildung 2a). Nach Legen eines Retraktionsfadens lag der gesamte Rand der Kavität supragingival und war gut zugänglich (Abbildung 2b). Die sklerosierte Dentinoberfläche der Kavität wurde mit rotierenden Diamantschleifern aufgefrischt. Mit einem kugelförmigenDiamantschleiferwurde eine feine, muldenförmige Akzentuierung des Randes vorgenommen. Der zervikal exponierte Anteil der Wurzeloberfläche wurde mit oszillierenden, diamantbelegten Feilen gereinigt und angefrischt. Die Verwendung von Feilen im epigingivalen Bereich erlaubt eine schonende Vorgehensweise ohne Verletzung der Gingiva. Im Schmelzrandbereich wurde eine Anschrägung mit einem flammenförmigen Diamantschleifer vorgenommen. Anschließend wurden die Kavität und die Randbereiche zusätzlich mit einem Pulverstrahlgerät unter Verwendung von 50 µm-AluminiumoxidPulver gereinigt. Nach Applikation von 37,5 Prozent Phosphorsäure für circa 15 Sekunden auf Schmelz und Dentin wurde ein Zwei-Flaschen-Adhäsiv im Etch & Rinse-Verfahren nach Herstellerangaben angewendet und lichtpolymerisiert. Um eine optimale zervikale Adhäsion zu gewährleisten und spätere Verfärbungen zu vermeiden, sollte das gesamte Adhäsionsverfahren auch die angrenzende freiliegende und gereinigte Wurzeloberfläche umfassen. Im nächsten Schritt wurde ein fließfähiges Komposit unter Verwendung zm116 Nr. 04, 16.02.2026, (260) Abb. 2: Darstellung des schrittweisen Vorgehens zur Restauration von Zahn 33: a) Zahn 33 zu Beginn der Behandlung b) Situation nach Legen des Retraktionsfadens und Präparation der Kavität c) Zustand nach Fertigstellung der zervikalen „Wanne“ aus fließfähigem Komposit d) Schematische Darstellung der einbrachten Komposit-Portionen, die jeweils separat kurz ausgehärtet wurden e) Situation nach Applikation von hochviskosem Komposit, vor Politur f) Zustand nach Politur sowie g) nach einem Jahr und h) nach drei Jahren Liegedauer a c d b e f g h

RkJQdWJsaXNoZXIy MjMxMzg=